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Mönchengladbach: Gastbeitrag zum 100. Geburtstag und den Memoiren von Hans Segschneider

Gastbeitrag zum 100. Geburtstag von Hans Segschneider : Der 100-jährige, der die Freiheit liebt

Der Freidemokrat und frühere Bürgermeister Hans Segschneider hat anlässlich seines Jubiläums in dem Buch „Mein langes Leben“ persönliche, aber auch stadthistorische Erinnerungen niedergeschrieben.

Wenn es Sinn ergibt, jemanden als politisches Urgestein Mönchengladbachs beziehungsweise Rheydts zu bezeichnen, dann trifft dies signifikant und treffend auf Hans Segschneider zu. Der in Rheydt an der Gartenstraße Geborene feiert am 14. Dezember 2021 seinen 100. Geburtstag.

Dem Autor wurde jüngst ein gedrucktes Exemplar der persönlichen Erinnerungen von Hans Segschneider übergeben. Auf 215 Seiten hat der allseits geschätzte Kommunalpolitiker seine biografischen Erlebnisse niedergeschrieben und so für die Nachwelt mit zahlreichen Fotos erhalten. Auch wenn diese Memoiren seiner Familie gewidmet sind, sind sie für den historisch Interessierten der Stadtgeschichte von exemplarischer Bedeutung. Denn die Lebensgeschichte von Hans Segschneider ist nicht nur in schulischer, politischer, sportlicher oder kultureller Hinsicht mit der Vergangenheit Mönchengladbachs aufs Engste verknüpft. Er hat sie auch ein Stück weit mitgeprägt.

Die Erinnerungen von Hans Segschneider sind ein Teil der gelebten und erlebten Erinnerungskultur. Dabei geht es nicht nur um das, an das man sich gern und mit Freude erinnert, sondern auch um jenes, das man am liebsten vergessen möchte. Aber nur so wird individuell erlebte Geschichte nachvollziehbar und begreifbar. So etwa wenn Segschneider von Rheydt in den 1920er Jahren als dem „Eckstein der Monarchie“ erzählt mit seinen Umzügen und Festivitäten oder den differenzierten menschlichen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. Er beschönigt nichts, verschweigt auch manch unbequeme Wahrheit nicht und lässt nachvollziehbar die Entstehung seines nachhaltigen Bedürfnisses und Credos nach Freiheit für alle Menschen erkennen. Die durch den Nationalsozialismus in seiner Jugend verwehrte Freiheit prägte sein Leben.

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Die Beschreibung der Nachkriegszeit, in der Hans Segschneider zum engagierten Volksschullehrer ausgebildet wurde, ist menschlich beeindruckend und historisch aufschlussreich. Die für uns heute nicht nachvollziehbaren, teilweise dramatischen Sorgen und Nöte werden für die Nachwelt anschaulich dokumentiert. Bald zieht es ihn in die Politik, ab 1960 als Ratsherr der Stadt Rheydt. Auch hier bleibt der leidenschaftliche Schwimmer und rege Sportfunktionär Mensch.

Zwischen vielen Zeilen menschelt es gewaltig. Gerade die persönlichsten Erinnerungen von Segschneider prägen ein Gesamtbild nicht nur seiner Lebensgeschichte, sondern auch immer wieder der Geschichte und Entwicklung des Gemeinwesens Mönchengladbachs. Hervorzuheben ist seine Mitwirkung an der Städtebildung 1975 sowie seine Tätigkeit als langjähriger integrer Bürgermeister Mönchengladbachs. Manch interessante pikante politische Hintergrundinformation offenbart sich dabei.

Mit den Lebenserinnerungen hat Hans Segschneider nicht nur ein einzigartiges Zeitdokument der Stadt Mönchengladbach vorgelegt, sondern auch Einblick in die facettenreiche Alltagsgeschichte eines langen Lebens ermöglicht, eine Spiegelung der heutigen Zeit in der Vergangenheit. Bewundernswert und hoffnungsgebend (in den gegenwärtigen verquasten Zeiten) die abschließenden klaren Worte in den Memoiren von Hans Segschneider: „Ich bin trotz aller Trauer und der Einsamkeit im Alter doch froh über meine lange Lebenszeit und immer noch neugierig, auch im Interesse meiner Nachfahren, wie sich das Dasein der Menschen in Zukunft hoffentlich zum Guten weiterentwickelt.“ Herzlichen Glückwunsch und Dank und Hoffnung auf den ein oder anderen Nachtrag.

Segschneider, Hans: Mein langes Leben, 215 Seiten, Privatdruck, Mönchengladbach, o.D.
Der Beitrag ist in der Geschichtswerkstatt Mönchengladbach entstanden.