Mönchengladbach: Stadt will Rentner die Brieftauben nehmen

Mönchengladbach : Stadt will Rentner die Brieftauben nehmen

Er soll seine 60 Tiere innerhalb von vier Wochen wegschaffen und den Taubenschlag entfernen. Das bricht Günter Berger und seiner Frau das Herz. Die Stadt beruft sich darauf, dass eine Beschwerde vorlag.

Bis zum 14. April muss Günter Berger seine Tauben abgeschafft haben, sonst droht ihm eine empfindliche Geldstrafe. 1500 Euro muss er zahlen, sollte er kein neues Zuhause für seine 60 Brieftauben finden. So hat es das städtische Ordnungsamt verfügt. Aber das ist einfacher gesagt als getan. "Die Brutzeit hat gerade begonnen, deshalb ist kein Züchter in der Lage, zusätzliche Tiere aufzunehmen", sagt der Rentner, dessen Hobby ihm derzeit viel Kummer bereitet. Tagelang hat er telefoniert, alle Züchter der Region winkten ab. "Ich weiß nicht, was ich tun soll", sagt er.

Im vergangenen Jahr hat ein Nachbar, der ein paar Häuser weiter auf der Grünstraße in Odenkirchen wohnt, den Taubenzüchter bei der Stadt gemeldet. Von den Tieren gehe zu viel Lärm und Dreck aus. "Das kann nicht sein", sagt Günter Berger. "Meine Brieftauben fliegen eine Runde, und dann kehren sie zurück in ihren Schlag. Sie machen nirgendwo Halt." Geschweige denn Kot. Das haben Bergers unmittelbare Nachbarn bestätigt. "Wir kriegen von den Tauben überhaupt nichts mit, obwohl wir gleich nebenan wohnen", sagt beispielsweise Nachbarin Andrea Hippler.

Das Ordnungsamt war vor Ort, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Das Ergebnis: Die Taubenschläge seien ohne baurechtliche Genehmigung (zwei von drei Gartenhäusern dienen als Zuhause für die Tiere) errichtet worden, die Haltung von rund 60 Tauben im reinen Wohngebiet nicht genehmigungsfähig. Eine Ordnungsverfügung wurde den Eigentümern Mitte Januar angekündigt. Jetzt flatterte sie in schriftlicher Form ins Haus. Günter Berger und seine Frau, Claudia Königs, sind verzweifelt. "Das sind so liebe Tiere", sagt sie. Jeder einzelnen Taube hat sie einen Namen gegeben — Kätchen, Toni, Mecky. "Mecky ist mein besonderer Liebling", sagt sie. Als der Täuberich einmal schwer verletzt mit gebrochenem Beinchen nach Hause kam, hat sie ihn gepflegt — zwei Wochen lang. "Dann war er wieder fit."

Die Stadt hat sich bei der Beurteilung der Situation auf ein Urteil aus Neustadt bezogen. Dort gab es einen vergleichbaren Fall, der vor Gericht kam. In dem Urteil heißt es: Bewohner eines reinen Wohngebiets haben einen Anspruch darauf, von allen Störungen freigehalten zu werden, die ein ruhiges Wohnen beeinträchtigen oder erheblich belästigen könnten. Außer Wohngebäuden seien zwar untergeordnete Nebenanlagen zulässig, zu denen auch Einrichtungen zur Kleintierhaltung gehörten. Die Haltung von Brieftauben könne in einem reinen Wohngebiet zugelassen werden, soweit sie üblich und ungefährlich sei und den Rahmen für eine typische Freizeitbetätigung nicht sprenge. Das sei vorliegend bei über 60 Tieren aber nicht mehr der Fall. Ähnliche Urteile gibt es übrigens auch zuhauf für die Haltung von Ziegen, Gänsen, Ponys, Hühner und auch für die private Hundezucht auf privaten Grundstücken im Wohngebiet.

Günter Berger und Claudia Königs wissen nicht weiter. Die Vögel müssen innerhalb der nächsten vier Wochen verschwunden sein, eines der beiden Gartenhäuser abgerissen sein. "Ansonsten hat man uns als Alternative die Ersatzvornahme in Höhe von 800 Euro angeboten", sagt Günter Berger. Das heiße, die Stadt entsorge die Tauben und das Gartenhaus. "Die Dame vom Ordnungsamt hat zu uns gesagt, sie würde die alle kaputtmachen lassen", sagt Claudia Königs.

(RP)