1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Thomas Manglitz Und Stephan Lenzen: Den Zoch zu übertragen, wäre ein Traum

Thomas Manglitz Und Stephan Lenzen : Den Zoch zu übertragen, wäre ein Traum

City-Vision-Geschäftsführer Thomas Manglitz und Redaktionsleiter Stephan Lenzen erklären, was die Mönchengladbacher sehen wollen, wie lange sie zuschauen und warum Borussia gegen das Wetter keine Chance hat.

Letzte Woche haben Sie mit City-Vision die Schallmauer von 1000 Sendungen geknackt. Was hat sich seit der ersten Sendung verändert?

Lenzen Wir haben am Anfang etwas gebraucht, um zu verstehen, was die Leute sehen wollen. Wir haben bestimmt ein Jahr lang herumprobiert, inzwischen haben wir eine ganz gute Mischung gefunden.

Was wollen die Leute denn sehen?

Lenzen Die Zuschauer wollen Kommunalpolitik, Infotainment und natürlich auch wissen, wie das Wetter wird. Wir sind kein Nachrichtensender, wir sind ein Sender, der Infotainment macht.

Also Informationsfernsehen, das gleichzeitig unterhält.

Lenzen Genau. Wir wollten von Anfang an mit unseren Sendungen auch ein junges Publikum erreichen. Wir bieten daher mit Musikformaten wie "Backstage" oder unserer Modesendung auch junge Themen an.

Manglitz Als wir "Backstage" eingeführt haben, mussten wir die jungen Bands aus der Stadt fragen. Inzwischen kommen sie von selbst auf uns zu.

Lenzen Bis Mai ist unsere Sendung sogar ausgebucht.

Den Zuschauern scheint Ihr Programm zu gefallen. Die Hochschule Niederrhein hat bislang zwei Erhebungen zu den Einschaltquoten von City-Vision gemacht. Beim ersten Mal haben 22 000 Zuschauer täglich eingeschaltet, zuletzt sogar 52 000 Menschen. Zufrieden?

  • So war es im Achtelfinale: Borussias
    City gegen Chelsea : Der Borussia-Faktor im englischen Champions-League-Endspiel
  • Max Eberl und Hans Meyer.
    Nach dem 0:6 bei den Bayern : Hans Meyer erklärt, warum Borussia in dieser Saison Probleme hat
  • Ein Unfall mit Motorradbeteiligung auf der
    Sorge vor Motorrad-Unfällen am Feiertag : „Biker sollten sich immer ihrer Verletzlichkeit bewusst sein“

Manglitz Die erste Umfrage beschränkte sich nur auf Mönchengladbach und Rheydt. Unser Sendegebiet geht allerdings über die Stadtgrenzen hinaus, bis nach Nettetal, Krefeld oder auch Erkelenz.

Wie viele Zuschauer erreichen Sie damit insgesamt?

Manglitz Theoretisch könnten uns 223 000 Kabelhaushalte, also rund 500 000 Menschen, empfangen. Bei der zweiten Erhebung wurden Haushalte in Krefeld und Mönchengladbach befragt. Die Zahl 52 000 ist natürlich sensationell — und gleichzeitig repräsentativ.

Eine Zahl, die vor allem für Werbekunden interessant sein dürfte.

Manglitz Für die ist auch die Sehdauer wichtig. Bei der ersten Erhebung lag sie bei 16 Minuten. Jetzt sind wir sogar schon bei 24 Minuten im Durchschnitt. Das heißt, die Leute gucken fast alle komplett unsere Sendung.

Dabei kann man City-Vision nicht einmal über Satellit empfangen. Warum eigentlich nicht?

Manglitz Das ist für einen kleinen Lokalsender einfach viel zu teuer.

Also gibt es nur die Möglichkeit, City-Vision über das Kabelfernsehen zu gucken?

Manglitz Es gibt viele Möglichkeiten, uns zu sehen. Wir sind von Hause aus ein Kabelsender.

LeNZen Man kann unsere Sendungen aber auch im Internet sehen, sogar über Smartphones und Tablets. Ein ehemaliger Gladbacher sieht uns sogar regelmäßig in Schottland.

Über Ihre Facebook-Seite bekommen Sie Rückmeldungen von Zuschauern und immer mehr Fernseher haben einen Internetanschluss. Wie verändert das Netz das Fernsehen?

Manglitz Viele Zuschauer schlagen uns über Facebook Themen vor. Außerdem haben die Zuschauer die Möglichkeit, unsere Beiträge auch dort zu gucken. Durch die Fernseher mit Internetanschluss wird es bald egal sein, ob wir über Satellit zu empfangen sind. Mit den neuen Geräten können wir über das Internet zu den Zuschauern auf den Fernseher kommen.

