Rosellen: Orgel von St. Peter ist restauriert

Konzert in der Kirche: Rosellener Orgel ist wieder einsatzbereit

Erstmals erklingt das Instrument von St. Peter wieder bei einem Gedenkgottesdienst zur Pogromnacht am 9. November. Drei Monate war sie in Kevelaer repariert und gereinigt worden.

Rund drei Monate lang mussten die Rosellener auf ihre Kirchenorgel verzichten: Das Instrument wurde von der Firma Seifert aus Kevelaer zerlegt, gründlich gereinigt und repariert. Die Prospektpfeifen – die großen, von außen sichtbaren Pfeifen – wurden dabei komplett ausgetauscht. Einige von ihnen waren vor einigen Jahren durch Materialermüdung eingeknickt und seither nicht mehr anspielbar. „Es wird eine Freude für die Gemeinde sein, das Instrument nun wieder zu hören“, sagt Karlheinz Jackowski (71). Der Kantor im Ruhestand freut sich aber auch darauf, „seine“ Orgel jetzt wieder von Zeit zu Zeit bei besonderen Projekten spielen zu dürfen – so auch am 9. November. Dann steht ein Konzert mit Orgelmusik jüdischer Komponisten zum Gedenken an die Pogromnacht vor 80 Jahren auf dem Programm – der erste öffentliche Einsatz der restaurierten Orgel.

Wer aus dem Kirchenraum zur Empore hinaufblickt, kann rund um die Prospektpfeifen das reich verzierte und mit mehreren Engeln geschmückte, goldverzierte Gehäuse bewundern. Dieses Gehäuse mit Renaissance-Merkmalen ist der älteste Teil der Orgel: Es wird auf den Anfang des 17. Jahrhunderts datiert, das Orgelwerk wurde wohl um 1786 erbaut. „Man darf annehmen, dass ein altes Orgelwerk gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch ein neues ersetzt wurde, wobei man das alte Gehäuse beibehielt“, erklärt Jackowski. Damals stand die Orgel in der St.-Lambertus-Kirche in Düsseldorf. Dort spielte der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Instrument, das er aber wohl nicht besonders schätzte: In seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Stadt Düsseldorf soll er es als „altes Hündchen“ bezeichnet haben, das „viel zu klein“ sei.

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Die Düsseldorfer nahmen sich sein vernichtendes Urteil offensichtlich zu Herzen und verkauften die Orgel, die inzwischen auch einige Reparaturen durchlaufen hatte, im Jahr 1848 für 2100 Mark an die Kirchengemeinde Rosellen. Dort war gerade das Kirchenschiff neu gebaut worden, und man brauchte noch eine Orgel. Damals hatte das Werk 21 Register, später wurde es auf 26 erweitert. 1698 Pfeifen sorgen heute für den gewünschten Klang. Die kleinste ist etwa fünf Zentimeter hoch und dünn wie ein kleiner Finger, die größte hat eine Höhe von 2,56 Meter und einen Durchmesser von 15 Zentimetern.

Auf diesem gewaltigen Instrument zu spielen, hat für Karlheinz Jackowski, der von 1968 bis 2013 Kantor in St. Peter war, etwas Majestätisches: „Man fühlt sich wie der Chef eines großen Orchesters, es ist wie ein Rausch – das macht fast süchtig“, schwärmt der Kirchenmusiker. Am 9. November spielt er Synagogalmusik von Moritz Deutsch, Louis Lewandowski und Josef Löw, „Kompositionen, in denen sich die Tradition der abendländischen Kunstmusik und der jüdischen Kultur begegnen“. Ausführende sind zudem der Chor des Gymnasiums Marienberg unter der Leitung von Michael Köhne und Arno Zimmermann sowie Ansgar Kuswik (Gitarre und Gesang).

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