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Planer legen Mobilitätskonzept für das "Inbusviertel" vor

Neubaugebiet „Inbusviertel“ : Konzept für ein (fast) autofreies Viertel

Die Nähe zum Hauptbahnhof ermutigt die Verkehrsexperten zu einem besonderen Mobilitätskonzept für das Areal der Schraubenfabrik. Weil die Gegenwart noch automobil ist, soll ein Quartiersparkhaus einen „Stellplatzpuffer“ schaffen.

Für mehr als die Hälfte aller Wege, die die Neusser zurücklegen, holen sie noch das Auto aus der Garage. Diesen Anteil möchte die Stadt gerne zugunsten des ÖPNV sowie der Radfahrer und Fußgänger verschieben. Zielquote für Autofahrten: 35 Prozent. Ideale Voraussetzungen dafür bietet das geplante Neubauquartier auf dem Gebiet der ehemaligen Schraubenfabrik „Bauer & Schaurte“. Dem trägt ein Mobilitätskonzept Rechnung, das jetzt im Auftrag des Investors, der Düsseldorfer Bema-Gruppe, erarbeitet wurde. Nur: Halten sich die Menschen auch daran?

Im Meertal sowie beim neuen Jobcenter am Hauptbahnhof hatte die Verwaltung mit einem Mobilitätskonzept, das auf weniger Autos (und damit auch auf weniger Parkplätze) setzt und anderen Verkehrsmitteln mehr Raum gibt, schon zwei Mal eine Bauchlandungen erlebt. Daran erinnert Ingrid Schäfer (CDU), die an dem neuen Konzept lobt, dass es auf die Ist-Situation abstellt. Und die ist nach wie vor automobil.

So wurde der Stellplatzbedarf im künftigen „Inbus-Viertel“ noch konventionell berechnet und mit 1293 veranschlagt. Gut 300 davon sollen aber in einem Quartiersparkhaus entstehen. Das könnte ab- oder umgebaut werden, wenn sich das Mobilitätsverhalten so verändert, wie man auch im Rathaus hofft. Allerdings, so schränkt Planungsdezernent Christoph Hölters ein, blendet das Gutachten und damit auch die Stellplatzberechnung, die alleine die Neubauten zur Grundlage hat, den hohen Parkdruck in diesem innenstadtnahen Quartier am Hauptbahnhof aus. Heißt: Auch wenn Bewohner und Besucher im „Inbusviertel“ zunehmend andere Verkehrsträger nutzen, das Parkhaus wäre immer voll – wenn man nicht gegensteuert.

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Die Politik begrüßt den Ansatz in einem Konzept das es, wie Roland Kehl (Grüne) hervorhebt, so noch nicht gegeben hat. „Das schaut in die Zukunft“, sagte er und wünscht sich Vergleichbares auch für das Bauvorhaben auf dem Alexianer-Areal. Und Sascha Karbowiak (SPD) ergänzt: „Wir sollten nicht davor zurückschrecken, innovative Ansätze umzusetzen.“

Zumal die Voraussetzungen, auf ein Auto weitgehend oder gar ganz verzichten zu können, nirgendwo im Stadtgebiet besser sind, wie Sven Schümann (CDU) vorrechnet: Elf Buslinien, eine Straßen- und eine U-Bahn sowie neue regionale Bahnen – und alles direkt vor der Tür. Denn von keinem Punkt im Neubauviertel ist es zu Hauptbahnhof und Theodor-Heuss-Platz weiter als 500 Meter.

Diese schon außergewöhnlich guten Verbindungen sollen um andere Angebote ergänzt werden. „Zukünftige Mobilität ist geteilt, elektrisch und digital buch- und abrechenbar“, erklärt Julian Hoffmann von der Berliner Agentur „inno2grid“. Die hat in die vorliegenden Pläne für das Viertel schon Standorte für Car- und Bike-Sharing, also die gemeinschaftliche Benutzung von bis zu 30 Autos und bis zu 60 Fahrrädern, sowie eine Radwerkstatt eingezeichnet. Und zwar am Weissenberger Weg, der zwischen Josefstraße und Jobcenter fast autofrei werden könnte. Auch „Ride-Sharing“, eine moderne Form des Reisens per Anhalter, oder ein autonomer Shuttle wären vorstellbar — zumindest für die Gutachter.