Fußball: Abstieg des ASV Mettmann hat viele Gründe

Fußball : Abstieg des ASV Mettmann hat viele Gründe

Nach nur zwei Jahren in der Fußball-Landesliga muss der Klub einen Neuanfang starten - und steht in der Bezirksliga vor einem totalen Umbruch. Während Trainer Maik Franke bleibt, dreht sich das Spielerkarussell.

Die wichtigste Frage aber ist: Wer wird neuer Sportlicher Leiter?

Der Sportliche Leiter Michael Kirschner ging vorzeitig nach Velbert. Foto: Ar/dj

Was war das vor fast genau zwei Jahren ein Riesenjubel auf der Waldkampfbahn des FSV Vohwinkel. Damals siegte der ASV Mettmann mit 2:1 beim direkten Konkurrenten und erstmals seit rund 25 Jahren stieg ein Mettmanner Fußballverein wieder in die Landesliga auf. Ziel war es damals, sich dauerhaft in dieser Spielklasse zu etablieren. Am vergangenen Sonntag ging durch eine 2:3-Heimniederlage gegen den VSF Amern diese kurze Ära bereits zu Ende. In Zukunft gehört der ASV Mettmann wieder der Bezirksliga an.

Meher Siala brachte die Chefcoach-Rolle kein Glück. Foto: Archiv/Janicki

"Ich war nach dem Abstieg unheimlich traurig und konnte die folgende Nacht kaum schlafen", machte Musa Ibis deutlich, wie weh ihm der Abstieg tat. Der frühere langjährige Vorsitzende und derzeitige Hauptsponsor hätte niemals mit dem Abstieg gerechnet. Er gehörte schließlich vor der Saison zu denjenigen, die die Zielvorgabe - ein Platz unter den ersten fünf der Tabelle - mitformulierten. "Wir hatten ja auch einen guten Kader zusammengestellt, der auf ein gutes Abschneiden hoffen ließ", erklärt Ibis. Dann sei im Laufe der Saison vieles nicht so gelaufen, wie es hätte sein müssen. "Wir hatten viel Verletzungspech und in einer Reihe von Spielen verloren wir in der Schlussphase wichtige Punkte." Exemplarisch nennt er die Begegnung gegen den FC Remscheid, als die Mettmanner bis zur 75. Minute mit 3:0 führten und dann nur 3:3 spielten. "Durch Unkonzentriertheit im Abwehrverhalten und mangelnde Chancenverwertung standen wir uns oft selbst im Weg", nannte er wichtige Gründe für die schwachen Auftritte, die sich die gesamte Saison durchzogen."

Den Trainerwechsel im Oktober, als zunächst Michael Kirschner und dann Maik Franke das Ruder von Chef-Coach Meher Siala übernahmen, hält er noch heute für richtig. "Da war ich noch Vorsitzender und stehe zu dieser Entscheidung, wobei ich betone, dass das schwache Abschneiden sicherlich nicht nur auf Meher Siala zurückzuführen ist, der ehrgeizig war und eigentlich einen guten Job gemacht hatte." Ibis erinnert daran, dass in der Folge Maik Franke einige Spiele hintereinander gewann.

Maik Frey, die graue Eminenz des ASV und im Hintergrund immer noch ein wichtiger Ratgeber für den Vorstand, nennt seine Gründe, die zum Abstieg geführt haben: "Es war im Umfeld immer eine Unruhe, die dem Verein nicht gut tat. Vor allem zwischen Vorstand und dem damaligen Sportlichen Leiter, Michael Kirschner, stimmte die Chemie nicht mehr. Das ging nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. Auch der Vorstandswechsel mit dem Rückzug von Musa Ibis und Seyfettin Özlük aus der vordersten Reihe kam meines Erachtens zur Unzeit." Er kritisiert vor allem die Entscheidung Kirschners, in der Endphase der Meisterschaft den Klub in Richtung TVD Velbert zu verlassen. "Ich habe mich immer gut mit Michael verstanden, doch diesen Weggang konnte ich nicht nachvollziehen. Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte er nicht wählen können."

Auch Musa Ibis fand den Zeitpunkt für den Wechsel Kirschners recht befremdlich, zeigt aber in gewisser Weise Verständnis. "Die Arbeit beim finanzkräftigen und ambitionierten Landesliga-Aufsteiger TVD ist sicherlich sehr reizvoll für den erfolgsorientierten Michael Kirschner, der als unser Trainer immerhin zweimal aufgestiegen ist und die Mannschaft von der Kreisliga A bis in die Landesliga geführt hat. Ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass er bis zum Saisonende bei uns geblieben wäre."

Trainer Maik Franke vermisste in den vergangenen Wochen ebenfalls den Sportlichen Leiter, der ihn schließlich zum ASV geholt hatte. Den Abstieg bringt er aber mit anderen Gründen in Verbindung. "In dieser Mannschaft waren überwiegend Einzelkämpfer. Da gab es kaum ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Zumeist nur in einzelnen Grüppchen wurde miteinander kommuniziert. Von Kameradschaft und einem Teamgeist, was für den sportlichen Erfolg dringend gebraucht wird, konnte keine Rede sein", bringt er die Dinge ungeschminkt auf den Tisch. Das Ergebnis sehe man zum Saisonende. "Uns werden wohl 14 Spieler verlassen. Wir stehen vor einem kompletten Umbruch. Wir werden zwar auch Neuzugänge haben, doch kann die kommende Spielzeit in der Bezirksliga nur der Konsolidierung dienen, um dann später wieder höhere Ziele zu formulieren."

Maik Franke wird als Trainer an Bord bleiben. Musa Ibis versicherte, dass er weiterhin im bisherigen Umfang den Verein finanziell unterstützt. Ziel des Vorstandes ist es, einen neuen Sportlichen Leiter zu verpflichten. "Der neue Vorstand führt entsprechende Gespräche. Zu den heißen Kandidaten gehört auch ein Duo mit Thomas Zelles und Dennis Rossow", verrät Ibis. Dies wäre sicherlich eine sehr gute Lösung, denn die beiden Ex-Oberliga-Spieler kennen den ASV Mettmann und die regionale Fußballszene aus dem Effeff. Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise des ASV Mettmann führt. Es dauert hoffentlich nicht erneut 25 Jahre, ehe die Kreisstadt Mettmann wieder über einen Fußball-Landesligisten verfügt.

(klm)
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