Mönchengladbach: Vater schüttelt Baby fast tot — Prozess

Mönchengladbach : Vater schüttelt Baby fast tot — Prozess

Vor dem Mönchengladbacher Schwurgericht muss sich der Vater (24) eines elf Monate alten Säuglings unter anderem wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung verantworten.

Der Angeklagte war im vergangenen Jahr immer dann mit dem Baby allein in der Wohnung, wenn die Kindesmutter in einem Sonnenstudio Geld für den gemeinsamen Haushalt verdiente. Der gelernte Lagerist sollte in diesen Stunden das Kind beaufsichtigen.

Als der Staatsanwalt die schreckliche Anklage verlas, war es im Schwurgerichtssaal auffallend still. Der Angeklagte soll im August 2013 das weinende, fünf Monate alte Kind mehrfach hin und her geschüttelt haben, bis es ruhig war. Der Junge kam ins Krankenhaus, aber die Ärzte konnten zunächst nichts feststellen. Am 21. September 2013 war der Gladbacher erneut mit seinem Sohn allein. Diesmal soll er den schreienden Jungen so lange geschüttelt haben, bis er nicht mehr atmete. Er habe gewusst, dass dieses Schütteln gefährlich ist. "Aber ich habe damals nicht daran gedacht", beteuerte er vor Gericht.

Kind ist inszwischen schwerstbehindert

Er habe sich überfordert gefühlt und die Kontrolle verloren, verteidigte sich der 24-Jährige. Er hatte sich damals an die Nachbarin gewandt, ihr aber nicht die Wahrheit gesagt. Er sei in Panik gewesen. Die Nachbarin rief den Rettungswagen. Auch im Krankenhaus verschwieg der junge Vater, was er mit dem Säugling getan hatte. Doch die Ärzte erkannten bald das Schütteltrauma und die massiven Gehirnblutungen des inzwischen schwerstbehinderten Kindes.

Bei der Polizei hatte der Angeklagte noch zugegeben, das Kind siebenmal geschüttelt zu haben. Im Prozess gestand er ein, das Baby "nur" zweimal misshandelt zu haben. Die Mutter des Säuglings berichtete im Gerichtssaal, dass der Kindesvater an dem Septembertag im Sonnenstudio angerufen und gefragt habe: "Der Junge schreit , was soll ich machen?". Sie habe das unterschätzt, machte die Kindesmutter in ihrer Aussage klar. "Die beiden mussten sich doch aneinander gewöhnen", habe sie damals geglaubt. Vor der Geburt des gemeinsamen Kindes sei ihre Beziehung in Ordnung gewesen. Sie habe sich um den Säugling gekümmert. "Der Vater des Jungen fühlte sich offenbar zurückgesetzt", vermutete die Mutter des Jungen. Der Prozess vor dem Schwurgericht wird fortgesetzt.

(RP)