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Meerbusch: Kribbeln in den Beinen

Meerbusch : Kribbeln in den Beinen

Der Büdericher Mediziner Dr. Rolf Wlasak ist Spezialist für Implantat-Akupunktur. Die Kassen bezahlen diese Behandlung nicht. Eine Untersuchung der Uni Köln verlief positiv.

Akupunktur, das bedeutet nicht nur, dass bestimmte Punkte des Körpers kurzzeitig mit Nadeln behandelt werden. Die Nadeln können sogar für immer unter der Haut bleiben. Diese Methode der so genannten Implantat-Akupunktur ist eine Spezialität von Rolf Wlasak aus Büderich. Sie soll laut einer Untersuchung gegen schmerzende, zuckende Beine — das so genannte Restless Legs Syndrom — helfen. Doch die Restless Legs Patientenorganisation ist skeptisch.

Rolf Wlasak tritt überzeugend auf. Der Akupunkteur aus Büderich ist sicher, beweisen zu können, dass er einen Weg gefunden hat, Menschen mit dem so genannten Restless Legs Syndrom (RLS, siehe Infokasten) zu helfen. Die Implantat-Akupunktur soll laut Wlasak dazu führen, dass RLS-Patienten auf Dauer weniger Medikamente nehmen müssen. Eine Patientin hatte ihm von der Methode berichtet, die auch gegen die Parkinson-Krankheit eingesetzt wird. Und Wlasak begann gemeinsam mit einigen Kollegen vor zehn Jahren, die Wirksamkeit der Implantate bei RLS zu überprüfen.

"Wir setzen den Patienten Nadeln aus Titan am oberen Teil des Ohrläppchens unter die Haut. Dort liegt die so genannte Dopaminzone", erklärt der Akupunkteur. Rund 15 Nadeln können es pro Ohr sein — was man laut Wlasak weder sieht noch spürt. Die Implantate berühren nach seinen Angaben Hirnnerven — und diese sorgen dafür, dass der Botenstoff Dopamin, den RLS-Patienten dringend benötigen, vermehrt freigesetzt wird.

"Ein Jahr lang kümmere ich mich danach um die Patienten, telefoniere alle sechs Wochen mit ihnen, um mit ihnen über eine mögliche Reduzierung ihrer Medikamente zu sprechen", sagt der Akupunkteur. Eine Untersuchung, die er zusammen mit Kollegen und der Uni Köln an 97 Teilnehmern gemacht hat, zeigt, dass "die Methode eine Reduktion dopaminerger Medikamente nahe(legt)" (Zitat). Wlasak: "55 Prozent der RLS-Patienten, die dabei waren, konnten dank der Implantate nach einigen Wochen bis zu 50 Prozent weniger Medikamente einnehmen."

Rund 1100 Euro kostet die Implantat-Behandlung, die von den gesetzlichen Kassen derzeit nicht gezahlt wird. Ob sie wirklich hilft, da ist Lilo Habersack skeptisch. Die Vorstandsvorsitzende der RLS-Patientenvereinigung hat auch von Mitgliedern gehört, die anschließend eine Ohrentzündung oder gar keinen Effekt erlebten. Zudem sieht sie die Methode als nicht wissenschaftlich abgesichert an: "Eine Untersuchung ist keine Studie. Denn dafür müsste zum Beispiel ein Medikament ohne Wissen des Arztes oder des Patienten gegeben werden.

Das ist bei Akupunktur-Implantaten aber naturgemäß gar nicht möglich." Jeder müsse selbst entscheiden, ob die Behandlung für ihn sinnvoll sein könne oder nicht, findet Lilo Habersack. Rolf Wlasak hat jedenfalls in den letzten Jahren 1000 Patienten die Titan-Implantate gesetzt, darunter 600 RLS-Betroffene, die nach seinen Worten zum Teil aus der Schweiz oder Amerika anreisten. Und er will weitere Untersuchungen sowie Bücher zu dem Thema veröffentlichen.

(RP/rl)