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Nettetal: Stadt-Friedhöfe weniger gefragt

Nettetal : Stadt-Friedhöfe weniger gefragt

Die höheren Friedhofsgebühren sorgen für ein Plus. Doch die Nettetaler suchen nun Alternativen

Die Nettetaler Bestatter Arno Helgers und Robert Hellmann sind wegen der geänderten Gebührensatzungen im Frühjahr 2016 Sturm gelaufen. Sie bemängelten die "zu hohen Kosten für Beerdigungen" und die "Unbeweglichkeit der Verwaltung".

Ein Protest, der aus ihrer Sicht gerechtfertigt war. Denn viele Nettetaler haben die Konsequenzen gezogen und immer mehr meiden die teuren städtischen Friedhöfe: Rund 425 Sterbefälle sind in der Seenstadt durchschnittlichin einem Jahr registriert, aber nur 380 Beerdigungen erfolgen auf den Friedhöfen der Stadt. Das Bestattungshaus Helgers etwa führt mittlerweile "bis 30 Prozent der Beerdigungen außerhalb Nettetals durch". Arno Helgers: "Wir haben zum Beispiel allein ein bis zwei Mal wöchentlich Beerdigungen in einem Naturbegräbniswald bei Venlo", dort seien Bestattungen preiswerter.

Für die Stadt Nettetal war der Unterhalt ihrer sechs Friedhöfe in den vergangenen Jahren teuer geworden, er sorgte für Defizite von mehr als 200.000 Euro. In Nettetal gibt es in jedem Stadtteil einen Friedhof; der größte ist in Lobberich.

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Deshalb hat die Verwaltung neue Berechnungssysteme und Gebührensatzungen erarbeitet. Das hat sich gerechnet: Im Jahr 2015 ergab sich ein Überschuss von mehr als 29.000 Euro, wie die Verwaltung jetzt im Betriebsausschuss Nettebetrieb mitteilte. Doch das für die Stadt positiv erscheinende Ergebnis könnte nur eine Momentaufnahme darstellen, wie Hans-Willy Troost (FDP) mahnte: Langfristig stelle sich vielmehr die Frage, ob die Stadt sich den Erhalt aller ihrer Friedhöfe leisten könne.

"Innerhalb von drei Jahren haben wir nach einem Defizit ein leichtes Plus in 2015 erreicht", sagte Rainer Lankes vom Nettebetrieb, als er das aus seiner Sicht "erfreuliche Ergebnis" der Nachkalkulation für das Friedhofswesen vorstellte.

Für ein Berechnungsjahr ist jeweils eine Nachkalkulation fällig, und die stand jetzt für 2015 an. Der Überschuss allerdings ist nach dem Kommunalen Abgabengesetz (KAG) Nordrhein-Westfalen ebenso wie ein mögliches Defizit innerhalb von vier Jahren auszugleichen. Das bedeutet: Er muss in die nächsten Kalkulationen, die genauer sein müssen, eingearbeitet werden.

Doch schon vor zwei Jahren war abzusehen, dass langfristig die Rechnung nicht mehr aufgeht. Einen "Wandel in der Bestattungskultur" machte Troost als Grund dafür aus. Deshalb forderte SPD-Fraktionschefin Renate Dyck mehrmals gemeinsame Beratungen von Verwaltung, Politik und Bestattern. Der Trend: Die bis dahin preiswerteren Urnenbeisetzungen waren stärker gefragt als die traditionellen Erdbestattungen.

Die Folge für die Stadt: Ihre Einnahmen sanken. Darauf reagierte die Verwaltung, indem sie die Gebührensatzungen etwa für Urnengräber änderte. Für Hinterbliebene hieß dies: Sie mussten für Urnengräber mehr bezahlen als für herkömmliche Reihengräber. Nur so konnte die Verwaltung ihre Kalkulation noch ausgleichen.

Für Hans-Willy Troost steht deshalb fest: "In Sachen Friedhöfe ist das Nutzerverhalten nicht mehr kalkulierbar." Um künftig realistisch Kosten und Nutzen abwägen zu können, müssten notfalls grundsätzliche Überlegungen her. Mit Blick auf die immer häufigere Nutzung der Aufbahrungs- und Abschiedsräume der Nettetaler Bestatter fragte der FDP-Politiker: "Ist es sinnvoll, dass wir alle Friedhöfe erhalten und auch die Infrastruktur mit Aufbahrungsräumen und Toilettenanlagen?"

(RP)