Anwohner des Sperberwegs in Moers protestieren gegen Neubaupläne der Awo

Diskussionen in Moers : Ärger um Awo-Neubau am Sperberweg

Die Awo-Stiftung hat die Baugenehmigung für ein Vierparteienhaus in der von Einfamilienhäusern geprägten, engen Straße erhalten. Anwohner protestieren.

Mit Gegenwind für geplante Bauprojekte hat die Arbeiterwohlfahrt leidvolle Erfahrungen gemacht. Vor zwei Jahren scheiterte sie mit den Plänen für ein neues Verwaltungsgebäude in Rheinberg. Eine Bürgerinitiative stemmte sich vehement gegen das Projekt. Jetzt protestieren Moerser, weil die Awo-Stiftung am Sperberweg in Hülsdonk ein Haus mit vier Mietwohnungen errichten will. Das Gebäude soll anstelle eines betagten, baufälligen Einfamilienhauses entstehen. Der frühere Besitzer hatte es der Awo-Stiftung einst übereignet, vor zwei Jahren ist er verstorben, seither sind Haus und Grundstück nicht gerade ansehnlicher geworden.

Im Herbst 2018 hatte die Stadt eine Bauvoranfrage der Awo-Stiftung positiv beschieden, seit ein paar Wochen liegt die Baugenehmigung für vor. Aber Anwohner des Sperberwegs und benachbarter Straßen der Hülsdonker „Vogelsiedlung“ wollen das nicht hinnehmen. Eine Interessengemeinschaft hat sich gebildet. 250 Unterschriften gegen den Neubau hat sie gesammelt und an die Stadt übergeben. Ein Vierfamilienhaus sei zu groß, sagen Anwohner. Sie befürchten eine Zunahme des Verkehrs auf dem engen Sperberweg, dessen Fahrbahn nur drei Meter breit sei. Der Charakter der seit Jahrzehnten von Einfamilienhäusern geprägten Siedlung dürfe nicht zerstört werden. „Die Awo hat das Motto ,Herz hat Vorfahrt’“, sagte ein Nachbar im Gespräch mit dem Grafschafter. „Aber hier hat Kommerz Vorfahrt.“ Sollte die Awo nicht von ihren Plänen zurücktreten, werde man die Baugenehmigung rechtlich anfechten.

Tatsächlich gehe es auch darum, das knapp 800 Quadratmeter große Grundstück so zu nutzen, dass eine möglichst hohe Rendite erzielt wird, sagte der Awo-Kreisvorsitzende Jochen Gottke gegenüber unserer Zeitung. Aber nicht, um sich zu bereichern. Vielmehr müsse die Awo-Stiftung Geld erwirtschaften, um gemäß ihrer Satzung wohltätige Zwecke im Kreisgebietfördern zu können. „Wir können ja nicht das Stiftungskapital aufbrauchen.“ Auch ein Verkauf des Grundstücks komme nicht infrage. „Das Geld wäre schnell weg.“ Der Bau der Miet-Wohnungen verspreche dagegen langfristige Einnahmen.

„Wir sind gebrannte Kinder“, sagte Gottke mit Blick auf die zurückliegenden Querelen in Rheinberg. Deshalb wolle die Awo-Stiftung noch einmal darüber nachdenken, ob es Alternativen zu den bestehenden Plänen für den Sperberweg gibt, die eine ähnlich hohe Rendite versprechen. Im Zweifelsfall werde das genehmigte Vorhaben aber umgesetzt, kündigte der Awo-Vorsitzende an. „Baurechtlich ist das Gebäude machbar. Es kann nicht sein, dass wir auf unsere Rechte verzichten.“

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