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Corona-Virus in Remscheid: Krisenstab befürchtete viel mehr Todesfälle

Corona-Virus in Remscheid : Krisenstab befürchtete viel mehr Todesfälle

Ein Zwischenbericht über den Kampf gegen das Corona-Virus zeigt die Dimension der Anstrengungen zwischen März und Juni. Es gibt eine Menge beeindruckender Zahlen für Remscheid. Ein Überblick.

1500 Todesfälle durch die Lungenkrankheit Covid-19. Als am 28. Februar der Corona-Krisenstab in Remscheid als erster seiner Art in NRW die Arbeit aufnahm, stand diese Zahl als Worst-Case-Szenario im Raum. Basis dafür waren unter anderem die dramatischen Entwicklungen in Heinsberg und in Norditalien. Unter anderem auf Anraten des Krisenstabes der Bundesregierung wurden die Bettenkapazitäten in Remscheid verdoppelt. Eine Folge daraus: die Einrichtung eines Notkrankenhauses in der Halle Neuenkamp.

Was danach geschah und was die Stadt unternommen hat, damit es in Remscheid bislang bei „nur“ 18 Todesfällen geblieben ist, darüber gibt ein Bericht Auskunft, den der Leiter des Krisenstabs, Sozialdezernent Thomas Neuhaus, dreieinhalb Monate später als Resümee und Zwischenbericht verfasst hat.

Zwei Anlässe gibt es dafür. Erstmals seit Beginn der Zählungen vermeldete das Gesundheitsamt am 16. Juni keinen aktuellen Corona-Fall in Remscheid. Tags zuvor hatte der Krisenstab angekündigt, seine Arbeit vorläufig ruhen zu lassen. „Das Infektionsgeschehen hat bis heute in Remscheid einen moderaten Verlauf genommen“, heißt es im Fazit. Und weiter: „Die massiven Schutzvorkehrungen und Kontaktbeschränkungen haben bis zum heutigen Tage dazu geführt, dass die Pandemie in Remscheid in Bezug auf die Gesamtbevölkerung nur geringe gesundheitliche Auswirkungen hatte.“

Vieles, was Thomas Neuhaus beschreibt, ist aus den vielen Berichten unserer Redaktion rund um die Corona-Krise bekannt. Aber es gibt auch eine Menge beeindruckender Zahlen, die neu sind.

Etwa zum Thema Schutzausrüstung. Hier sorgte vor allem die Arbeit der Feuerwehr dafür, dass auch in der Phase, als Lieferketten zusammenbrachen, keine größeren Engpässe auftraten. Griff man zunächst auf die Bestände des Rettungsdienstes und Restbestände der Stadt aus der Zeit der Schweinegrippe zurück, wurden im Zeitraum März / April unter anderem 13.000 Schutzkleidungssets, 130.000 Masken der Qualität FFP 2 und 3 sowie 700.000 einfachere Masken beschafft. Regelmäßig versorgt wurden damit die 20 stationären und 30 ambulanten Pflegeeinrichtungen der Stadt. Im Bedarfsfall wurden auch soziale Einrichtungen, Ämter, Schulen, Museen, das Sana-Klinikum und die Stiftung Tannenhof, Hebammen und niedergelassene Ärzte versorgt. Insgesamt gab es 403 Materialausgaben auf dem Gelände der Feuerwehr. „Derzeit ist der Lagerbestand ausreichend, um auf einzelne Ausbruchsszenarien reagieren zu können“, schreibt Neuhaus.

Herausgearbeitet wird auch die zentrale Rolle des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) bei der Umsetzung und Kontrolle der zahlreichen Schutzverordnungen. Auf 30 Mitarbeiter wurde der Außendienst aufgestockt. Zehn Personen arbeiten im Schichtdienst in der neu geschaffenen Leitstelle im Ämterhaus an der Elberfelder Straße.

In Spitzenzeiten hatte der KOD 100 Einsätze am Tag. 5173 waren es insgesamt bis zum 9. Juni. 453 Platzverweise wurden erteilt, 411 Bußgeldverfahren eingeleitet.

Auch der Remscheider Polizei, deren Zusammenarbeit mit dem KOD durch Corona noch intensiver wurde, brachte Corona bisher viel Arbeit. Zwar sanken die Einsatzzahlen im klassischen Aufgabenfeld, dafür rückte die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung in den Mittelpunkt. 131 Ordnungswidrigkeitsverfahren, 167 Platzverweise und
31 Strafanzeigen listet der Bericht auf, davon zehn wegen Subventionsbetrug.

Auf Hochtouren lief auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt. Zwischen dem 6. März und dem 15. Juni versandte die Pressestelle 130 Meldungen nur rund um das Thema Corona.

Neuhaus schließt mit den Worten: „Remscheid hält zusammen, wenn die Bedrohungslage dies erfordert. Nun muss Remscheid die Infektionslage unter Kontrolle halten, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern. Es bedarf einer erneuten Kraftanstrengung einer ganzen Stadt, um die sozialen und ökonomischen Schäden der Pandemie zu bewältigen.“