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Tenniswelt gerät wegen Corona in Unordnung

Tennis : Tenniswelt gerät wegen Corona in Unordnung

Die Freiluftsportart verliert in diesen Tagen den Wettkampfcharakter. Kontakt-Regeln der Kommunen erschweren die Medenspiele. Auch deshalb entschließt sich der Tennisverband Niederrhein für eine Übergangssaison, in der es nur Aufsteiger gibt.

Als nach den ersten Lockerungsmaßnahmen des Landes NRW in der Corona-Krise die Tennissportler wieder auf den Ascheplätzen loslegen durften, war die Freude groß. Zumal es eine Sportart ist, in der Abstand halten einfacher ist als bei sogenannten Kontaktsportarten wie Handball oder Fußball. Mit dem Neustart kam zugleich die Hoffnung auf, die Sommer-Medenspiele mit Verspätung durchführen zu können.

Inzwischen ist die Freude in den Vereinen jedoch der Ernüchterung gewichen. Der Grund: Viele Kommunen machen den Anhängern der gelben Filzkugel das Leben trotz Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln schwer, weil sie entgegen der Ankündigung von NRW-Staatssekretärin Andrea Milz zum Beispiel das Doppelspielen untersagen oder nur mit Mundschutz erlauben. Die Antwort auf eine entsprechende Anfrage des Tennisverbandes Niederrhein bei der Staatssekretärin: „Tennissport ist auch in seinen Disziplinen Doppel und Mixed als kontaktfreier Sport zu werten und grundsätzlich erlaubt unter Einhaltung der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen, insbesondere unter Einhaltung der Abstandsregel von 1,5 Metern.“ Allerdings sind „Ordnungsämter oder Kommunen nicht dazu verpflichtet, den Vorgaben/Rahmensetzungen von Seiten des Landes Folge zu leisten und bleiben frei in der Entscheidung, ob Doppel erlaubt sind“. Die Folge: Der Tennisverband Niederrhein beklagt einen Flickenteppich in Nordrhein-Westfalen und gibt täglich eine aktualisierte Liste über die Vorgaben in den einzelnen Städten seines Verbreitungsgebietes heraus.

Immerhin ist seit einer Woche auf den Tennisplätzen wieder Training erlaubt. Auch Christian Hohnhold atmet deshalb auf. „Es ist schon eine Befreiung für viele. Der Spaß ist wieder da, wenn man mit anderen Sport machen kann“, gesteht der Sportwart des TC Stadtwald. Zugleich berichtet er: „Auch im Training ist die Abstandsregel zu beachten und es gibt keine Doppel-Matches.“ Auf dem Platz kreuz und quer laufen wie in einem Turnierspiel ist aktuell noch nicht möglich, doch Hohnhold lobt die Mitglieder des TC Stadtwald: „99 Prozent der Leute halten sich an die Regeln.“ Tennis in Corona-Zeiten ist eben auch eine Frage der Disziplin.

Der TVN stuft die Sommerrunde inzwischen als eine Übergangssaison ein, die am 9. Juni beginnen soll und sich in diesem Jahr bis in den September ziehen wird. Für die Damenmannschaft des TC Stadtwald, die in der Niederrheinliga antritt, vereinfacht das die Medenspiele. „Wir können nicht absteigen, haben unser Ziel also schon erreicht“, sagt Hohnhold und lacht. Ob es durch die Corona-Krise vielleicht eine Aufstiegschance gibt, hängt davon an, wie viele Mannschaften sich vom Spielbetrieb abmelden, denn zumindestens die Meister und Aufsteiger in den einzelnen Ligen werden ausgespielt. Derweil behalten selbst abgemeldete Mannschaften ihre Ligazugehörigkeit für die kommende Saison.

„Das ist nicht der Wettbewerb, den man kennt“, stellt Hohnhold fest. Zugleich bricht er eine Lanze für den TVN: „Es ist wirklich schwierig für den Verband, die richtige Entscheidung zu treffen. Viele fühlen sich auch unwohl mit Blick auf das Umkleiden nach dem Spiel und das gemeinsame Essen. Das Gros sind ja Hobbyspieler.“ Und bei Auswärtspartien kommt die Frage auf: Mit wie vielen Autos kann ich dahin fahren? „Das ist eine komplett neue Planung. Und je mehr Mannschaften sich abmelden, desto mehr muss der Verband umplanen“, erklärt Hohnhold. Der Sportwart des TC Stadtwald berichtet für seinen Verein: „Sechs von 25 Mannschaften im Erwachsenenbereich haben sich abgemeldet. Die höheren Klassen werden aber komplett antreten.“

Ein wesentlicher Grund für den Rückzug vieler Teams ist wohl auch die späte Terminierung der Medenspiele. „Normal wären sie Anfang der Schulferien zu Ende gewesen“, bestätigt Hohnhold. Auch die Damenmannschaft des TC Stadtwald könnte deshalb in personelle Not kommen, da gleich fünf Spielerinnen in den USA studieren und, wenn alles wie geplant läuft, im August wieder ans College zurückkehren. Vielversprechende Talente aus der Zweiten sollen dann eine Bewährungschance im Niederrheinliga-Team erhalten.

Trotz aller Tennis-Erfahrung: Auch für Christian Hohnhold ist die Situation neu. „Das habe ich noch nie erlebt. Ich habe gedacht, die Saison wird einfach abgesagt“, erklärt er. Das Damen-Team will nun das Beste aus der Corona-Krise machen. „Sie sollen versuchen, möglichst gut zu spielen, immerhin geht es ja auch um Leistungsklassenpunkte. Und gerade die Spielerinnen, die wieder ans College gehen, können Praxis sammeln, damit sie im Uni-Tennis wieder gut ankommen.“