1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Rudolf Hillebrands Galerie ist ein chaotisches Gesamtkunstwerk.

Rudolf Hillebrands Galerie in Rosellen : Ein Gesamtkunstwerk fernab der rationalen Welt

Rudolf Hillebrand ist Künstler, Sammler und Fotograf. Seine Galerie befindet sich in einem früheren Westernclub. Dort herrscht inspirierendes Chaos.

Rudolf Hillebrands Werkstatt und Galerie ist so etwas wie ein langsam gewachsenes und noch nicht abgeschlossenes Gesamtkunstwerk. An der Rosellener Kirchstraße 4, wo früher ein Westernclub sein Domizil hatte, lebt Hillebrand, 1954 im westfälischen Warburg geboren, seinen Traum: „Ich bin ein Schrotti“, gesteht der Mann mit den vielen Interessen und Begabungen. In einem Sammelsurium an Fundstücken entdeckt der aufmerksame Betrachter Fotografien, Dioramen und Art-Cameras.

Die raue, rationale Welt scheint scheint keinen Zutritt zu haben in das verspielt wirkende und doch gewissen Ordnungsprinzipien folgenden Chaos – einem zugegebenermaßen inspirierendem Chaos, an dem sich der Besucher nicht satt sehen kann. Er sollte wissen, dass Rudolf Hillebrand zunächst in der Fotobranche kaufmännische Aufgaben übernommen hatte, später in seinem eigenen Verlag die Zeitschrift „Photo Deal“ herausbrachte – und immer noch herausbringt. Sein „zweites Kind“, die Zeitschrift „Fine Art Photo“ hat er Anfang diesen Jahres abgegeben. Der Grund: „Mein Wunsch war es, mich mehr als bisher meiner eigenen künstlerischen Arbeit zu widmen.“

Rudolf Hillebrand und der von ihm so sehr geschätzte Maler Samuel Bak haben eine Gemeinsamkeit: Ihr Bekanntheitsgrad ist ausbaufähig. Deshalb freut sich Hillebrand über Besuch in seinem ungewöhnlichen Atelier. Gerne würde er auch mal seine Arbeiten außerdem seiner Ranch ausstellen – alleine, aber auch gemeinsam mit anderen.

Wer zu ihm kommt, dem dürften bei all den vielen visuellen Reizen die Aktfotos als erstes ins Auge fallen. Rudolf Hillebrand hat die perfekt anmutenden Körper seiner weiblichen Modelle stilsicher in Szene gesetzt, sei es inmitten der Natur oder in Zusammenhang mit dem Charme des Vergänglichen, der ihn immer wieder inspiriert. Einige Schwarzweißfotos hat er nachträglich koloriert, was in Zeiten von Programmen wie „Photoshop“ schon ein starker Anachronismus ist, so wie es der Mann mit dem Hang zum Antiken liebt. Konkret begeistert ihn die subtile Farbigkeit dieser handkolorierten Fotos. Samuel Bak lebt in seinen Dioramen auf, so wie andere Künstler wie zum Beispiel René Magritte auch. Bislang hat sich Hillebrand an Künstlern orientiert, mit sehr viel Liebe zum Detail, basierend auf ihren Werken seine Schaukästen gestaltet. In ihnen verarbeitet er alles, was ihm als Jäger und Sammler aufgefallen ist.

Das ist auch der Stoff, aus dem die Art-Cameras sind. Das Besondere: Sie wirken wie antike Fotoapparate, waren es aber nie und haben auch keine entsprechenden Funktionen. Sieben sehr unterschiedliche Exemplare sind bis jetzt entstanden. Die Teile, aus denen sie zusammengesetzt sind, stammen gelegentlich von Kameras. Rudolf Hillebrand ist total detailverliebt: Da ist zum Beispiel die Taste einer alten Schreibmaschine, die er sich genau angeschaut hat. Was ihm aufgefallen ist, was ihn überrascht und auch entzückt hat: „Sie ist so aufwändig gemacht, hat ein so reiches Innenleben.“