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Meerbusch: Wo die Meerbuscher wütend sind

Meerbusch : Wo die Meerbuscher wütend sind

Fluglärm, Müll und Raser — auf der Internetseite "wutpunkte.de" können Bürger eintragen, was sie in ihrer Stadt ärgert. Meerbusch hat gut ein Dutzend Wutpunkte — und das ist auch der Stadtverwaltung nicht entgangen

Oft sind es nicht die großen Katastrophen, die uns zur Weißglut treiben, sondern kleine Ärgernisse im Alltag: die Schranke, die immer schon unten ist, wenn der Zug noch gefühlte 100 Kilometer entfernt ist, die Müllcontainer an der Straßenecke, die immer überfüllt sind, oder die lauten Flugzeuge, die täglich das eigene Wohnhaus überfliegen.

Gesammelt werden all diese Ärgernisse jetzt auf der Internetseite "wutpunkte.de". Auf einer Karte können Bürger dort eintragen, an welchen Orten in ihrer Stadt Missstände herrschen. Entwickelt haben die Website drei Studenten aus Viersen. Und auch im Meerbuscher Stadtgebiet wurden schon einige Wutpunkte verzeichnet.

"Die Idee zu den Wutpunkten ist uns während des ersten Blitzmarathons in NRW gekommen. Da konnten Bürger ja Vorschläge einreichen, wo besonders schnell gefahren wird. Wir wollten dieses System dann ausweiten", erzählt Alexander Braden, Mitbegründer der Plattform. Wutpunkte – das klingt doch irgendwie auch ein bisschen wie Wutbürger. Geht es also auf der Plattform nur darum, seinem Ärger freien Lauf zu lassen? Nicht ganz. "Wir wollen eben nicht dieses klassische Wutbürgertum fördern, sondern, dass sich die Betroffenen auch austauschen, Verbesserungsvorschläge machen oder einander Tipps geben, wie man zum Beispiel mit Fluglärm über dem eigenen Haus umgehen kann", sagt Braden.

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Und auch Kommunen und Städte wolle man miteinbeziehen: Sie sollen eigene Profile auf "wutpunkte.de" bekommen, in denen sie einsehen können, welche Probleme es vor der eigenen Haustür gibt. "Sie können dann vielleicht an der ein oder anderen Sache etwas ändern", hofft der Wutpunkte-Erfinder

Tatsächlich ist die Internetseite im Meerbuscher Rathaus nicht unbekannt: "Wir wurden von einem Bürger auf einen Wutpunkt am Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich aufmerksam gemacht", sagt Alice Wiegand, Referentin des Bürgermeisters. Dort blockierten vor dem Bürgerbüro Fahrradständer die Rollstuhlrampe. "Das haben wir dann geändert", sagt Wiegand.

Allerdings hält sie die Plattform für wenig sinnvoll: "Sicher ärgert uns als Stadt so eine Seite nicht. Aber wir können sie nicht ständig beobachten und jedem Ärger eines Bürger nachgehen", sagt sie. Viel einfacher sei es, die Bürger wendeten sich direkt an das Rathaus – dann könnten eventuelle Mängel im Stadtbild am schnellsten behoben werden. "Mit einer E-Mail oder einem Anruf an unsere Zentrale wird man immer an die richtige Abteilung weitergeleitet", so Wiegand.

Insgesamt sind die Meerbuscher derzeit über etwa ein Dutzend Zustände in der Stadt verärgert – so viele Orte haben sie auf "wutpunkte.de" markiert. Gleich mehrmals wurde Meerbuschs wohl derzeit meistdiskutiertes Bauvorhaben markiert: der Doppelkonverter in Osterrath. Auf dem Feld am Ingerweg plant der Netzbetreiber Amprion auf einer Fläche von 100 000 Quadratmetern eine Konverteranlage zur Umwandlung von Gleich- und Wechselstrom zu bauen. Zahlreiche Bürger haben dagegen Einspruch erhoben und sich sogar an den Bundespräsidenten gewendet. "Eine Großindustrieanlage gehört nicht in die Nähe eines Wohngebietes", heißt es dazu auf "wutpunkte.de".

Ebenfalls ein Ärgernis: die Römerstraße in Büderich. Laut dem Wutpunkt-Setzer wird die Straße ab der Ecke Von-Bodelschwingh-Straße gerne mal als Rennstrecke von Autos genutzt – mit bis zu 70 Kilometern pro Stunde. Überfüllte Container hat hingegen ein Nutzer aus Lank zu beklagen. Demnach werden die Container an der Kaiserswerther Straße nahe des Friedhofs nicht nur für Papier und Glas genutzt: "Eigentlich dürfte allen Menschen klar sein, dass nur Glas oder Papier in die Container gefüllt werden darf. Aber es werden dort regelmäßig Fernseher und große Verpackungen von Elektro- und Haushaltsgeräten mit Styropor und Plastik abgelegt, zum Teil sogar noch mit Adressaufklebern", heißt es.

Dabei sind jedoch nicht alle Wutpunkte so ausführlich beschrieben: Einige sind auch nur mit Stichworten wie "Fluglärm" gekennzeichnet. Eine Anregung für die Stadtverwaltung sind sie jedoch allemal.

(lai)