Das Healthy Building Network stellt den Neubau eines Holz-Glas-Hauses in Nettetal-Schaag vor

Schaag : Gesund leben neben der Blutbuche

Das Healthy Building Network stellte am Montag den Neubau eines Holz-Glas-Hauses in Schaag als bestes Praxisbeispiel vor.

Auch wenn der Rohbau noch völlig offen ist, bemerkt der Besucher sofort beim Eintreten das besondere Raumklima und die gute Akustik. Kein Wunder, der Neubau ist ein Holzhaus, allerdings ein besonderes: Es wird aus Blöcken von sechseckigen Holzstreben errichtet, die ohne Kleber allein von Holzdübeln in drei verschiedene Richtungen zusammengehalten werden. Der Stuttgarter Architekt Werner Grosse hat ein Patent darauf und garantiert die Haltbarkeit für 100 Jahre.

Am Ortsrand von Schaag steht eine stattliche Blutbuche. Sie ist ein Naturdenkmal. Für Bauherrin Brigitte Hilgenfeld hat der Baum letztlich den Ausschlag gegeben, dort zu bauen. Hilgenfeld arbeitet in Breyell als Heilpraktikerin und Gesundheitstrainerin. Beim Umbau ihrer Praxis arbeitete sie mit der Innenarchitektin Anthoula Kapnidou erstmals zusammen. Gemeinsam entwickelte man die Vision eines neuen, vor allem gesunden Hauses. Die Vision schließt aber auch eine soziale Dimension ein. Das langgestreckte Haus, das von der Straße etwas zurückgesetzt errichtet wurde, um der Blutbuche den gebührenden Platz zu geben, beinhaltet zwei kleine Wohnungen von etwa 45 Quadratmetern, in der Mitte verbunden von einem großen gemeinsamen Raum. Dieses „Forum“ ist gemeinsame Wohnfläche, soll aber auch für Geselligkeit genutzt werden. Trotz der großen Glasflächen, vor allem im Dach, soll der Mittelraum durch das Massivholz im Sommer der kühlste Raum sein.

Links und rechts der Terrasse mit Blick auf die Schaager Mühle sind innen zwei Pflanzbeete vorgesehen, die mit Oliven- und Feigenbäumen bepflanzt werden sollen. Sie sind aber nicht nur schön anzusehen, sondern sorgen auch für ein besseres Raumklima. Bei der Baustellenbegehung war noch die untere Betonplatte zu sehen. Eine zweite wird noch gegossen, der Hohlraum wird mit Schaumglasschotter – das Recyclingglasmaterial ist federleicht – gefüllt. Und diese mit Wasser gefüllte Betonwanne sorgt nach dem Prinzip der römischen Fußbodenheizung für Wärme oder Kühlung. Dazu kommt noch ein Kamin für kältere Tage.

Architekt Werner Grosse will mit möglichst wenig Technik auskommen, und damit Wartung und Prüfungsintervalle vermeiden. Die normale Thermik zieht kühle Luft an und gibt sie auch wieder ab. Auf Plastik wird verzichtet. Das Holz der Wände ist Fichtenholz, im Dach wurde Lärchenholz verbaut. Der Bauherrin ist der Bezug zur Natur sehr wichtig. Viele Menschen hätten den Bezug zur Natur verloren. Brigitte Hilgenfeld versichert, dass der Bau des Hauses nach einem „low Budget“ nicht teurer ist als ein „normales“ Reihenhaus. Und der Stuttgarter Architekt unterstreicht das vehement.