Augustinus-Forum in Neuss Die „Sünden“ der Kirche in den Blick genommen

Neuss · Gleichgültigkeit der Gläubigen, offenkundige Korruption und Vertuschung: Beim Augustinus-Forum wurde der Finger in die Wunde der Kirche gelegt. Doch es wurde auch Hoffnung geäußert.

 Angeregte Diskussion beim Augustinus-Forum (v.l.): Pfarrer Franz Meurer, Julia Knop von der Universität Erfurt, Moderator Joachim Frank und Thomas Söding, Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Angeregte Diskussion beim Augustinus-Forum (v.l.): Pfarrer Franz Meurer, Julia Knop von der Universität Erfurt, Moderator Joachim Frank und Thomas Söding, Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Foto: Dieter Staniek

Kirche im tiefen Umbruch! So lautete der Titel einer ambitionierten Diskussionsveranstaltung des Augustinus-Forums – mit dem ebenso in die Vollen gehenden Untertitel „Warum ich bleibe und mich für Veränderungen engagiere“.

Zündenden Gesprächsstoff gab es genügend beim Rundblick in die Kirchen. Aufgeboten waren Julia Knop (Dogmatikerin, Universität Erfurt), Pfarrer Franz Meurer (Kirchengemeinden St. Theodor und St. Elisabeth, Köln), Thomas Söding (Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken) und Joachim Frank (Chefkorrespondent DuMont und Chefredaktion Kölner Stadtanzeiger). „Welche Kirche braucht unser Land?“, stieg Michael Schlagheck in seiner Begrüßung ein. „Es ist an der Zeit, über die Grundlage zu sprechen“, betonte der Leiter des Augustinus-Forums, sei doch die Zukunft der Kirche eine Anfrage an die Gesellschaft. Statt mit vielen Bällen zu jonglieren, wie es bei der katholischen Kirche derzeit zu beobachten sei, bedürfe es eines „neuen Sprachenwunders“. Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft müssten zurückgewonnen werden. Schlaghecks Appell: „Nur die Gläubigen selbst können die Kirchen aus dem Tief bringen und die nötigen Veränderungen fördern.“

Pfarrer Franz Meurer sieht das auf seine geradezu leutselige Art erheblich lockerer: „Wir müssen nur normal werden, dann ist alles gut.“ Die Kirchensteuer auf eine freiwillige Basis stellen und die verkrustete Hierarchie auf den gleichen qualitativen Rang wie die Caritas anheben. Dann sei ihm nicht bange, so erklärte Meurer ohne jedes Augenzwinkern. Doch was ist der Maßstab?, stellte Thomas Söder in den Raum. Das könne nur das Evangelium von Jesus Christus sein.

Ihm trat Julia Knop an die Seite, deren besonnene Argumentation den Wunsch aufkommen ließ, einmal bei ihr im Hörsaal zu sitzen. Besonders die Würde des Einzelnen sei wichtig und hätte Konsequenzen für säkulare Entwicklungen. Und überraschend: „Im 21. Jahrhundert tun sich doch viele Möglichkeiten zur Besserung auf.“ Damit waren die Versäumnisse zur Stelle, die für die große Misere gesorgt haben.

Gleichgültigkeit der Gläubigen, offenkundige Korruption und Vertuschung waren an diesem Abend die kenntlich gemachten Sünden der Kirchen. Die Verunsicherung im nicht nur atemlos lauschenden großen Auditorium ging sogar so weit, dass noch nicht einmal eine Lanze gebrochen wurde für all das Gute, das tagtäglich in den Pfarreien geleistet wird. „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ – dieses Motto macht sich die aufgewühlte Öffentlichkeit eben allzu schnell zu eigen. Das ändere nichts am breiten Wunsch nach Verbesserungen.

Wieder war Pfarrer Franz Meurer zur Stelle: „Wir müssen auf eine Art mit den Menschen sprechen, die zumindest Beachtung findet.“ Es klappe auch nur ökumenisch und wenn alle zu Wort kommen.

Moderierend und eine gewisse Neutralität beanspruchend griff der Journalist Joachim Frank ein. Mit den Postulaten eigener, nicht fremd bestimmter Positionen und dem Erfinden völlig neuer könne er viel anfangen. Nur so könne der Bedeutungsverlust der Kirchen aufgehalten werden, war eine Erkenntnis des Abends, bei dem auch Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche, zugegen war. Er fühlte sich „sehr angesprochen“, betonte aber auch „die eigene Sprache“ seiner Konfession.