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"Das Tagebuch der Anne Frank" im Theater Mönchengladbach

Mönchengladbach : Anne Frank auf der Studiobühne

Die Schauspielerin Vera Maria Schmidt lässt das jüdische Mädchen lebendig werden – mit all seinen Hoffnungen, Sehnsüchten und Ängsten. Das Stück adaptiert Teile des berühmten Tagebuchs, dazu kommt Musik als Seelenwärmer.

Am 12. Juni 1942 bekommt Anne Frank von ihrem Vater ein kleines, in rotweißen Stoff eingebundenes Poesiealbum geschenkt. An diesem Tag wird sie 13 Jahre alt. Und sie macht ihren ersten Eintrag in das Büchlein, das sie in den nächsten zwei Jahren – bis zum 1. August 1944 – als Tagebuch benutzen wird. Sie schreibt, sie habe eigentlich alles, was ein Mädchen in ihrem Alter sich wünschen könne, es fehle aber die beste Freundin, mit der sie alles besprechen, der sie alles anvertrauen kann. Das Tagebuch wird zu dieser Freundin. Anne nennt es Kitty.

Anne Frank ist ein deutsch-jüdisches Mädchen, das 1934 mit den Eltern und der Schwester Margot in die Niederlande auswandert, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Am 10. Mai 1940 besetzt die deutsche Wehrmacht die Niederlande, die jüdische Familie Frank versteckt sich im Hinterhaus an der Prinsengracht 263 in Amsterdam.

Der Regisseur Ulrich Cyran hatte die Bühnenfassung bereits für die Burgfestspiele Bad Vilbel inszeniert. Jetzt bringt er das Monodrama ins Theater an der Odenkirchener Straße. Vera Maria Schmidt, seit der Spielzeit 2017/2018 festes Ensemblemitglied, spielt Anne Frank. Ulrich Cyrus konkretisisert: „Sie nähert sich der Figur Anne, sie lässt Anne auf der Bühne lebendig werden.“ Er habe die für ihn interessantesten Passagen des Tagebuchs ausgewählt. „Anne Frank schreibt brillant. Sie ist in der Lage, die angespannte Stimmung im Hinterhaus spürbar werden zu lassen.“ In den Tagebuchaufzeichnungen geht es um die Beziehung zu den anderen Eingeschlossenen – acht Personen leben auf engstem Raum. Anne Frank setzt sich offen und detailliert mit ihrer Sexualität auseinander. Und sie schreibt von ihrer Sehnsucht, Schriftstellerin werden zu wollen. „Trotz aller Einschränkungen in der Gefangenschaft scheint dieses Mädchen voller Lebenslust und Lebendigkeit gewesen zu sein“, sagt Cyrus.

Vera Maria Schmidt hat die Anne Frank 2017 in Bad Vilbel in der Inszenierung von Ulrich Cyran gespielt. Und für die Ausstattung hatte dort Dorothea Mines gesorgt. Sie gehört zum Trio, das nun in Mönchengladbach aktiv ist. Für die Dramaturgie ist Thomas Blockhaus verantwortlich. Und dann ist da noch die Musik – als Seelenwärmer. Da kommt der Künstler, Pianist und Komponist Clemens Gutjahr ins Spiel. Das Stück ist durchsetzt mit Musik. Vera Maria Schmidt begleitet sich selbst auf dem Akkordeon, wenn sie von Zupfgeigenhansel das Lied „Tsen brider“ singt. Clemens Gutjahr begleitet die Schauspielerin, wenn sie „Mir geht’s gut“ von Heinz Rühmann oder „Weil ich ein Mädchen bin“ von Lucilectric singt.

Dramaturg Thomas Blockhaus ist sichtlich angerührt von dem berühmten Tagebuch. „Anne Franks Aufzeichnungen sind sehr bewegend, sie lassen uns teilhaben an dem Schicksal der Familie.“ Er hat sich vor Augen geführt, wie sehr die Franks von der Hilfe der Freunde abhängig waren, die sie mit allem versorgen mussten, was sie zum Leben brauchten. „Da war immer die erdrückende Angst, entdeckt oder verraten zu werden.“

Tatsächlich fliegt das Versteck auf. Im November 1944 werden Anne Frank und ihre Schwester Margot nach Bergen-Belsen deportiert. Beide sterben Ende Februar oder Anfang März 1945 an Typhus und Erschöpfung.