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Theater unterm Dach aus Nettetal überzeugt mit Millers "Hexenjagd"

Kultur in Nettetal : Theater unterm Dach überzeugt mit Millers „Hexenjagd“

Seit 2019 pausierte das Theater unterm Dach wegen der Corona-Pandemie. Jetzt wagte es die lange verschobene Premiere von Millers Stück „Hexenjagd“ und zeigte eine überzeugende Inszenierung.

Die Geschichte spielte sich inmitten der Zuschauer ab. Sich der Eindringlichkeit des Spiels zu entziehen, war so gut wie unmöglich. Was die Besucher des „Theaters unterm Dach“ bei der Premiere serviert bekamen, war schwere Kost und weit mehr als das. Es war beklemmend, bedrückend, irritierend, ausweglos – und hochaktuell.

Die Theatergruppe „Theater unterm Dach“ hatte mit dem Stück „Hexenjagd“ von Arthur Miller Premiere unter der Regie von Axel Dammer in zweierlei Hinsicht: Es war die erste von fünf Aufführungen. Und die Truppe konnte nach langer Pause seit 2019 endlich wieder vor Gästen auf der Bühne stehen. Die Freude darüber ebenso wie die Erleichterung über den perfekt gelungenen Theaterabend waren den Akteuren am Ende der zweieinhalbstündigen Aufführung anzumerken.

Die „Hexenjagd“ sollte eigentlich im Frühjahr 2020 herauskommen, war in allen Einzelheiten vorbereitet, als der Lockdown kam. In diesem Herbst, so berichtet Fabian Matussek, habe man sich entschlossen, das Stück endlich zu spielen. Schon vor der Corona-Pandemie war das Stück aktuell. Nun, mit den Erfahrungen der vergangenen fast zwei Jahre erhält es neue Aktualität.

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Dabei ist das Stück schon vor fast 70 Jahren, im Januar 1953, erstaufgeführt worden. Und die Geschichte selbst spielt vor mehr als 300 Jahren: im Jahr 1692, in der amerikanischen Gemeinde Salem. Millers Aktualität war die Jagd auf Kommunisten in Amerika. Die Aktualität des 17. Jahrhunderts war die von Hexenverfolgung und Hysterie. Aus einem harmlosen Spiel junger Mädchen wird eine massenhafte Verhaftung und Hinrichtung. Das Fatale: Wer gesteht, wird genauso verurteilt wie der, der die Wahrheit sagt.

Und die Aktualität heutiger Tage? Shitstorms in den sozialen Medien, Verschwörungstheorien, Denunziationstendenzen, „Fake News“, die ein Klima von Angst, Unsicherheit und Misstrauen erzeugen. So weit entfernt ist die „Hexenjagd“ also nicht. Die Amateurschauspieler gingen in ihren Rollen auf. Frederik Derendorf als John Proctor, Ralph Pastors als Reverend Parris, Hilde Dusen als Abigail Williams, Axel Dammer als Reverend Hohn Hale, Patrick Viets als Stellvertreter des Gouvernors, Monique Kaiser als Mary Warren, Dominika Kemper als Elizabeth Proctor – sie überzeugten durch Mimik, klare Sprache und Emotionalität. Auch das Bühnenbild von Fabian Matussek und die Kostüme von Maria Schieferstein trugen zu der überzeugenden Gesamtwirkung des Stücks bei. Eine beachtliche Leistung, die die Gruppe ablieferte. Alle Termine für die „Hexenjagd“ sind ausverkauft.