Moers: Cannabishändler zu sechs bis achteinhalb Jahren verurteilt

Gerichtsprozess in Moers : Cannabishändler zu sechs bis achteinhalb Jahren verurteilt

Vor Gericht standen die drei Moerser wegen bandenmäßigen Handeltreibens von Betäubungsmitteln.

Als Richter Johannes Huismann das Urteil verkündet, verzieht der Anwalt des 31-jährigen Angeklagten das Gesicht. Damit hat er nicht gerechnet: Sein Mandant soll sechs Jahre in Haft, der Bruder acht Jahre und der Vater achteinhalb. Verurteilt werden die drei Moerser wegen bandenmäßigen Handeltreibens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei beziehungsweise vier Fällen. Gefordert hat Staatsanwältin Alexandra Wiese drei Jahre für den 31-jährigen, ein Jahr und sechs Monate für den 56-jährigen und Freispruch für den 36-jährigen Angeklagten.

Das Gericht sieht – anders als die Staatsanwaltschaft – einen Whatsapp-Chat zwischen dem jüngsten Angeklagten und einem Freund als besonders belastend für den Vater und den älteren Bruder an. Beide hatten am ersten Prozesstag durch ihre Anwälte verlauten lassen, die Cannabisplantage des 31-Jährigen nur geduldet zu haben. In dem Chat wird aber immer wieder „mein Vadder“, „dein Dad“ und der Name des angeklagten Bruders im Zusammenhang mit dem Anbau der Drogen und deren Verkauf erwähnt. Der älteste Angeklagte habe zum Beispiel entscheiden dürfen, wie viel Geld der Chatpartner seines Sohnes für seine Mithilfe bekam. Er verbüßte bis Februar 2016 noch eine Haftstrafe für eine andere Straftat und unterstützte den jüngeren Sohn in den folgenden Monaten dabei, die Plantage anzulegen.

Dass der jüngste Angeklagte die Drogen nur zum Eigenbedarf angebaut habe, findet das Gericht wenig glaubhaft. Dafür sei die Menge zu groß gewesen: Zwischen Februar 2016 und April 2017 hatte die Familie drei Mal schätzungsweise 2,8 Kilogramm Marihuana abgeerntet. Der Hauptbelastungszeuge hatte außerdem ausgesagt, der 36-jährige Angeklagte habe ihm erzählt, er baue mit seinem Vater und dem jüngeren Bruder Cannabis an und verkaufe es. Zwar waren in dessen Aussagen Widersprüche aufgefallen, doch das Gericht sieht den Hinweis auf den älteren Bruder als glaubwürdig an. „Einzeln betrachtet ist jedes Indiz diskussionswürdig“, sagt Richter Huismann. Im Gesamtkontext gesehen ergebe aber alles einen Sinn und sei eindeutig belastend.

Der jüngste Angeklagte hat am ersten Prozesstag ein Teilgeständnis verlesen lassen, er hat keine Vorstrafen und war „tatgeneigt“, weil er selbst weiche Drogen konsumierte. Das habe sich strafmildernd ausgewirkt. Weil die beiden anderen Angeklagten bereits mehrfach vorbestraft sind, müssen sie länger in Haft.

Gegen das Urteil können die Strafverteidiger innerhalb einer Woche Revision einlegen.

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