1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann
  4. Lokalsport

Trotz Corona ist Schwimmen lernen wichtig

Schwimmen : Trotz Corona ist Schwimmen lernen wichtig

Ertrinken zählt zu den häufigsten Todesursachen im Kindesalter. Das Haaner Institut Theraqua.med will bald wieder Kurse anbieten. Zunächst mit ganz kleinen Teilnehmergruppen – in der Hoffnung, dass es nach den Sommerferien wieder mehr Möglichkeiten gibt.

Das Land NRW gibt den Sportlern einen genauen Plan vor, wann weitere Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Krise geplant sind. Ende Mai sollen auch die Hallenbäder wieder öffnen können. Ein Termin den Tina Leis herbeisehnt. „Pfingsten zu öffnen, macht für uns noch keinen Sinn, aber wir wollen am 2. Juni mit einer ganz kleinen Zahl von Teilnehmern starten“, sagt die Inhaberin des auf Training im Wasser, auf Wassertherapie und Kinderschwimmen spezialisierten Sportinstitutes Theraqua.med in Haan. Nehmen normalerweise acht bis zehn Kinder an einem Kurs teil, sollen es in der Anfangszeit nur die Hälfte sein. „Wenn überhaupt“, sagt Leis. Zugleich hebt sie das Positive am Schwimmtraining in der Corona-Zeit hervor: „Das Chlor deaktiviert den Virus, es passiert also nichts, wenn man direkt im Wasser ist.“ Bei normaler Dosierung soll sich auch der potentielle Virenanteil in der Luft reduzieren.

Die Trainer sollen vom Beckenrand aus die Kinder anleiten. Außerhalb des Beckens soll dann ein von Hygieneexperten entwickeltes Konzept greifen. „Die Teilnehmer werden zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedliche Duschen mit genügend Abstand geschickt. Dementsprechend entschlackt sich auch die Nutzung der Umkleiden, so dass eine Unterschreitung eines Abstandes von circa 1,5 Metern ausgeschlossen ist.“ Die andere Möglichkeit: „Die Eltern rubbeln die Kinder mit dem Handtuch ab, um sie abzutrocknen und gehen dann mit ihnen nach Hause – in Krisenzeiten geht alles“, stellt Leis fest, die in den vergangenen Wochen „literweise Hygienemittel zur Desinfektion inclusive neuer Spender“ bestellte, Begrenzungen klebte und eine Acrylglasscheibe im Anmeldungsbereich installierte.

Nicht nur für das Theraqua.med sind die Folgen der Corona-Krise existentiell, sondern auch für die Entwicklung der Kinder. Denn Ertrinken zählt zu den häufigsten Todesursachen bei Unfällen von ein- bis fünfjährigen Kindern, bei Fünf- bis Zehnjährigen ist es die zweithäufigste, berichtet Tina Leis. Um so wichtiger sind daher Kurse im Kleinkinder- und Babyschwimmen, damit der Nachwuchs schon früh lernt, „den Kopf über Wasser zu halten“. Zumal das Element Wasser eine große Anziehungskraft auf Kinder hat.

„Mehr als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in NRW sind immer noch Nichtschwimmer“, konstatiert der Schwimmverband und betont: „Schwimmen ist ein wichtiges Kulturgut in unserer globalen Gesellschaft und verbindet Generationen. Die Sportart Schwimmen ist für alle Altersklassen geeignet. Sie wirkt sich nicht nur positiv auf die Gesundheit aus, sondern fördert auch die Bereitschaft zu mehr Kommunikation, Rücksichtnahme sowie Toleranz untereinander – und sie rettet Leben.“ Zwar erwerben in NRW immer mehr Kinder das Seepferdchen-Abzeichen, sichere Schwimmer sind sie deshalb aber noch lange nicht“, warnt der Verband und erklärt: Spaß und Freude an der Bewegung im Wasser gehören genauso dazu wie das richtige Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen im, am und unter Wasser.“

Es gibt also viele Gründe, Kinder unter Anleitung das Schwimmen lernen zu lassen und dabei nicht nur auf den normalen Sportunterricht in der Schule zu vertrauen. Doch die Corona-Krise bringt private Schwimmschulen in Existenznot. „In unserem Bereich fallen nicht nur Miet-, Pacht- und Energiekosten an, sondern auch die Kosten für das Wasser, das wir nicht ablassen können, da ansonsten die Gefahr besteht, dass über den fehlenden Druck die Kacheln von den Wänden fallen“, erzählt Tina Leis. In der Corona-Krise entstanden daher neue Ideen. „Wir haben schon überlegt, das Schwimmbecken an zwei Familien mit Kindern, also zwei Haushalte, zu vermieten“, lässt die Diplomsportwissenschaftlerin an ihren Gedanken teilhaben und führt weiter aus: „Wir müssen vielleicht neue Wege gehen mit kleinen Gruppen, in zwei bis dreiwöchigen Kompaktkursen für zwei bis vier Kinder den Unterricht exquisit gestalten.“ Denn die späte Wiedereröffnung der Hallenbäder bringt die Mitarbeiter des Theraqua.med nicht nur finanziell in Bedrängnis, sondern auch in Terminnot. „Da Ende Juni bereits die Schulferien beginnen, können wir keine zehnwöchigen Kurse mehr anbieten“, erläutert Leis und spricht von einem „Riesenproblem“.

Nach den vielen Wochen der Ungewissheit freut sich Tina Leis jetzt erst einmal auf die Wiedereröffnung. Bei allen Schwierigkeiten ist zudem Zuversicht zu verspüren. „Im Fitness- und Reha-Bereich findet man immer genügend Leute, es ist aber sehr schwer, Schwimmlehrer zu finden“, sagt sie und schiebt dann mit eine Lächeln hinterher: „Wenn Sie jemanden kennen – den stellte ich sofort ein.“ Angesichts der Aussicht, bald wieder regulär arbeiten zu dürfen, wächst auch die Tatkraft.