Fußball: Auslosung des Hallenmasters ist perfekt

Fußball : Auslosung des Hallenmasters ist perfekt

Die 18. Auflage der Hildener Hallenfußball-Stadtmeisterschaft steigt am 12. Januar in der Bandsbusch-Halle. Gestern übernahm U 20-Weltmeisterin Marith Prießen vom Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen die Rolle der Glücksfee.

Für die meisten Amateur-Fußballer begann am Wochenende die Winterpause. Einzig die Kicker des VfB 03 müssen am Sonntag in der Oberliga noch eine Begegnung absolvieren. Dann können auch sie sich auf die besinnlichen Weihnachtstage und den Jahreswechsel vorbereiten. Spätestens in fünf Wochen rollt das Leder aber wieder. Denn am 12. Januar steigt die Hildener Fußball-Stadtmeisterschaft in der Halle am Bandsbusch. Mit der Auslosung gestern Nachmittag begann die Vorfreude auf den Budenzauber, der alle Jahre wieder die Fans in der Itterstadt in den Bann zieht – eine volle Tribüne ist garantiert. Für Holger Reinders ist das eine ganz neue Erfahrung. Denn der 2. Vorsitzende des Oberligisten VfB 03 gesteht: "Ich war noch nie dabei." Immerhin erkannte Reinders bereits die Bedeutung der innerstädtischen Veranstaltung – und hielt sich den Sonntag im Januar terminfrei.

Traditionell ging der Griff in die Lostrommel in prominenter Begleitung über die Bühne. Diesmal fungierte Marith Prießen als Glücksfee. Die Defensivkraft des Frauen-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen gewann 2010 mit der Deutschen U 20-Nationalmeisterschaft die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Ihre fußballerische Karriere begann die aktuelle U 23-Nationalspielerin 2003 beim TSV Wachtendonk. Ursprünglich lag eine sportliche Laufbahn auf dem Pferderücken nahe, denn ihre Eltern betreiben eine Reitanlage, die zurzeit 45 Pferde beherbergt. "In der Schule war ich aber schwer zu bändigen, deshalb meinte meine Mutter, ein Mannschaftssport würde mir gut tun", plauderte die 22Jährige locker aus dem Nähkästchen.

Weil ihr zwei Jahre älterer Bruder Fußball spielte, versuchte sie es einfach damit. "Mit zwölf Jahren musste ich mich dann zwischen Reitsport und Fußball entscheiden, weil ich viermal die Woche nach Duisburg fahren musste", berichtet sie. Letztlich legte sie den Fokus auf den Fußball – längst hatte sie ihr Herz daran verloren. "Es ist schöner, gemeinsam Siege zu feiern", sagt sie mit einem Lächeln.

In den Anfängen spielte Marith Prießen vornehmlich mit Jungen. Die kannte sie bereits von der Schule. "Fast alle Jungen in meiner Klasse waren auch im Verein", erzählt sie. Probleme, Anerkennung zu finden, gab es keine. "Meistens wurde ich als erste gewählt", berichtet sie schmunzelnd.

2006 schaffte Prießen mit der Frauenmannschaft des FCR Duisburg den Aufstieg in die 2. Bundesliga und feierte in der gleichen Saison die Deutsche Meisterschaft mit den B-Juniorinnen. Seit 2007 steht die 22-Jährige beim Frauen-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag. Mit dem sportlichen Engagement war auch eine Ausbildung bei der Bayer AG verbunden. "Das Gesamtpaket stimmte", betont die U 23-Nationalspielerin, die 2010 ihr Abitur baute und inzwischen ihren Abschluss als Bürokauffrau in der Tasche hat. Für das Training morgens und abends bekam sie frei, von 11 bis 16 Uhr arbeitete sie. Jetzt möchte sich Prießen zunächst einmal auf den Fußball konzentrieren, doch die weiteren beruflichen Pläne stehen bereits fest. "Im nächsten Jahr will ich studieren – BWL oder Wirtschaftsrecht", hat sie konkrete Vorstellungen über ihren weiteren Werdegang. Und auch sportlich hat die Abwehrspielerin hohe Ziele. Nach den Auftritten in den verschiedenen Jugend-Auswahlen will sie nun den Sprung in die Frauen-Nationalmannschaft schaffen. Und für später ist ein Abstecher ins Ausland nicht ausgeschlossen. "Liverpool hat schon einmal angefragt", gesteht sie. Doch Marith Prießen weiß, was sie an Bayer 04 Leverkusen hat. Nicht nur fußballerisch, sondern auch mit Blick auf das Leben nach dem Sport.

Die 22-Jährige, die auf einem Pferdehof in Wachtendonk aufwuchs, beweist bei allen bisherigen Erfolgen eine natürliche Bodenständigkeit. Und verschafft sich auch heute noch Respekt beim männlichen Geschlecht. "Wie oft können Sie denn den Ball hochhalten", fragt Reinhard Gatzke, denn der Hildener Sportdezernent ist selbst leidenschaftlicher Fußballer. "Ich habe es mal eine halbe Stunde lang geschafft – das waren über 1000 Mal", antwortet sie. Und fügt trocken hinzu: "Nach einer Zeit wird mir das immer langweilig, deshalb mache ich das nicht so gerne." Gatzke vernahm es staunend.

(RP)