Neurologie: Das hilft gegen Restless Legs

Neurologie: Das hilft gegen Restless Legs

Abends, wenn es für andere entspannt wird, beginnt für Menschen mit Restless Legs der blanke Horror. Ihre Beine werden unruhig, das Stillsitzen zur Qual. Wie fühlt sich das an, und was kann man dagegen tun?

Ein unbändiger Bewegungsdrang, Kribbeln, Muskelzucken, ein Reißen oder Ziehen in den Schenkeln – damit macht das Restless Legs Syndrom (RLS) auf sich aufmerksam. Meist genau dann, wenn die Betroffenen eigentlich zur Ruhe kommen. Oft bringt erst Bewegung die Erlösung. Doch wer will schon umherlaufen, wenn er eigentlich hundemüde ist?

Eines der Hauptprobleme der Betroffenen: Sie finden kaum mehr Ruhe. Statt mit Freuden entspannt beisammenzusitzen, verspüren sie den Drang aufzustehen. Vor allem nachts kann das zur Qual werden. "Umherzulaufen bringt kurzzeitige Beschwerdelinderung", sagt Jörn Peter Sieb, Chefarzt der Neurologie am Hanseklinikum Stralsund. Schlafmangel bringt die Patienten bis an den Rand ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit.

Darunter leiden Menschen mit Restless Legs besonders

Außenstehende hingegen können kaum nachempfinden, wie belastend das RLS ist. "Patienten berichten nicht nur über ein gestörtes Schlafverhalten sondern auch davon, zum Beispiel nicht mehr ins Theater gehen zu können", sagt Sieb. Das belastet soziale Beziehungen oder gar die Partnerschaft. Der Experte behandelt ein Paar, das seit der Erkrankung der Frau keine gemeinsamen Abende mehr verbringen kann. "Ihn störte ihre Unruhe so sehr, dass sie nicht mehr miteinander Fernsehen können", sagt Sieb. Selbst die Nacht verbringen beide inzwischen in getrennten Schlafzimmern. ( Die ungewöhnlichsten Schlafstörungen und was dagegen hilft)

Solch schwere Krankheitsausprägungen machen deutlich, warum Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, ein höheres Risiko für Depressionen oder Herzinfarkte eng verknüpft sind. "Man stirbt nicht an RLS, aber es erhöht die Sterblichkeit", sagt Sieb.

Zwar nimmt die Erkrankung meist mit steigendem Alter zu, doch ist immerhin der Grad der Beeinträchtigung verschieden. Er reicht von leichten und nur gelegentlichen Missempfindungen in den Abendstunden bis hin zu schweren Symptomen, die zeitweise auch in den Armen und sogar im Brustkorb auftreten können.

Bis zu acht Millionen Deutsche quälen unruhige Beine

Lange Zeit galt RLS als seltene Erkrankung. Inzwischen aber weiß man, dass bis zu acht Millionen Deutsche darunter leiden. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer, sagt Sieb. Mit jedem Kind steigt das Risiko später daran zu erkranken. Nach dem ersten Kind verdoppelt es sich. Ein zweites Kind verdreifacht die Wahrscheinlichkeit.

Die Krankheitsursachen sind nach Informationen der Deutschen Restless Legs Vereinigung weitestgehend unbekannt. Doch scheint die Erkrankung auf Signalstörungen der Nerven und damit auf den Botenstoff Dopamin zurückzugehen. Neben hormonellen Einflüssen haben Forscher genetische Ursachen in Verdacht, im Zusammenhang zu RLS zu stehen. Denn unruhige Beine treten nicht nur familiär gehäuft auf, sondern werden manchmal nur während einer Schwangerschaft sichtbar.

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Das kann Auslöser für RLS sein

Diverse Erkrankungen können Auslöser für RLS sein. Als häufigste Ursache zählt die dialysepflichtige Niereninsuffizienz. Als Auslöser bekannt sind Schilddrüsenfunktionsstörungen ebenso wie Eisenmangel, Rheuma, Erkrankungen der Nerven bei Diabetes (Polyneuropathie) oder Stoffwechselstörungen. Auch die Einnahme von Medikamenten kann zu unruhigen Beinen führen. Schlafmittel, Antidepressiva, Antipsychotika oder brechreizunterdrückende Mittel, die den Wirkstoff MCP beinhalten, zählen dazu.

Wie man den Betroffenen helfen kann, ist stark von den individuellen Beschwerden und ihren Auslösern abhängig. Tritt RLS in der Schwangerschaft auf, verschwinden die Beschwerden meist danach von selbst wieder. Bei Eisenmangel kann schon die Einnahme entsprechender Präparate helfen.

Linderung gegen Restless Legs

"Manche Patienten berichten auch vom wohltuenden Effekt kühlender Einreibungen", sagt Sieb. Anderen helfen meditative Bewegungen wie beispielweise beim Tai Chi, da hierbei mit Muskelanspannung gearbeitet werde. Autogenes Training oder Muskelrelaxation seien hingegen kontraproduktiv, da sie entspannend wirken und RLS in Ruhezuständen erst zutage tritt.

Führen solche Maßnahmen nicht zu einer Linderung, setzen Neurologen auf Medikamente, die auf den Dopaminhaushalt wirken. "Diese Präparate kommen aus der Parkinson-Behandlung", sagt Sieb. Bei RLS würden sie jedoch viel niedriger dosiert eingesetzt.

Dennoch seien in seltenen Fällen in Zusammenhang mit dem Einsatz sogenannter Dopaminagonisten Impulskontrollstörungen beschrieben worden. Dazu zählen zum Beispiel das plötzliche Auftreten von Spielsucht, Heißhunger oder extreme sexuelle Lust. Erklären kann man solche Phänomene durch die Wirkung auf das Belohnungssystem im Hirn. Setzt man das Präparat ab, verschwinden diese Nebenwirkungen.

Kommt es zu solchen oder anderen Nebenwirkungen oder schlagen L-Dopamin-Medikamente nicht an, bleibt als letztes Mittel der Einsatz von Opioiden.

(wat)