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Streetwork-Angebot „Beratung mobil“ in Neuss: Die Straße ist ihr Arbeitsplatz

„Beratung mobil“ in Neuss : Die Straße ist ihr Arbeitsplatz

Drei Streetworker sind in Neuss seit Dezember 2018 zuständig für die „Beratung mobil“. Auf Tour“ gehen sie zweimal täglich und immer zu zweit. Meist nie vor 11 Uhr, denn erst ab dann füllen sich die Hotspots – Orte, an denen sich die Drogen- oder Trinkerszene trifft.

Chino ist kein ganz normaler Hund. Wenn man so will, dann ist der drei Jahre alte Rüde ehrenamtlich für die Stadt Neuss aktiv. Er scheint einen guten Job zu machen, denn er hat in den vergangenen Monaten so viele „Leckerlis“ bekommen, dass er rund um die Hundehüften etwas zugelegt hat.

Sein Frauchen ist Swenja Schröder. Die 28-Jährige ist Teil eines dreiköpfigen Teams, das seit Dezember vergangenes Jahres mit einer besonderen Aufgabe betraut ist. Die drei Sozialarbeiter der Jugend- und Beratungsstelle der Stadt Neuss (Drobs) und der Caritas-Wohnungslosenhilfe sind im Rahmen des Angebotes „Beratung mobil – Streetwork in Neuss“ auf den Straßen der Stadt unterwegs. Neben Swenja Schröder geben Birte Schmidt (23) und Florian Grotmann (39) den medizinischen und psychosozialen Hilfen im Stadtgebiet ein Gesicht.

„Auf Tour“ gehen sie zweimal täglich und immer zu zweit. Meist nie vor 11 Uhr, denn erst ab dann füllen sich die sogenannten Hotspots – also Orte, an denen sich die Drogen- oder Trinkerszene trifft. Start- oder Endpunkt der Tour bildet in den meisten Fällen die Drogenberatungsstelle an der Augustinusstraße. Mittlerweile sind die drei in den jeweiligen Szenen bekannt – eben auch wegen Chino. „Auf Ablehnung sind wir bislang noch nicht gestoßen. Wenn wir merken, dass gerade der falsche Zeitpunkt ist, dann ziehen wir uns zurück“, sagt Birte Schmidt.

Auf seinen Touren ist das Trio ausgestattet mit verschiedenen Utensilien wie Pflastern, Feuchttüchern oder Tee im Winter. Auch ein Flyer mit den wichtigsten Adressen ist immer griffbereit. Meist sind die drei zu Fuß unterwegs, für weitere Strecken nehmen sie den Bus. Der Stadtrat hatte das neue Angebot auch angesichts zunehmender Hinweise von Bürgern über den Konsum und Kauf von Drogen im öffentlichen Raum und damit verbundenen Effekten wie Lärm und Abfall beschlossen. Bürgermeister Reiner Breuer machte sich am Dienstag auf dem Berliner Platz selbst ein Bild von der Streetworker-Arbeit. In diesem Zusammenhang kündigte der Verwaltungschef an: „Ab dem Sommer wird ein Beratungsbus zur Verfügung stehen.“ Dieser soll kurze Hilfestellungen und Beratungen vor Ort ermöglichen und die Streetworker flexibler arbeiten lassen. Ein angegliedertes Stadtreinigungsprojekt – „Power-Kehrer Neuss“ genannt – beginnt zudem parallel. Dabei säubern Abhängige gegen eine Aufwandsentschädigung regelmäßig vereinbarte Orte von konsumbezogenem Abfall wie Spritzen, Flaschen und Dosen.

Florian Grotmann betont: „Wir sind auch Ansprechpartner für Anwohner.“ Und zwar auch im Bezug auf Sauberkeit. Um die Kontaktaufnahme zu erleichtern, wurde extra eine Hotline (02131 5237916) und eine Homepage (www.beratung-mobil-neuss.de) eingerichtet.

„Von den Anwohnern bekommen wir positive Rückmeldungen. Sie freuen sich, dass jemand vor Ort ist und sich kümmert“, sagt Birte Schmidt. Wenngleich Swenja Schröder betont, dass das Trio auf der Straße bislang mehr Kontakt zu Abhängigen als zu Anwohnern hatte.

Inspirieren ließ sich die Verwaltung bei dem Angebot von der Stadt Mönchengladbach. Dort ist das „Brennpunkt-Projekt“ mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Hilfesystem geworden.  Bereits 2004 startete die Gladbacher Drogenberatung das Projekt in Kooperation mit dem Diakonischen Werk – dieser Schritt war notwendig geworden, weil sich die Drogenszene in Gladbach zu diesem Zeitpunkt schnell vergrößert hatte.