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Mönchengladbach: Streik treibt Gladbacher aufs Fahrrad

Mönchengladbach : Streik treibt Gladbacher aufs Fahrrad

In der Stadt fuhren gestern keine Busse. Einige Pendler stellte das vor erhebliche Probleme. Zudem blieben Kitas geschlossen, in Bädern fiel der Schwimmunterricht aus. 1600 Streikende versammelten sich auf dem Alten Markt.

Keine Busse auf der Straße, dafür umso mehr Taxen und Fahrradfahrer: Verdi hatte gestern am linken Niederrhein einige Tausende Angestellte im öffentlichen Dienst aufgerufen, sich an den NRW-weiten Warnstreiks zu beteiligen. Also blieben die etwa 200 NEW-Busse in ihren Depots, elf Kitas geschlossen und auch bei drei Schwimmbädern musste das Training ausfallen.

In den frühen Morgenstunden standen viele Menschen verzweifelt auf dem Europaplatz. "Ich muss zur Arbeit nach Odenkirchen und fahre immer mit dem Bus. Ein Taxi kann ich mir nicht leisten", sagte beispielsweise Vanessa Püttmanns. Tobias Wallnig hatte sich vorsorglich ein Minicar bestellt, damit er mobil bleibt. Der 36-Jährige hat kein Verständnis für die Streiks im öffentlichen Nahverkehr. "Als Maler muss ich auch hart arbeiten. An Streik ist bei uns aber nicht zu denken", sagte er. Sabine Grassmann musste sogar ihre Termine für Dienstag absagen, da sie ihre Putzstellen ohne Bus nicht pünktlich erreichen konnte. Freuen konnten sich hingegen die Taxifahrer. Gegen 7.30 Uhr gab es regelrechte Warteschlangen am Taxistand neben dem Gladbacher Hauptbahnhof. Weil das Wetter beständig war, stiegen auch viele Gladbacher aufs Rad um oder gingen zu Fuß.

 Die Busse der NEW blieben gestern in den Depots. Auf dem Alten Markt trafen sich rund 1600 Streikenden zur zentralen Kundgebung. Dabei entrollten sie ein riesiges Transparent.
Die Busse der NEW blieben gestern in den Depots. Auf dem Alten Markt trafen sich rund 1600 Streikenden zur zentralen Kundgebung. Dabei entrollten sie ein riesiges Transparent. Foto: Isabella Raupold, Hans-Peter Reichartz
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Alternativen gab es auch für die bestreikten Kitas. Stadtsprecher Dirk Rütten zufolge machten gestern elf städtische Kindertagesstätten dicht. Für jede wurde allerdings eine Notgruppe in einer Nachbareinrichtung geschaffen, so dass Eltern, die auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, nicht ohne Hilfe da standen. Die Kita an der Leibnizstraße war gestern normal geöffnet und bleibt heute als einzige geschlossen.

Der Schulbetrieb wurde vom Streik kaum beeinflusst. Eltern waren zuvor gebeten worden, Fahrgemeinschaften für ihre Kinder zu gründen. Viele Schüler kamen mit dem Fahrrad zum Unterricht. An der Geschwister-Scholl-Realschule musste jedoch der Sportunterricht zum Teil durch Vertretungsstunden ersetzt werden, weil Busse die Kinder nicht zur Sporthalle am GHTC fuhren. Zudem fiel die Grünpflege weitgehend aus, für dringende Kanalarbeiten wurde ein Notdienst eingerichtet, teilte Verdi mit.

Die Gewerkschaft fordert einen Pauschalzuschlag von 100 Euro plus 3,5 Prozent Lohnerhöhung. Zur größten Kundgebung auf dem Alten Markt in Mönchengladbach kamen rund 1600 Streikende. In weißen Plastikumhängen mit der Aufschrift "Wir sind es wert" schwenkten sie ihre rote Fahnen und schimpften gegen die Bundesregierung. Ihr Schlachtruf: "Gibt die Kohle her, Thomas de Maizière!" Die Verdi-Jugend schoss Konfetti-Bomben in die Menge, eine Band machte Stimmung, für warmes Mittagessen war gesorgt. Am Ende rollten die Teilnehmer ein riesiges Transparent mit der Aufschrift "Zeit für Helden" aus.

"Alle waren trotz der Kälte gut drauf", sagte die Verdi-Geschäftsführerin vom linken Niederrhein, Mechthild Schratz. Die Streikenden hätten gezeigt, dass sie sich die niedrigen Löhne nicht länger gefallen lassen. Am Donnerstag und Freitag gehen die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern in die nächste Runde. Vor allem die Pauschalerhöhung um 100 Euro ist ein großer Streitpunkt. Falls kein Kompromiss gefunden wird, kann es nächste Woche erneut zu Streiks kommen. "Dann vielleicht auch einen Tag länger", so Mechtild Schratz.

(met)