Mönchengladbach: Hilfsnetz für junge Eltern reicht von Schreiambulanz bis Familienpflege

Mönchengladbach: Hilfsnetz für junge Eltern reicht von Schreiambulanz bis Familienpflege

Nach dem Tod des sechs Wochen alten Babys fragen viele, warum die Eltern keine Hilfe suchten. Die Polizei gibt heute Details zu dem Fall bekannt.

Was bringt Eltern dazu, ihr Kind zu töten? Diese Frage stellen sich in der Stadt nach dem aktuellen Fall viele. Auch wenn die genauen Umstände der mutmaßlichen Kindstötung in Hockstein noch nicht bekannt sind und die Polizei sich erst heute dazu äußern will, wird in vielen Foren diskutiert, weshalb sich die Familie keine Hilfe holte und wieso es so weit kommen musste.

Fakt ist: In Mönchengladbach gibt es viele Angebote für Mütter und Väter. "Wir haben ein sehr gut ausgebautes Präventionskonzept", sagt Jugendamtsleiter Klaus Röttgen. Familienpatenschaften, Familienhebammen, Familienpflege, Mütterberatung, Frühförderstellen, eine Schreiambulanz im Elisabeth-Krankenhaus - das sind nur einige wenige Beispiele aus dem Netzwerk. Es sei die Pflicht der Eltern, sich um ihr Kind zu kümmern, "Aber wer uns sagt, dass er ein Problem hat, dem helfen wir", sagt Röttgen. Sozial- und Jugenddezernentin Dörte Schall weiß, dass ein Baby und die neue Lebenssituation Mütter und Väter an die Belastungsgrenzen bringen kann. "Wir sehen häufiger, dass Mütter, die gerade ein Kind bekommen haben, ihre eigene Kindheitsgeschichte noch mal erleben", sagt sie. Manche bräuchten in solchen Fällen psychologische Hilfe. Die Familie in Hockstein war dem Jugendamt laut Stadt allerdings nicht bekannt.

Um Entwicklungsmöglichkeiten von Familien und Kindern zu verbessern, wurde schon im Jahr 2012 mit dem Projekt "Frühe Hilfen" gestartet. Zu dem multiprofessionellen Netzwerk gehören Kinderärzte und Gynäkologen, Beratungsstellen, Hebammen und Geburtskliniken, der Kinderschutzbund sowie verschiedene weitere Institutionen der Jugendhilfe, des Sozial- und Gesundheitswesens. Seit 2016 ist auch ein Onlineangebot des Netzwerkes nutzbar. Es soll die Suche nach passgenauen Angeboten und Ansprechpartnern erleichtern rund um die Themen Schwangerschaft, Kinderbetreuung, Frühförderung, Beratung, finanzielle Unterstützung und Leistung oder ärztliche Betreuung erleichtern.

Außerdem bietet Mönchengladbach, was nicht alle Kommunen haben: Begrüßungstaschen für neue kleine Erdenbürger. Jugendamtsmitarbeiter besuchen nach Voranmeldung junge Mütter und Väter, bringen Nützliches fürs Kind mit und beantworten Fragen. Das Angebot ist freiwillig, "aber die allermeisten nehmen es an", sagt Dörte Schall. Am häufigsten werde gefragt, wie der Kindergarten-Navigator funktioniert oder wo es Angebote für Babyschwimmen gibt. Es geschehe aber auch, wenn auch selten, dass im Gespräch Probleme von den fachkundigen Mitarbeiterinnen erkannt werden. "Es gibt ganz einfache Dinge, die Überforderung signalisieren", sagt Dörte Schall. Dann werde für professionelle Unterstützung gesorgt.

Hilfsangebote gibt es unter https://www.fruehehilfen-online.nrw.de/moenchengladbach.suche.

(gap)