Neuss: Die Kastanienallee am Nordkanal schrumpft

Bäume in Neuss werden gefällt : Die Kastanienallee am Nordkanal schrumpft

Auf der beliebten Strecke gibt es immer weniger Bäume, nun sollen weitere neun gefällt werden. Für die Einwohner eine Katastrophe.

Für die Further ist die Kastanienallee am Nordkanal ein Ort zur Erholung, zum Sporttreiben und Spazierengehen. Viele von ihnen leben seit Jahrzehnten dort und laufen täglich zwischen den hohen Bäumen, es ist „ihr Wald.“ Doch der wird immer kleiner. Nur noch 118 Bäume bilden die Allee, neun von ihnen sollen Anfang nächsten Jahres gefällt werden. Es wird Jahrzehnte dauern bis der Ersatz so hoch gewachsen ist. Stück für Stück verschwindet für viele Einwohner einer der Gründe, warum sie dort so gerne leben.

Selbst an einem verregneten Montagmittag dauert es nur wenige Minuten, ehe man den ersten Waldbesuchern begegnet. Viele sind mit ihren Hunden unterwegs, einige fahren Rad oder joggen dem matschigen Weg entlang. „Es macht mich traurig, was mit dem Wald passiert“, sagt Christian Föhr. Der 55-Jährige wohnt seit 15 Jahren nur einige hundert Meter entfernt von der Allee, täglich geht er mit seinem Hund dort spazieren. „Das ist unsere Route“, sagt er. Eigentlich ist Föhr wegen der Natur dorthin gezogen. „Sonst könnte ich in den Hochhäusern am Rheinparkcenter wohnen.“

Hilde Janssen erinnert sich noch an die Sturmschäden von „Ela.“. Foto: Viktor Marinov

Motten, Pilze, Folgeschäden vom Sturm „Ela“: Die Liste mit den Gründen, warum die Bäume Anfang nächsten Jahres gefällt werden, ist lang. Langfristig sei die Prognose für die Allee schlecht, sagt Henrike Mölleken, Leiterin des Grünflächenamtes in Neuss. „Wir wollen die Allee behalten, aber mit diesen Bäumen wird es sie in Zukunft nicht geben“, so Mölleken. Sie sollen mit Linden ersetzt werden, damit habe man in Neuss schon gute Erfahrung gemacht. Doch bis die Linden so groß wie die Kastanien sind, wird es Jahrzehnte dauern.

Christian Föhr wohnt in unmittelbarer Nähe der Kastanienallee. Foto: Viktor Marinov

„Es ist ein Trauerspiel, was von den Bäumen übrig geblieben ist“, sagt Hilde Janssen. Die 64-Jährige ist in der Nähe vom Nordkanal aufgewachsen, seit Jahren joggt oder spaziert sie dort täglich. Seit dem Sturm vor vier Jahren habe sich der Wald verändert. „Das war eine Katastrophe, die Bäume lagen überall quer“, erzählt Janssen. Auch Christian Föhr findet die Veränderungen gravierend. „Neuss war mal eine grüne Stadt, aber das ist sie nicht mehr“, sagt er. „Den alten Baumbestand kann man nicht so schnell ersetzen, das wird 30 bis 40 Jahre dauern. Ein 40 Jahre alter Baum filtert natürlich viel mehr CO2 als ein junges Bäumchen.“ Mit dem Verschwinden der Bäume verschwindet für Föhr auch der Wohnwert seiner Gegend.

Auch Ingrid Hladich, 61, beobachtet seit Jahren, wie der Baumbestand am Nordkanal schrumpft. Sie erinnert sich noch gut daran, wie dort früher Kastanie an Kastanie gestanden hat. Sie ist mit dem kühlen Schatten aufgewachsen, den die Bäume entlang der Allee spenden. Oder besser gesagt: spendiert haben. „Man hat vergangenen Sommer gemerkt, dass die Bäume fehlen“, so Hladich. „Für die grüne Lunge der Stadt Neuss ist das ziemlich schlimm.“ Nur im Frühling sei der Wald noch grün, ansonsten dominiere die Farbe braun, erzählt Hladich. Dafür sieht sie die Stadt in der Verantwortung. „Wenn Schützenfest ist, ist die Stadt immer einsatzbereit.“ Einen solchen Tatendrang wünscht sie sich von der Verwaltung auch für die Allee am Nordkanal, auch wenn es „nur“ um Bäume am Rand der Stadt ginge.

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