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Mönchengladbach: Bilder aus der Grafischen Sammlung von Schloss Rheydt

Kunst in Mönchengladbach : Kupferstiche erklären das Weltwissen

Es ist ein Art Wikipedia ab Mitte des 18.Jahrhunderts: Die „Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke“. Das Museum Schloss Rheydt stellt die Grafische Sammlung „Von Dürer bis Rilke“ jetzt online.

Mönchengladbach und die Textilindustrie sind untrennbar miteinander verbunden. Der industrielle Aufstieg der Stadt verdankte sich der Entwicklung der Textilindustrie in der Mitte des 19. Jahrhunderts. So ist es nur folgerichtig, dass die Darstellungen der Herstellung von Textilien und internationaler Mode einen Schwerpunkt der Grafischen Sammlung des Museums Schloss Rheydt bilden. „Kleider machen Leute“, haben die Kuratoren der Online-Ausstellung dieses Kapitel genannt.

Eine Reihe von Blättern beschäftigt sich mit der Darstellung von Berufen, die in den frühen Zeiten der Textilindustrie verbreitet waren: mit den Färbern, Knopfmachern oder den Strumpfmachern. „Strumpfwirkerei“ lautet der Titel eines Blattes aus dem Jahr 1772. Der Kupferstich misst gerade mal 23 cm x 17 cm und ist doch eine detaillierte Darstellung eines Arbeitsplatzes.

Der Stich ist Teil der berühmten „Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke“, verfasst von Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert gemeinsam mit 142 weiteren Enzyklopädisten der Zeit.

„Strumpfwirkerei“ lautet der Titel eines Blattes aus dem Jahr 1772. Foto: Museum Schloss Rheydt

Mehr als 70.000 Artikel haben die Männer, darunter Autoren wie Voltaire oder Rousseau, in ihrem Lexikon aufgeführt. Zwischen 1782 und 1832 erschienen 166 Bände. Diderots Ziel war, das gesamte Wissen seiner Zeit zu versammeln. Anatomie, Architektur, Ruinen, Wissenschaft – alles konnte man dort finden. Eine Enzyklopädie war im Zeitalter der Aufklärung ein Mittel der Wissensvermittlung.

Die „Strumpfwirkerei“ ist ein zweigeteiltes Blatt. In der oberen Hälfte erkennt der Betrachter die Werkstatt. Darunter ist das Gerät für die Strumpfwirkerei aufgeführt, exakt mit Bemaßungen und der genauen Bezeichnung der einzelnen Elemente, wie eine Bauanleitung.

Wie sich Männer und Frauen international kleiden – das kann der Interessierte heutzutage in Modezeitschriften nachlesen. Die gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Vor 250 Jahren aber musste man sich mit der Fachliteratur begnügen. Wie beispielsweise dem Werk über „Die Moden der verschiedenen Völker dieser Welt“, das der Sammler Jean Jacques Boissard herausgab. Anders als heute gab es eine sehr klare Kleiderordnung, an der man den Stand einer Frau und eines Mannes ablesen konnte. Der 20,2 cm x 30,1, cm große Kupferstich „Venezianische Frauen“ von 1581 zeigt, wie sich eine frisch Verheiratete, eine Adlige oder eine Kurtisane, wie es die Inschriften erklären, kleideten. Deutlich zu erkennen sind der obligatorische Kopfschmuck, der betonende Kragen, die Pracht der ausladenden, reich bestickten Roben.

Die italienische Mode war in der Renaissance tonangebend, da Städte wie Mailand, Florenz und Venedig wichtige Handelsumschlagplätze für die Welt waren. Die „Strumpfwirkerei“ und die „Venezianischen Frauen“ bestechen durch ihren Anspruch, mit der größtmöglichen Detailgenauigkeit Wissen und Information zu vermitteln.