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Kulturforum Alte Post: Angelika March-Rintelen und Michael Rintelen stellen aus

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Das Künstlerehepaar Angelika March-Rintelen und Michael Rintelen stellt in der Alten Post aus. Die beiden zeigen einen Querschnitt ihrer Arbeiten - Malerei und Skulpturales. Warum die Schau „Filmreif“ heißt und was es mit dem besonderen Tee auf sich hat.

Es war ein besonderer Tee, der am Sonntag im Kulturforum Alte Post kredenzt wurde: Die Künstlerin Angelika March-Rintelen hat ihn aus Zutaten zubereitet, die so auch in Dürers Werk „Das große Rasenstück“ zu finden sind. Passend dazu hat sie bereits vor Jahren eine Arbeit erstellt, in der sie präparierte Pflanzen genau so angeordnet hat, wie sie auch auf dem Aquarell des Malers zu sehen sind.

Das ist nur ein Teil der Werke, die aktuell im Foyer der Alten Post zu sehen sind: Noch bis zum 21. November stellt dort das Künstlerehepaar Angelika March-Rintelen und Michael Rintelen unter dem Titel „Filmreif“ seine Arbeiten aus. Eröffnet wurde die Schau von der ehemaligen Direktorin des Clemens-Sels-Museum Gisela Götte. „Filmreif“ heißt die Ausstellung deswegen, weil der Medienkünstler Jürgen Hille im Auftrag des Kulturamtes zwei Porträts über die Kunstschaffenden gedreht hat. „Im Nahtschatten“ heißt der Beitrag über Angelika March-Rintelen, „Zeitreisender“ der über Michael Rintelen. Beide Filme waren nun bei der Vernissage zu sehen und werden noch einmal bei der Finissage am 19. November, in der Alten Post gezeigt.  „Jürgen Hille hat sich intensiv mit den Künstler auseinandergesetzt“, sagt Klaus Richter, stellvertretender Leiter des Kulturforums.

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Doch nicht nur im Film, auch im Foyer können die Arbeiten des Ehepaars entdeckt werden: Da wären zum Beispiel die Porträtstudien von Michael Rintelen, der an der Kunstakademie Düsseldorf studierte und an der Universität Siegen im Fach Kunst lehrte. „Ich bin kein Porträtist, ich sehe sie als phänomenologische Feldstudien“, erklärt er. Ebenso interessant für ihn sind die Grundlagen alter Malerei: Für seine Untersuchungen hat er Teilkopien aus Bildern von Holbein und Caravaggio angefertigt, in dem er Fragmente daraus in einen zeitgenössischen Kontext gesetzt hat. „Sie werden zu einer zeitgenössischen Einheit“, sagt er. Zu seinen Arbeiten gehört aber auch, dass er Köpfe allein aus seiner Vorstellungskraft heraus entwickelt: Es gibt keine real existierende Person als Vorlage, tatsächlich sind die Menschen, die den Betrachter von den Wänden der Alten Post ansehen, allein von ihm erschaffen. Durch ihre Blicke haucht ihnen der Künstler Leben ein.

Auch Angelika March-Rintelen, Meisterschülerin von Timm Ulrichs und Kunstakademieabsolventin, hat einige Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen mitgebracht. Da wären etwa ihre Papierschneidereien, einen Begriff, den die Künstlerin geprägt hat. Es handelt sich um eine aufwendige skulpturale Feinarbeit, mit der sie zum Beispiel Vögel gefertigt hat. In einer weiteren Vitrine sind Heuschrecken aus Staniolpapier zu sehen.

Gleich daneben erinnern mehrere Objekte an eine ihrer ersten Perfomances, in der sie 1986 in Bonn eingehüllt in ein Gewand, Sekundärreliquien verkaufte. Auch ihr Biologiestudium macht sich in den Werken der Künstlerin bemerkbar, zum Beispiel, in dem sie Pflanzen konserviert. Neben dem Abbild von Dürers Rasenstück gibt es auch fleischfressende Pflanzen in der Alten Post zu entdecken. Eine ihrer neusten Arbeiten widmet sich der Dornenkrone. In Zeiten der Corona-Pandemie kam Angelika March-Rintelen nämlich der Wallfahrtsort „Madonna della Corona“ in den Sinn. Corona, das auf Italienisch so viel wie Krone bedeutet, wurde zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit, ein mit Dornen gekrönter Marterpfahl, der  das Leiden zeigt.

Info Noch bis zum 21. November ist die Ausstellung montags bis donnerstags 9 bis 17 Uhr und freitags bis sonntags, 12 bis 18 Uhr geöffnet.