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Neuss: Schiedsrichter im Städtestreit

Neuss : Schiedsrichter im Städtestreit

"Köln vs Düsseldorf – Düsseldorf vs Köln" heißt ein Buch, in dem der Schriftsteller Jens Prüss sich auf humorige Art mit der Feindschaft zwischen den beiden Städten beschäftigt. Er liest morgen in der Stadtbibliothek.

"Köln vs Düsseldorf — Düsseldorf vs Köln" heißt ein Buch, in dem der Schriftsteller Jens Prüss sich auf humorige Art mit der Feindschaft zwischen den beiden Städten beschäftigt. Er liest morgen in der Stadtbibliothek.

Seine Parteilichkeit für die Stadt zwischen Rhein und Düssel will er gar nicht verleugnen. Schließlich lebt Jens Prüss seit über 50 Jahren in der Landeshauptstadt und sagt auch ganz klar: "Ich mag Düsseldorf sehr." Aber immerhin fließt in den Adern des Autors auch ein bisschen Kölner Blut (seine Mutter stammt aus der Domstadt), und außerdem ist er gerne in Köln, hat dort viele Freunde — was also lag da näher, als sich einmal intensiver mit der langlebigen, weil auch gerne gepflegten Feindschaft zwischen den beiden großen Städten zu beschäftigen?

Aber nein, die Anregung, das Thema in einem Buch zu behandeln, ging vom Düsseldorfer Droste-Verlag aus, gibt Prüss gleich zu. Doch von Beginn an stand fest, "dass es ein humoriger Blick sein sollte," sagt er, was vermutlich auch die Wahl auf ihn fallen ließ. Denn der 57-Jährige war lange Zeit als Kabarettist unterwegs, hat die Ecken und Kanten seiner Mitmenschen in amüsante Sketche gepackt und mit viel Situationskomik gewürzt.

Sorgsame Recherche

Vor rund sieben Jahren hat er das Herumreisen als Bühnenkünstler drangegeben: "Ich hatte dazu einfach keine Lust mehr." Seitdem arbeitet er tagsüber als Lehrer für Deutsch und Philosophie an einem Düsseldorfer Berufskolleg und sitzt nachts am heimischen Schreibtisch und verfasst Essays oder Bücher. Wie eben "Köln vs Düsseldorf — Düsseldorf vs Köln".

Dass er das Thema nun auch mit seiner Lesung in der Stadtbibliothek nach Neuss trägt, ist ihm eine große Freude. Auch wenn er weiß, dass seine eigene Sympathie für Düsseldorf in der Quirinusstadt nicht unbedingt immer geteilt wird. Das kann man schließlich historisch erklären: "Neuss war immer stärker vom römisch-katholischen Köln angezogen, während Düsseldorf mit seinem Reformkatholizismus als unsicherer Kantonist galt."

Die unterschiedlichen religiösen Ausrichtungen im Katholizismus der beiden Städte macht Prüss ebenso verantwortlich für die jahrhundertealte Feindschaft zwischen ihnen wie auch die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung. "Köln als einstmals größte Stadt jenseits der Alpen hat irgendwann den Anschluss verloren und sich abgeschottet", erklärt Prüss, "Düsseldorf hat vor allem in der Barockzeit viel Fremdes aufgenommen, sich weiterentwickelt und auch die Flächen dafür gehabt."

Zusammen mit zwei Historikern hat Jens Prüss die Geschichte der beiden Städte sorgsam recherchiert, "aber das Thema kann man natürlich nicht bierernst angehen", sagt er lachend. Also gibt es auch viel zu schmunzeln, weil er jede Stadt und ihre Bewohner auch ein bisschen auf die Schippe nimmt. "Dafür habe ich auch O-Töne eingebaut", sagt er. Und wird der Kampf denn am Ende des Buches entschieden? "Ja", sagt er schmunzelnd, "natürlich für Düsseldorf!"

(NGZ)