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Freilichttheater Kamp endet mit einem Luther-Stück

Kultur in Kamp-Lintfort : Theater erzählt Luthers Leben in 120 Minuten

Mit der Aufführung des „N.N. Theaters“ ist das Freilichttheater am Sonntag zu Ende gegangen. Das Kölner Theater brillierte auf Kamp.

Um es gleich vorwegzunehmen: So macht Theater Spaß! Für die Macher, weil diese mit dem Abteiplatz vor Kloster Kamp einen idealen Ort Spielort für ihre Open-Air Veranstaltung fanden und zudem auf einen Wettergott trafen, der es dieser Tage gnädig mit ihnen meinte. Aber auch, weil die Mimen vor einem Publikum spielten, das begeisterungsfähig mitging, sich bei den eher hintergründigen Momenten aber auch anteilnehmend zeigte. Spaß brachte den Zuschauern die Aufführung „Luther – Ich fürchte nichts“ vom wunderbaren „N.N. Theater – Neue Volksbühne Köln“ insbesondere, weil sie das „große Spiel der Welt gesehen, reicher in sich selbst zurückkehren“ konnten, wie Friedrich Schiller 1804, ein Jahr vor seinem Tode, dies in seinem letzten dramatischen Werk „Die Huldigung der Künste“ auszudrücken wusste.

Mit in der Tat großem Spiel im Gepäck gastierte die äußerst quirlige Truppe aus Köln auch beim diesjährigen Kamper Freilichttheater am Sonntag, zum Abschluss des dreitägigen Festivals, ungemein brillant in Kamp-Lintfort. Und auch diesmal wieder war die Zuschauertribüne sehr zur Freude der Veranstalter bis auf den letzten Platz besetzt. Das vom einstigen Gründer des „N.N. Theaters“ George Isherwood verfasste und von Gregor Höppner inszenierte Stück ist chronistisch als auch kritisch, frech als auch sensibel, unterhaltsam als auch nachdenklich. Mit anderen Worten: ein wahres Meisterwerk zum 500. Reformationsjahr – aber nicht nur dafür. Im Februar vergangenen Jahres als Auftragsproduktion der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf uraufgeführt, tourt es seitdem landauf landab durch die gesamte Republik – übrigens auch im Jahr eins nach dem Lutherjahr.

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Isherwood über sein Stück: „Deutschland 1517 - zwischen dem strengen Regiment der katholischen Kirche, einem immer lauter werdenden Schrei nach sozialer Gerechtigkeit und der medialen Revolution durch die Erfindung des Buchdrucks, entfacht Martin Luther einen Sturm, dessen Auswirkungen er weder kontrollieren noch absehen konnte. Bis zu seinem Lebensende wurde er von den Folgen seines Handelns und seinen inneren Dämonen heimgesucht. Katharina von Bora, Lucas Cranach, Philipp Melanchthon, Thomas Müntzer und der Rabbi von Leipzig, sie alle finden sich in meiner Geschichte wieder.“

Die Inszenierung ist voller Musik mit sprachwuchtig und sprachwitzig ausgestattetem Text, sie ist eine Komödie und Tragödie zugleich, in ihr treten auf und ab unvollendete Helden, lustige Nonnen, ein rollernder Engel, ein wandelbarer Teufel sowie ein dicker Papst und nicht zuletzt eine ambivalente Titelfigur, die im Zentrum des Stückes und der Inszenierung steht. In quasi 120 Minuten erzählt die Aufführung vom Leben Luthers zwischen 1517 und der Verkündung seiner berühmten 95 Thesen in Wittenberg bis zu seinem Tod 1546 in Eisleben.

Die vier Bühnendarsteller (Irene Schwarz, Aischa-Lina Löbbert, Oliver Schnelker und Michel Thorbeck) plus Musiker (Bernd Kaftan) zeigten ständige Präsenz, große Spielfreude und überließen nichts dem Zufall. Dennoch: Ihre Schlagfertigkeit stellten sie gekonnt immer dann unter Beweis, wenn Ortsgeräusche (wie ein Martinshorn oder das Abteigeläut) wie aufs Stichwort Bezug auf die gerade laufende Spielszene nahm. Das war äußerst amüsant, zugleich aber auch hohe Kunst.