Mönchengladbach: Mysterienspiel und begehbares Labyrinth

Mönchengladbach : Mysterienspiel und begehbares Labyrinth

In der Fastenzeit lädt die Vitus-Gemeinde dazu ein, in der Citykirche ein Labyrinth aus zusammengeknoteten Stoffbahnen zu durchschreiten. Und mit "Jedermann" wird am 12. April Hofmannsthals Mysterienspiel aufgeführt.

Das Labyrinth, ein verzweigtes Wegesystem mit auch ornamentaler Funktion, ist neben der Spirale eines der ältesten Rätselsymbole der Menschheit. Ein solches Gebilde hat der Wegberger Künstler Norbert Kostka auf dem Steinboden im Mittelschiff der Citykirche am Alten Markt ausgelegt. "Die Materialien haben wir zur Verfügung gestellt", berichtet Seelsorgerin Annette Diesler. Dadurch wird Kostkas durch aneinandergeknotete Stoffbahnen markiertes Labyrinth als ein kleiner Pilgerweg gedeutet — etwa 100 Meter lang ist der gesamte abzuschreitende Weg. So viel Stoff jedenfalls, weiß Annette Diesler, wurde für die Ausführung benötigt. Ein Rucksack, Wanderschuhe, eine lederne Wasserflasche betonen den Aspekt des Pilgerpfades. Eingebaut sind auch Wendepunkte. "Solche Wendepunkte gibt es in jedem menschlichen Leben", so Diesler, "sie können durch eine Krankheit oder eine einschneidende Veränderung im Familienleben ausgelöst sein." Im Labyrinth muss der Wanderer vor solchen Schleifen und Umwegen nicht erschrecken wie vielleicht manchmal im Leben.

Für ihr eigenes Leben, so hoffen die Initiatoren — neben Diesler ihr Kollege Hans-Willi Hauser —, werden Besucher des Labyrinths davon etwas mitnehmen können. Jeder ist eingeladen, am Eingang einen Kieselstein aus einem Korb zu nehmen und ihn beim Rundgang in der Hand zu halten. In der von farbigen Holzbalken markierten Mitte steht ein Glasgefäß, in das die Kieselsteine gelegt werden können. "Neben dem Aspekt, dass man mit einem Stein in der Hand konzentrierter durch das Labyrinth geht, versprechen wir uns davon auch, dass wir so die Anzahl der Besucher annähernd ermitteln können", verrät Hauser, der den Künstler Kostka für das Projekt gewann. In einem zweiten Korb finden die Wanderer beim Verlassen des Labyrinths kleine Aphorismen und Merksprüche namhafter Dichter und Denker. Zum Thema "Faszination Labyrinth" bietet die Citykirche mehrere Veranstaltungen an (siehe Info-Box). Gruppen ab sechs Personen sollten sich für Führungen anmelden bei Schwester Waltraud Schulte unter der Mail-Adresse sr.waltraud.schulte@citykirche-mg.de.

Am 10. April wird das Labyrinth wieder abgebaut. Dann wird die Fläche für eine Bühne benötigt. Dort gibt am Samstag, 12. April, 20.30 Uhr, das Ensemble des Landestheaters Detmold ein Gastspiel. Aufgeführt wird Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel "Jedermann", das traditionell in der Karwoche vor dem Salzburger Dom gespielt wird.

"Auf die Idee hat uns Christoph Lowis, ehemaliger Organist unserer Pfarre, gebracht", sagt Annette Diesler. Dass das "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" in einer Kirche aufgeführt wird, sei noch immer eine Rarität. Damit greift die Citykirche einen im Mittelalter und später von den Jesuiten gepflegten Brauch des geistlichen Missionsspiels auf. Gott sendet den Teufel aus, um Jedermann, einen jungen, reichen Mann, vor das Jüngste Gericht zu rufen. "Das Thema passt in den kirchlichen Raum und hervorragend in die Fastenzeit", meint Annette Diesler.

Die Karten für das einmalige Gastspiel des Landestheaters Detmold kosten einheitlich 15 Euro. Vorverkaufsstellen sind das Lese-Café der Pfarre St. Vitus, Kirchplatz 12; und die Buchhandlungen Degenhardt (Friedrichstraße 14) und Prolibri (Schillerstraße 22).

(RP)