Saisonauftakt der Deutschen Kammerakademie in Neuss

Saisonauftakt der DKN : Bejubeltes Konzert der für die Kammerakademie

Mit dem Saisonauftakt im Zeughaus feiert das Stipendiatenorchester auch sein  40-jähriges Bestehen.

Dass Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1776 für die Karnevalsfeiern in Salzburg eine „Serenata Notturna“ schrieb, passte der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) so recht zu den Jubiläumsfeierlichkeiten „40 Jahre DKN“. Mit dieser „Serenade Nr. 6 D-Dur“ eröffnete das Konzert, zugleich Saisonauftakt, unter der Leitung von Isabelle van Keulen.

Der immer zu vitalen Scherzen aufgelegte Mozart passt sich in diesem Werk dem Anlass an. Im Stil eines barocken „Concerto grosso“ treten dem Streichertutti plus Pauken ein Soloquartett mit zwei Violinen, Viola und Kontrabass (anstatt Violoncello) gegenüber. Pauken und Kontrabass dürfen sogar ein kleines Solo spielen. Im Quartett spielte Isabelle van Keulen die erste Violine und beschränkte sich auf wenige Gesten, um eine exzellent vorbereitete DKN zu vollkommen gelöster Spielfreude zu motivieren. Erstmals präsentierten sich dem Publikum im voll besetzten Zeughaussaal auch die neuen Stipendiatinnen Sophie Rasmussen (Viola) und Ema Grcman (Violoncello).

Zur Jubiläumssinfonie wurde dann die „Nr. 1“ von Sergej Prokofjew (unter dem Beinamen „Klassische Sinfonie“ neben „Peter und der Wolf“ seine erfolgreichste Komposition), deren Uraufführung 1918 in St. Petersburg der 1953 in Moskau verstorbene Komponist auch selbst leitete. Die DKN, um zweifaches Holz, je zwei Hörner und Trompeten sowie Pauken erweitert, spielte bis zum von Isabelle van Keulen sehr schnell genommenen Finale mit perfekter Konzentration. Dazwischen prägte den dritten Satz „Gavotte“ mit einem schönen Mittelteil à la Musette tänzerische Eleganz.

War das der Höhepunkt des Jubiläumskonzertes? Für die weitaus meisten Zuhörer folgte der erst nach der Pause. Das „Konzert Nr. 1 für Violine, Streicher und Schlagwerk“ von Jacques Loussier stand auf dem Programm. Der französische Pianist wurde vor allem mit den verjazzten Interpretationen vieler Werke von Johann Sebastian Bach bekannt. Mit „Play Bach“ wurde er zum Vater des heute so gern gepflegten „Crossover“. Auch in seinen (beiden) Violinkonzerten mischt er Klassik mit Jazz. „Ich mag es, Dinge zu tun, die vorher so noch kein anderer gemacht hat“, sagte der inzwischen 83-Jährige im vergangenen Monat in einem Interview. Herausgekommen ist eine spannungsvolle, sehnsüchtige Musik, die besonders in der Solovioline (Isabelle van Keulen) mit faszinierenden improvisierten Melodien singt, im ersten und vierten Satz in engem Dialog mit dem Schlagzeug.

Der Jazz-Drummer und –Perkussionist Michael Küttner beherrschte sein Drumset farbenreich, geriet aber bei einem viel zu langen Solo fast aus dem Häuschen. Das Jubiläumsorchester, soeben vom Monatsmagazin „Fono Forum“ als eines der „besten Orchester Deutschlands“ zum Geburtstag gewürdigt, hatte allenfalls begleitende Funktion. Aber auch dafür gab es Jubel und „standing ovations“ beim Publikum.

In einer kurzen Laudatio dankte Bürgermeister Reiner Breuer „im Namen von Rat und Verwaltung“ der DKN für 40 Jahre als erfolgreicher Botschafter für eine kulturell vielfältige Stadt.

(Nima)
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