Mönchengladbach: Klangsphären in "Lohengrin"

Mönchengladbach: Klangsphären in "Lohengrin"

Hinrich Horstkotte besitzt mehr als 40 Lohengrin-Gesamtaufnahmen. Im Extra "Lohengrin diskografisch" stellte der Regisseur in der Studiobühne des Theaters Tonaufnahmen im Vergleich vor.

Gerade der "Lohengrin" ist die Wagner-Oper mit einer besonderen Bandbreite der Interpretation. Davon ist Hinrich Horstkotte überzeugt. Auf der Studiobühne des Theaters erwies er sich als profunder Kenner der Lohengrin-Diskografie. Von 118 Gesamtaufnahmen besitzt der Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner über 40. Es bereitet ihm offensichtlich große Freude, der Musik nachzuhorchen und dabei seine Erkenntnisse wie auch Empfindungen zu teilen. Breit aufgestellt deutete der Gast auch veränderte Hörgewohnheiten und Zeitumstände an, wie etwa Wieland Wagners Entrümpelung der Szene nach dem zweiten Weltkrieg. "Was brauche ich einen Baum auf der Bühne, wenn ich Astrid Varnay habe", soll der Opernregisseur angesichts der großartigen Opernsängerin gesagt haben.

Foto: Stutte Matthias

Im Studio traf Horstkotte auf eine interessierte und vielfach auch gut informierte Zuhörerschaft. Wohl wissend um mitunter scharfe Dispute zwischen Wagnerianern räumte der Referent ein, dass die Wahl von Favoriten "selbstverständlich" auch Geschmackssache sei. Er eröffnete seine Auswahl mit dem Vorspiel, 1994 eingespielt von den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbados Dirigat. Horstkotte sprach von "silbrig blauen Sphären" in den Streicherklängen. "Es geht um den jenseitigen Klang. Das ist eine Schweißausbruchstelle für alle Geiger", kommentierte er das zarte Flirren in den Obertönen. Bei normalen Aufführungen liege die Trefferquote einer fehlerfreien Darbietung bei 50 Prozent, so Horstkotte. Bei der Auslese aus reichem Fundus konzentrierte er sich auf die Figuren Lohengrin, Elsa und Ortrud.

  • Mönchengladbach : Heiteres rund um den "Lohengrin"

Elsas Traumerzählung "Einsam in trüben Tagen" bezeichnete er als eine Visitenkarte für die Gestaltung der Figur. Die Aufgabe einer guten Elsa bestehe darin, eine "traumhafte Farbe zu finden". Dafür müsse die Stimme lyrisch und doch kräftig sein und über das Orchester hinauswachsen. "Das Brautgemach muss sie überleben", so Horstkotte über die Herausforderungen an die Stimmqualität. Er ließ die Besucher teilhaben an den großen Elsen, wie Elisabeth Grümmer und Gundula Janowitz. Der Janowitz sei oft vorgeworfen worden, in der Darstellung empfindungslos zu sein, doch er sei froh, sie erlebt zu haben, betonte Horstkotte. Er merkte an, dass die Rolle des Lohengrins zeitweise als Partie für Heldentenor galt. Beim Musikbeispiel "Nun sei bedankt, mein Lieber Schwan" mit Klaus Florian Vogt lobte er das Lyrische in dessen Stimme. Die Partie der Ortrud bezeichnete der Kenner als Schaustück für die dramatische Sopranistin.

Als unglaublich bezeichnete Horstkotte die Kunst der Altistin Margarete Klose in dieser Rolle. Zu Lauritz Melchior stellte Horstkotte fest, dass diese Art der Stimme heute nicht mehr zu hören sei. Einen Grund dafür konnte er nicht definitiv benennen, sondern allenfalls die Vermutung: Bis zum zweiten Weltkrieg war der Sänger die führende Person auf der Bühne, inzwischen aber ist es immer mehr der Dirigent. Einigkeit herrschte über den großen Wert der historischen Aufnahmen. "Sie öffnen ein Fenster", sagte Horstkotte, der betonte, dass die älteren Sänger durch Schüler-Enkel-Beziehungen der Uraufführung näher waren.

(RP)
Mehr von RP ONLINE