Noch sind Kabel und Satellit jedoch deutlich verbreiteter.

Lenzen Natürlich ist die Verbreitung über Satellit ein Traum...

Manglitz ...der sogar Realität werden könnte, wenn man im Senderverbund mit anderen Lokalfernsehsendern einen gemeinsamen sogenannten Transponder belegen könnte. Da sind wir aber von unserer Landesrundfunkmedienanstalt abhängig.

Und die erschwert Ihnen die Kooperation?

Manglitz Obwohl Nordrhein-Westfalen die größte Landesrundfunkmedienanstalt hat, unterstützt sie uns bei Ausbildungsmaßnahmen und Erhebungen, leider aber nicht beim Satellitenfernsehen wie beispielsweise die bayerische. Die Münchner Sender sind alle über Satellit zu empfangen und erhalten viele Fördergelder.

Anders als die öffentlich-rechtlichen Sender bekommen Sie auch keine Gebührengelder. Finanzieren Sie den Betrieb also ausschließlich über Werbeeinnahmen?

Manglitz Wir haben zwei Säulen, zum einen die Werbeeinnahmen und zum anderen eine Produktionsabteilung, mit der wir für unsere Kunden auch die Werbespots produzieren können. Unsere Einnahmen stammen jeweils zur Hälfte aus beiden Bereichen.

Arbeiten Sie denn anders als die großen Sender?

Manglitz Bei uns sieht es aus wie bei einem großen Fernsehsender, nur in klein. Wir können mit unserem Studio und der Technik durchaus mit anderen Sendern mithalten.

LenZen Allerdings besteht unsere gesamte Mannschaft, von der Redaktion bis zur Verwaltung, nur aus 14 Festangestellten. Dadurch müssen wir häufig improvisieren. Wir sind nicht der WDR, der mit drei Leuten bei einem Termin aufkreuzt. Bei uns erledigt die Arbeit ein ausgebildeter VJ, ein Videojournalist, der alles in Personalunion macht: Er dreht, schneidet und spricht die Beiträge komplett selbst.

Trotzdem müssen Sie sich mit den anderen Sendern messen.

Manglitz Das stimmt. Obwohl wir nicht annähernd solche Budgets zur Verfügung haben, werden wir mit anderen Sendern qualitativ verglichen. Da lastet auf uns ein hoher Druck. Andererseits glaube ich, dass wir uns nicht verstecken müssen.

Wie bewältigt man diesen Spagat: Einerseits den Anspruch der Zuschauer zu befriedigen, andererseits nur ein begrenztes Budget zu haben?

Lenzen Wir sind auf Hilfe angewiesen. Für unsere Sendung "Sport kompakt" haben wir beispielsweise Kameras an die Vereine verteilt, die uns mit dem Material beliefern.

Manglitz Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir noch mehr mit Zuschauermaterial machen, das uns zur Verfügung gestellt wird — zum Beispiel Beiträge über spannende Reisen oder Ähnliches.

Was haben Sie sonst noch für Träume, wie soll sich City-Vision weiter entwickeln?

Lenzen Wir haben hin und wieder mal über eine Gladbach-Soap gesprochen — das ist aber momentan nicht realistisch, dafür haben wir nicht genug Kapazitäten. Ein Traum wäre natürlich die Live-Übertragung eines Events, zum Beispiel vom Veilchendienstagszug...

Manglitz ... wobei man immer gucken muss, ob sich das rechnet.

Wäre auch die Übertragung eines Borussia-Spiels so ein Traum?

Manglitz Nein, das werden wir wohl nicht zeigen können, nicht mal ein Freundschaftsspiel.

LenZen Allerdings ermöglicht Borussia uns schon eine Menge. Abgesehen vom Training oder O-Tönen von den Spielern, dürfen wir sehr viel hinter den Kulissen machen und wir bekommen immer wieder Spieler, die uns im Talk besuchen.

Die Berichterstattung über die Borussia ist vermutlich das Zugpferd des Senders, oder?

Manglitz Erstaunlicherweise lag die Borussia bei der Erhebung der Hochschule Niederrhein nur auf Platz 3 der wichtigsten Themen für die Zuschauer, noch hinter den Lokalnachrichten. Interessanterweise hat den höchsten Stellenwert bei den Zuschauern das Wetter.

Florian Rinke und Dieter Weber führten das Gespräch

(RP)