Mönchengladbach: Wanlos Visionen

Mönchengladbach: Wanlos Visionen

Der kleine Ort am südlichen Zipfel der Stadt will das "engagierte und lebendige Dorf der Zukunft" werden.

Wanlo liegt am südlichen Zipfel der Stadt, direkt am Autobahnkreuz, an dem sich die Bundesautobahnen 46 und 61 kreuzen, und unmittelbar am Tagebaurand Garzweiler. Deshalb kam der 1104-Seelen-Ort als "Grubenranddorf" zu zweifelhaftem Ruhm. Das soll sich ändern. Wanlo will "das engagierte und lebendige Dorf der Zukunft" werden. Dafür haben die Bewohner schon eine ganze Menge getan. Bereits seit 2013 treffen sie sich, um gemeinsam Visionen für ihr Heimatdorf zu erdenken.

Auf dem Hof der alten Schule könnte ein neuer Dorfmittelpunkt entstehen. Die Pavillons werden abgerissen. Foto: Bauch Jana

In enger Kooperation zwischen den Bürgern und der Stadtverwaltung wurde das sogenannte "Dorf-innen-Entwicklungskonzept Wanlo" (DIEK) erarbeitet. Wanlo soll zukünftig nicht mehr als isoliert, sondern vielmehr als Bindeglied zwischen Stadt und Tagebaufolgelandschaft, also dem geplanten See, wahrgenommen werden. Jetzt geht es an die Umsetzung. Der Planungs- und Bauausschuss hat die Umsetzung des DIEK-Konzepts in seiner letzten Sitzung beschlossen.

Foto: Bauch Jana

"Wir haben die schönen Niersauen, einen Golfclub, den Segelflugplatz, vier Rittergüter und die Dycker Mühle an der Niers", zählt Hans Ludwig Hoffmann auf. Er ist der Vorsitzende der ehrenamtlich organisierten "Initiative Dorfentwicklungsplanung Wanlo" und Chef des Ritterguts Wildenrath. Als Kind hat er die Anfänge der Braunkohle erlebt. Das war in Neurath, südlich von Grevenbroich. "Es gab damals kein Öl und kein Gas", sagt er. "Deshalb waren wir froh über das ,rheinische Gold'."

Dieses positive Grundgefühl hat sich später geändert. Als die Bagger Wanlo immer näher kamen, wurde es turbulent. 2015 ging es um den Schutz vor Lärm, Staub und Scheinwerferlicht (in der Grube wird auch nachts gearbeitet). Ein erbitterter Streit entwickelte sich zwischen den Befürwortern einer Wand oder eines aufgeschütteten Walls. "Das war schlimm", sagt Hoffman, "auch menschlich." Aber nun sei es so: Der Wall wird aufgeschüttet, die Bagger werden kommen. "Man kann dagegen protestieren, wird es aber nicht verhindern können. Deshalb schauen wir jetzt in die Zukunft."

  • Mönchengladbach : Wanlo soll Dorf mit Zukunft werden

Und die könnte so aussehen: Die seit 2009 leerstehende alte Schule soll in einer Testphase von zwei Jahren als Dorfgemeinschaftshaus dienen. Eine Dorfwerkstatt könnte einziehen, das "Wanloer Wohnzimmer" sowie eine Nachbarschaftshilfe und Dorfservice von Bürgern für Bürger entstehen. Der "Marktplatz" der als Bushaltepunkt genutzt wird, soll umgestaltet, die Fläche bis hin zum Schulhof zusammenhängend gestaltet werden. Hans Ludwig Hoffmann kann sich vorstellen, dass auf dem Schulhof ein neuer Dorfmittelpunkt entstehen könnte. "Wenn die Pavillons abgerissen sind, was in Kürze geschehen soll, können alle Vereine, etwa die Schützen und Karnevalisten den großen Platz prima nutzen", sagt er. Ob die marode Schule aber tatsächlich zukünftig genutzt werden kann, bezweifelt er. "Die ist feucht und muffelig", sagt er. "Eigentlich müsste das Gebäude abgerissen werden."

Ein weiteres wichtiges Thema bearbeitet die Initiative gemeinsam mit dem DIEK. Es ist das Projekt "Klimagerechte Dorfentwicklung Wanlo auf Basis einer bürgerschaftlichen Trägerschaft" der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR). "Wir arbeiten an einem Konzept für mehr Klimaschutz", sagt Hoffmann. Derzeit gelte es, aus der Fülle von ldeen und Technologien diejenigen auszuwählen, die die beste Eignung für Wanlo besitzen, um Energie effizienter einzusetzen beziehungsweise erneuerbare Energien zu nutzen. Diese reichen von Solaranlagen über Elektromobilität bis hin zu Nahwärmenetzen mit Nutzung von Grubenwasserwärme.

Damit hat Hans Ludwig Hoffmann bereits gute Erfahrungen gemacht. Sein komplettes Haus wird mit Hilfe der Energie des Grubenwassers geheizt. "Das Wasser ist konstant zwölf Grad warm - das muss man doch nutzen." Er würde sich - etwa nach dem Vorbild Bergheims - ein Neubaugebiet wünschen, das die Energie aus dem Grubenwasser nutzen würde.

Erstmalig finden am Freitag und Samstag, 16. und 17. Februar, in Wanlo die ,,Klimaschutz- und Energietage" statt. Zum Auftakt am Freitag stellen Studierende der TH Köln eine eigens für Wanlo erstellte Projektstudie vor. Darin werden auf Basis ihrer Bürger-Befragung Potenziale für den Einsatz von erneuerbaren Energien analysiert. Anschließend können die Wanloer an runden Tischen mit etwa 20 Experten weitergehende Fragen klären. Am zweiten Tag stehen die Experten mit ihren lnformationsständen auch interessierten Bürgern aus anderen Ortschaften zur Verfügung. Die Stadt, die TH Köln und die "lnnovationsregion Rheinisches Revier GmbH" (lRR) laden alle Interessierten ein, die sich über konkrete Lösungen für eigene Klimaschutz- und Energiesparbemühungen informieren möchten.

(RP)