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Lange Schlangen und glückliche Menschen bei der Weihnachtspakete-Ausgabe der Mönchengladbacher Tafel

Mönchengladbach Weihnachtsaktion der Tafel : Lange Schlangen und glückliche Menschen

Für die Tafel-Kunden ist es ein Höhepunkt des Jahres: die Verteilung der Weihnachtspakete. Wie viele die Mönchengladbacher gespendet haben und was drin war.

„Wenn ich eine Arbeit habe“, verspricht Anastasia P., „dann werde ich auch für andere Menschen sammeln.“ Seit fünf Jahren lebt die 28-Jährige in Deutschland. Hier nimmt sie an einer Umschulung teil – der Job ist schon zum Greifen nahe. An diesem Montagmorgen steht sie mit ihren Eltern und ihrer Schwägerin in der sehr langen Schlange vor dem Tafelladen im Nordpark. „Zum dritten Mal hole ich mir heute ein Weihnachtspäckchen ab. Es ist so toll, dass so viele Menschen anderen helfen. Wenn ich das Päckchen öffne, merke ich, mit wie viel Liebe es gepackt wurde. Da ist oft sogar eine Karte drin.“ Weihnachten werde sie mit ihrer Familie verbringen, in diesen Zeiten, so betont sie, sei es wichtig zusammenzuhalten.

Lang ist die Schlange, nur langsam kommt sie voran. Das liegt auch daran, dass die coronabedingten Kontrollen konsequent durchgeführt werden. Sogar auf das korrekte Tragen der Masken wird immer mal verwiesen. Neu eingeführt wurden die Einkaufswagen, die im Inneren des Tafelladens automatisch für den vorgeschriebenen Abstand sorgen. Trotz des Andrangs ist von Ungeduld nichts zu spüren – weder bei den Wartenden noch bei den etwa 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins.

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Diane Holzapfel ist zweite Vorsitzende der Tafel Mönchengladbach und kennt fast jeden Besucher und sein Schicksal. Immerhin ist sie seit 20 Jahren bei der Tafel tätig. Geduldig beantwortet sie alle Fragen, blättert – ebenso wie die Vorsitzende, Monika Bartsch, die gerade den Einlass kontrolliert – in den Impfausweisen und weiß für alle Probleme eine Lösung. Allerdings muss sie – was zum Glück nicht oft vorkommt – Menschen abweisen, die die 2G-Regel nicht einhalten können.

Seit 9 Uhr verteilen die Ehrenamtler die Weihnachtspäckchen, viele davon in Weihnachtspapier eingeschlagen und mit genauen Angaben über den Inhalt oder dem Hinweis „Paket für Familie mit Kindern“ versehen. Eine wichtige Information. Diane Holzapfel hat soeben ein Telefonat mit einem der Empfänger geführt, der ein Paket mit lauter Spiel- und Kindersachen erhalten hat. „Kommen Sie vorbei, wenn Sie Zeit haben, dann tauschen wir es um.“ Sie macht eben alles möglich.

„Wir sind heute nur die Verteiler“, sagt sie, „die Spender sind die Mönchengladbacher.“ 1466 Pakete wurden gespendet, und das, obwohl, wie Holzapfel sagt, die Lebensmittel teurer geworden sind und viele Menschen in diesem Jahr für die Flutopfer gespendet haben. Ilse Bröhr, seit drei Jahren ehrenamtliche Helferin, gibt überdies zu bedenken, dass viele Menschen durch Corona beruflich unter Einschränkungen zu leiden haben und nicht über so viel Geld wie sonst verfügen. Aber: „Keiner geht hier ohne Paket nach Hause“, verspricht Holzapfel. „Dass wir so viel haben, ist ein Zeichen für die Großzügigkeit der Mönchengladbacher.“

Wenn Ilse Bröhr die Pakete verteilt, kann sie das passende Paket auswählen, denn ihre Kollegin an der Anmeldung im Inneren der Tafel ruft die Angaben herüber: „Ein Erwachsener.“ Oder: „Zwei Erwachsene, zwei Kinder.“ „Die Menschen sollen sich freuen“, ist Bröhrs Motivation. Und die wird erfüllt. Ines Neustadt, 53, öffnet ihr Paket gleich vor Ort: „Ich glaub’s nicht: lauter Leckereien. Und sogar Kaffee. Das ist ja Wahnsinn, ich muss mir’s Heulen verkneifen“, ruft sie. Sie ist voll des Lobes für die Tafel und ihre Mitarbeiter, die auch schon mal ein liebes Wort für sie hätten. Weihnachten ist eine schwere Zeit für sie. Sie verbringt die Tage allein, ihr 30jähriger Sohn ist schwerbehindert und lebt in einer Einrichtung. „Ich kann ihm noch nicht einmal ein Weihnachtsgeschenk machen“, sagt Neustadt. Vielleicht jetzt doch: denn in dem Adventskalender, den jeder bekommt, darauf macht ein anderer Mitarbeiter aufmerksam, liegt ein Gutschein fürs Minto.

„Das Weihnachtspaket ist eine Bereicherung für mich und meine Familie“, sagt Helmut Schiller, 66 Jahre alt. „Da sind oft schöne Sachen drin.“ Weihnachten verbringt der Vater von drei Kindern und Großvater von acht Enkeln coronakonform im kleinsten Familienkreis. Und ein bisschen wie Weihnachten fühlt sich schon der Montag in der Tafel an mit all den zufriedenen und glücklichen Menschen auf beiden Seiten der Paketausgabe.