Neuss: Geerlings will mehr Hilfe für Terroropfer

Neuss: Geerlings will mehr Hilfe für Terroropfer

Vor genau einem Jahr verloren zwölf Menschen beim Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ihr Leben -darunter eine Neusserin. An der heutigen Trauerfeier werden auch Hermann Gröhe und Jörg Geerlings teilnehmen.

Wenn heute in Berlin der Opfer des Berliner Terroranschlags vor genau einem Jahr gedacht wird, dann ist auch Neuss vertreten: Gesundheitsminister Hermann Gröhe und Jörg Geerlings als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses Anis Amri werden an der religionsübergreifenden Andacht in der Gedächtniskirche nahe dem Tatort teilnehmen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird eine kurze Ansprache halten. Auch die Bundeskanzlerin ist vor Ort. Eingeladen sind neben Vertretern aus der Politik Opfer, Angehörige und Helfer. Auch die Angehörigen des Todesopfers aus Neuss, Angelika Klösters, erhielten eine Einladung aus Berlin. Gezielt das Gespräch mit ihnen suchen möchte Geerlings nicht. "Nur wenn es sich ergibt, ich werde mich nicht aufdrängen", sagt der Neusser CDU-Chef.

Abgeschlossen ist der Fall für Geerlings noch lange nicht. Als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses stecken er und seine Kollegen vielmehr mitten in der Arbeit. "Es muss sehr viel Material ausgewertet werden", sagt der Landtagsabgeordnete. Dabei gehe man chronologisch vor und erstelle sozusagen einen Zeitstrahl - von Amris Ankunft in Deutschland bis zum Terroranschlag am 19. Dezember 2016, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen.

Dass einiges falsch gelaufen ist im Umgang mit Amri, daraus macht Geerlings keinen Hehl. Vor allem in der Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Behörden habe es gehapert. "Teilweise wurde auch Hinweisen nicht nachgegangen", sagt Geerlings. Nun wurde öffentlich, dass der Attentäter von Polizei und Nachrichtendiensten bereits seit spätestens November 2015 gezielt überwacht worden ist. Das Bundeskriminalamt (BKA) und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA) haben Amri durch einen V-Mann observieren lassen. Das berichtete die "Welt am Sonntag" zuerst.

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Von dieser Entwicklung zeigt sich Geerlings überrascht. "Das war mir nicht bewusst. Wir werden das im Untersuchungsausschuss analysieren. Das ist schon eine wichtige Information", so der Neusser. Im Januar komme der Ausschuss erneut zusammen.

Nur zwei Tage nach dem Anschlag besuchte Gröhe den schwer verletzten Neusser, Sascha Klösters, in einem Berliner Krankenhaus. "Ein besonderer Grund, bei der Trauerfeier dabei zu sein", sagt der Gesundheitsminister. Das ganze Entsetzen gehe einem bei solch einem Anlass noch einmal durch den Kopf. Nun gelte es, die richtigen Konsequenzen aus dem zu ziehen, was falsch gelaufen sei - auch in Sachen Informationsfluss zwischen den Behörden und Opferbetreuung. Schließlich hatte der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Kurt Beck, jüngst seinen Abschlussbericht vorgelegt. Darin untermauerte er die Kritik von Angehörigen der Opfer an die Bundesregierung, die ihr jüngst in einem offenen Brief mangelnde Unterstützung vorgeworfen hatten. Kurt Beck fordert, Opfer finanziell höher zu entschädigen.

Das würde Geerlings ebenfalls begrüßen: "Grundsätzlich denke ich, dass wir in Sachen Opferschutz mehr machen müssen." Auch für die von Beck vorgeschlagene Anlaufstelle für Opfer und Hinterbliebene spricht sich der Landtagsabgeordnete aus.

(jasi)