Caféhaus-Geschichten in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Gesammelte Caféhaus-Geschichten

Sabine Schwiers hat sich in Gladbacher Cafés mit bekannten und unbekannteren Menschen getroffen. Sie hat sich ihre Lebensgeschichten erzählen lassen und sie aufgeschrieben. Jetzt sind die Aufzeichnungen in einem Buch erschienen.

Rheindahlens Kantor Reinhold Richter hat ihr gestanden, dass er ein ziemlich schlechter Schüler war. Der Kabarettist Markus von Hagen auch. Der Schauspieler und Moderator Torsten „Knippi“ Knippertz hat davon berichtet, wie er in seiner Zeit bei Radio Köln allen Ernstes von seiner Chefin gefragt wurde, ob er nicht Stadionsprecher in Köln werden wolle. „Nein“, habe er geantwortet, „es gibt Sachen, die macht man einfach nicht.“ Später wurde er – aber das weiß ja jeder – Stadionsprecher in Mönchengladbach. Helga und Walter Scheer, die seit 45 Jahren in Mönchengladbach wohnen, haben sich an den Mauerbau in ihrer Geburtsstadt Berlin erinnert, Hartmut Schröder an seine Flucht aus der DDR und Walter Lennarz an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Und der Polizist Mario Eckartz hat ihr verraten, dass Ballauf und Schenk sein Lieblings-Duo beim „Tatort“ ist.

Die Gladbacher Autorin und „bekennende Caféhaus-Gängerin“ Sabine Schwiers hat in „Mones Café Herzlich“ in Rheindahlen, im „Lax Legere“ an der Wallstraße und im „LouLous“ in Rheydt Gespräche geführt. Die hat sie aufgesaugt, aufgenommen und aufgeschrieben. „Ich sitze unheimlich gerne im Café. Dann beobachte ich die Menschen, sehe, wie sie reden, lachen oder lesen“, sagt sie. „Und dann frage ich mich, worüber sie sprechen oder was sie denken.“ So kam sie auf die Idee, sich einzumischen und die Geschichten der Café-Besucher niederzuschreiben. 27 Menschen – inklusive der Caféhaus-Betreiberinnen Simone Kaisers, Daniela Pierzchala und Daniela Marischen – haben sich darauf eingelassen. Sie finden sich wieder in dem soeben vom B. Kühlen-Verlag erschienenen Buch „Mokka und Melange – Mönchengladbacher Caféhaus-Gespräche“. Es sind bekannte und weniger bekannte Gesprächspartner, mit denen sie sich verabredete, um etwas über ihr Leben, ihre Gefühle und Gedanken zu erfahren. „Ich wünsche mir, dass die Leser mit uns im Café sitzen und zuhören“, sagt die Autorin. Das dürfte tatsächlich gelingen, so nah, wie die Geschichten geschrieben sind.

Anderthalb Jahre haben die Vorbereitung und die Niederschrift der vielen Gespräche gedauert. „Ich habe meinen Gesprächspartnern natürlich die Texte jeweils vorgelegt, bevor sie in den Druck gehen konnten“, sagt Sabine Schwiers. Witzig und ernst waren die Begegnungen, manche habe die Autorin nachdenklich gemacht, andere sind ihr sehr nah gegangen. Etwa die mit Silvia Klinkhamels, die mit ihrer Schwägerin, die zufällig ebenfalls Silvia hieß, Urlaub in Italien machte. Es war eine wunderschöne Woche in einem besonders hübschen Hotel. Auf der Rückfahrt vom Flughafen Frankfurt-Hahn kam es zu einem schrecklichen Autounfall. Silvia Klinkhamels wurde schwer verletzt, musste wochenlang im Krankenhaus behandelt werden – ihre Schwägerin starb. Das Gespräch hat Sabine Schwiers aufgewühlt. Versöhnlich war dann aber der Schluss. Da sagte Silvia Klinkhamels: „Man lernt die einfachsten Dinge wieder zu schätzen. Ich nehme alles viel bewusster wahr und bin dafür sehr dankbar.“

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Sabine Schwiers ist eine Geschichten-Sammlerin. Im Kühlen-Verlag hat sie bereits zwei Bände mit Geschichten von Zeitzeugen gefüllt (Gedankensteine I und II). Jetzt also die Caféhaus-Gespräche mit Menschen, die ebenfalls Zeugnis ablegen – über sich selbst, ihr Leben mit allen Irrungen und Wirrungen, Freuden und Leid, über die Lebensumstände. „Die Bandbreite ist einfach riesig“, sagt Sabine Schwiers, „und jeder einzelne Gesprächspartner war spannend.“ So wie sie die Geschichte aufgesaugt hat, wünscht sie es sich auch von ihren Lesern. „Ich finde es sehr bereichernd für das eigene Leben, wenn man in die von anderen hineinsehen darf.“

Sabine Schwiers wird in den drei Cafés, in denen sie die Begegnungen hatte, aus ihrem Buch lesen.

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