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Mönchengladbach: Roncallis Meister der Illusionen

Mönchengladbach : Roncallis Meister der Illusionen

Sergi Buka beherrscht die Kunst der Magie. Im Zirkus ist die Umsetzung besonders schwer, da die Tricks des Spaniers von allen Seiten einsehbar sind. Derzeit arbeitet er an einer neuen Nummer.

Er hört den Trubel hinter dem Vorhang. Das Getuschel, das Geraschel. Dann wird es still. Die Anspannung steigt. Sergi Buka tritt in die Manege. Sein großer Auftritt. Der Spanier hat die ehrenvolle Aufgabe jede Aufführung von "Time Is Honey II" zu eröffnen. Der Magier und Illusionist steht auf einem großen Ziffernblatt und lässt grüne Laserstrahlen, die Uhrzeiger symbolisieren, durch das Roncalli-Zirkuszelt wandern. Zwei Minuten dauert sein Auftritt. Dann schlägt es 12. Das Publikum soll zur Musik von Pink Floyds "Time" aus seiner Zeitrechnung enthoben werden und sich auf den Zauber und die Fantasie der Vorstellung einlassen.

"Es ist leicht und schwer zugleich", sagt Buka zur Aufgabe, der Erste in der Manege zu sein. "Die Zuschauer kommen mit Vorfreude. Das ist schön, aber ich habe auch Respekt davor. Denn sie haben auch eine gewisse Erwartungshaltung. Ich muss das Eis brechen." Der 39Jährige kam im Alter von sieben Jahren zur Zauberei. In Katalonien besuchte Buka mit seinen Eltern die Verwandtschaft. Sein Onkel faszinierte ihn dabei mit Kartentricks. Danach nahm die Karriere ihren Lauf: Mit elf Jahren trat er in der Schule und vor Freunden auf. Er ließ Seidentücher verschwinden oder holte Münzen hinter dem Ohr hervor. Mit 15 trat er in einem kleinen Theater in Barcelona auf. Dort erhielt er erstmals Geld für seine Vorstellung und wurde gefördert.

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2004 wurde er in Paris mit dem Mandrake d'Or, dem Oscar internationaler Illusionskunst, ausgezeichnet. Sein Wunsch, mit seinen Manipulationen Geschichten zu erzählen, führte ihn 2008 zum Film, wo er über einen Schauspielkollegen Roncalli-Direktor Bernhard Paul kennenlernte. Und der war und ist von Bukas Magie begeistert: "Er macht unglaubliche Zaubergeschichten, was im Zirkus schwer ist, weil man ihn auch von hinten sieht". Für Buka ist das der große Unterschied zum Theater. Dort hat er das Publikum vor sich. Was neben oder hinter ihm passiert, nimmt der Zuschauer nicht wahr. "Das ist eine Herausforderung. Im Zirkus ist es nicht so plakativ, es ist poetischer", sagt Buka.

Paul sei mit seinen ersten Auftritten zufrieden gewesen, betont der Spanier. Dennoch sei es bei Roncalli immer "work in progress". Von den ständig fortlaufenden Arbeitsprozessen werden auch die Mönchengladbacher profitieren: Denn Buka arbeitet derzeit an einer neuen Licht-und-Schatten-Nummer, die bereits in der kommenden Woche ins Programm aufgenommen werden soll. Mit seinen Fingern formt Buka Figuren und verwandelt den Zirkusraum so in einen Ort fabelhafter Wesen. Bis zum 6. April gastiert Roncalli noch auf dem Platz am Geroweiher. Und so lange wird Buka hier versuchen, das Eis zu brechen.

(RP)