Kamp-Lintfort: Kunst trifft Medizin im St.-Bernhard-Hospital

Kamp-Lintfort : Kunst trifft Medizin im St.-Bernhard-Hospital

Vincent van Goghs „Porträt des Dr. Gachet“ ist wohl das berühmteste Beispiel für das besondere Verhältnis zwischen Künstlern und Medizinern. Seit vielen Jahren sind Kunst und Kultur auch fester Bestandteil der Krankenhäuser und Kliniken. „Kunst im Krankenhaus hat nicht nur eine dekorative Funktion. Sie hat die Aufgabe die Genesung der Patienten zu unterstützen oder den Aufenthalt im Krankenhaus erträglicher zu machen“, sagt Winfried Behler, Leiter der Unternehmenskommunikation der St. Franziskus-Stiftung Münster, zu der das Kamp-Lintforter St. Bernhard-Hospital zählt.

Professor Jochen Stücke von der Hochschule Niederrhein in Krefeld hat deshalb mit seinen Studenten ein besonderes Projekt gewagt: Kunst, die nicht nur im Krankenhaus ausgestellt wird, sondern auch den Klinikalltag thematisiert. Während des Projekts hatten die Studierenden die Möglichkeit, Patienten und Klinikmitarbeiter zu begleiten. Dabei entstanden zahlreiche Bilder und Zeichnungen. Unter dem Titel „Eindruck: Ausdruck“ sind die Ergebnisse dieses Experiments im Foyer des St. Bernhard-Hospitals in Kamp-Lintfort ausgestellt. Entstanden sind die Arbeiten vor mehr als zwei Jahren im St. Elisabeth-Hospital in Meerbusch. Ein Semester lang waren die Designstudenten dafür einmal in der Woche in nahezu allen Abteilungen der Klinik auf Motivsuche. Die Werke spiegeln zum Teil sehr persönliche Erfahrungen, Ansichten und Motive der Studenten wider und zeigen zugleich unbekannte Perspektiven des Krankenhauses. Porträts von Patienten und Bewegungsstudien während der Krankengymnastik zählen genauso zu den dargestellten Themen wie Rollstühle, Medikamente und andere medizinische Utensilien. Neben Bleistift-, Tusche-, und Kreidezeichnungen beeindrucken vor allem die zahlreichen Aquarelle.

Durch die oft nur teilweise vorgenommene Colorierung erhalten die Bilder eine besondere Akzentuierung. Neben den gestalterischen Anforderungen war das Zeichnen im sozialen Raum auch eine kommunikative Herausforderung für die Studierenden. „Am Anfang fiel es einigen schwer, direkt auf die Patienten zu zugehen und sie anzusprechen“, berichtet Stücke. „Doch die Reaktionen der Patienten waren durchweg positiv, so dass sich diese Scheu schnell legte.“ Die Ausstellung soll etwa zwölf Wochen dauern. Weil im St. Bernhard-Hospital nicht alle Arbeiten gleichzeitig ausgestellt werden können, werden die Bilder nach sechs Wochen noch einmal ausgetauscht.

(RP)
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