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Meerbusch: An der Seite der "Knienden"

Meerbusch : An der Seite der "Knienden"

Greetje Groenendijk, Leiterin der Ballettschule in Meerbusch, hat vor 37 Jahren dem Fotografen Bernd Jansen für ein Plakat Modell gestanden, das jetzt für die Jubiläumsausstellung im Duisburger Lehmbruck-Museum wirbt.

"Die Kniende" steht zurzeit im Mittelpunkt einer Ausstellung des Duisburger Lehmbruck-Museums. Sie wird in diesem Jahr hundert Jahre alt. Und das wird gefeiert. Auf den Werbeplakaten ist die anmutige Gipsfigur des Künstlers Wilhelm Lehmbruck zu sehen. Daneben kniet eine ebenso anmutige Tänzerin, ebenso nackt.

"Wer ist diese Frau?" Diese Frage hat die Ausstellungsmacher lange beschäftigt — so lange, bis vor einer Woche der entscheidende Tipp vom ehemaligen (ehrenamtlichen) Oberbürgermeister Stefan Krings kam: "Das ist Greetje Groenendijk".

Vor 37 Jahren hatte seine Frau Claire Rothe, die mit Groenendijk befreundet ist, bei dieser angefragt, ob sie nicht für eine Werbeplakat Modell stehen wolle. Man suche eine Tänzerin. Greetje Groenendijk, die zu dieser Zeit an der Deutschen Oper am Rhein war, ließ sich nicht lange bitten. "Ich habe ,ja' gesagt. Das war 1974/75. Für uns Tänzer war das zu dieser Zeit kein Problem", sagt sie. Und sie posierte für den Fotografen Bernd Jansen, der sich mit Porträts von Beuys, Richter oder Polke einen Namen gemacht hat.

"Einen ganzen Vormittag lang haben wir experimentiert,", erzählt Groenendijk. Sie erinnert sich gut, wie sie ihre Kleidung auf einer kleinen Bank neben der "Knienden" abgelegt hat. "Nur meinen Schal hatte ich weiter dabei. Selbst gebatikt. Den haben wir so drapiert, wie Lehmbruck es bei seiner Skulptur getan hat."

"Das Foto hängt immer noch in meiner Wohnung in Strümp. Ich sehe es jeden Tag. Es hat jeden Umzug mitgemacht. Ich habe schon eine besondere Beziehung zu ihr", sagt sie. "Die Figur ist so anmutig, so zerbrechlich. So nackt. Und das Modell muss eindeutig eine Tänzerin gewesen sei. Das sieht man", sagt Groenendijk.

Als sie jetzt von der Eröffnung im Lehmbruck-Museum hörte, wollte sie mit ihren Freundinnen unbedingt hin. "Ich wollte sie wiedersehen", sagt sie so, wie man von einer sehr vertrauten Person spricht. Doch bevor die Freundinnen einen Termin ausgemacht hatten, klingelte bei Greetje Groenendijk das Telefon. Das Museum fragte an, ob sie nicht kommen wolle, um ihre Geschichte zu dem Bild zu erzählen.

"Das werde ich am 13. November tun. Dann stellen alle Duisburger Museen ihre Wahrzeichen vor. Und ich spreche über die Kniende", so Groendijk. Auf dem Originalplakat, das leider nicht mehr aufzufinden ist, haben die Kniende und Groenendijk im Mittelpunkt gestanden. "Ringsherum waren viele andere, kniende Menschen aus Duisburg zu sehen: Feuerwehrleute, Krankenschwestern, Busfahrer — Menschen aus dem ganz alltäglichen Leben der Stadt", erinnert sich Groenendijk.

Für sie ist die Wiederentdeckung der Knienden wie eine Reise in die Vergangenheit. "Das kribbelt richtig. In den Jahren ist so viel passiert", sagt sie. Sie hat zwei Söhne geboren (1975 und 1978), hat die Ballettschule Groenendyk mit ihrem damaligen Mann Adri in Meerbusch gegründet und viele Aufführungen auch im Rheinischen Landestheater präsentiert.

Jetzt ist sie auch in Duisburg eine kleine Berühmtheit. Denn nicht nur das Plakat zeigt sie gemeinsam mit Lehmbrucks berühmter Figur, sondern auch der Katalog startet auf Seite 7 mit dieser Abbildung — werbewirksam bis heute.

(RP)