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Meerbusch: Von Grabesruhe keine Spur

Meerbusch : Von Grabesruhe keine Spur

Der Friedhof gilt gemeinhin als ruhiger Ort. Doch das ist nicht immer so. Pfarrer Wilfried Pahlke beklagt den rücksichtslosen Umgang mit Trauergemeinden, Pastor Karl-Heinz Pütz vermisst eine Kultur der Trauer.

Es ist eine Zeit der Einkehr, der inneren Ruhe. Eine Zeit für ein stilles Gespräch, eine stumme Andacht mit oder für den Verstorbenen. An Allerheiligen gehen die Menschen auf die Friedhöfe, um bei denen ihn Liebgewordenen zu verweilen, um ihre ewige Verbundenheit zu bekunden. Stille und Ruhe kennzeichnen den Tag — wie sie auf einem Friedhof eigentlich das ganze Jahr über herrschen sollten. Das scheint zumindest in Büderich aber nur teilweise gegeben.

Der Umgang mit dem Tod

Ein Punkt, den Pfarrer Wilfried Pahlke von der evangelischen Kirche in Büderich jetzt kritisiert. Immer häufiger und gerade nach Trauergottesdiensten vermisst er eine "Kultur des Abschieds" unter Friedhofsbesuchern. "Es klingt wie Satire, aber es ist Wirklichkeit, die ich erleben muss, wenn ich als Pfarrer den Trauerzug begleite", sagt Pfarrer Wilfried Pahlke. Er beschreibt schon nahezu unglaubliche Bilder. Radfahrer fahren klingelnd und rufend eng an einer Trauergesellschaft vorbei — anstatt abzusteigen und die trauernde Menschengruppe ungestört ziehen zu lassen. Nur wenige Meter vom Grab entfernt pflegt eine Unbekannte die Ruhestätte eines Verstorbenen — sie fegt, gießt und gräbt. "Selbst als andere ihr mit Gesten und leisen Worten deutlich machen, ihre Arbeit zu unterbrechen, denkt sie überhaupt nicht daran", empört sich Wilfried Pahlke. "Sie winkt nur ab."

Diese Geschehnisse kann der katholische Pfarrer Karl-Heinz Pütz indirekt bestätigen. Dabei sieht der Geistliche einen Wandel in den Verhaltensweisen der Menschen. "Frühere Generationen waren es viel mehr gewöhnt, mit dem Tod umzugehen", sagt Karl-Heinz Pütz. Die Menschen wüssten einfach nicht mehr, wie sie mit solch sensiblen Situationen umgehen sollten. "Und diese Unbeholfenheit drückt sich in den Verhaltensweisen aus", so Pütz. Der Großteil der Personen auf dem Friedhof würde sich allerdings rücksichtsvoll benehmen. Auch Friedhofsgärtner würden ihre Arbeiten dann einstellen.

"Unsere Mitarbeiter sind angewiesen, ihre Arbeiten dann woanders auszuführen", sagt Michael Erschke vom Servicebereich 11, Baubetriebshof, Friedhöfe und Grünflächen, der Stadt Meerbusch.

"Respekt ist verloren gegangen"

Dass sich das Verhalten von einigen Friedhofsbesuchern jedoch verändert hat, das können Gerd und Hubertine Schmitz bestätigen. Ein Familiengrab steht in Büderich, immer wieder kommen sie zur Pflege dorthin. "Der Respekt ist ein wenig verloren gegangen", sagt Gerd Schmitz. "Wenn ich allerdings einen Trauerzug sehe, wähle ich einen anderen Weg."

An dem Flugverkehr über den Friedhof habe man sich als Büdericher gewöhnt. Pfarrer Karl-Heinz Pütz nimmt den Fluglärmpegel gelassen. "Ich muss zwar alle drei Minuten eine Pause machen, aber wir leben eben in einem sozialen System", sagt Pütz. Da gehöre der Flughafen auch mit dazu.

(RP)