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Meerbusch: "Meerbusch macht wütend"

Meerbusch : "Meerbusch macht wütend"

Die erfolgreiche Schriftstellerin Judith Kuckart fällt im "Vorwärts" ein vernichtendes Urteil über die Stadt im Grünen und ihre Bewohner: Reichtum macht dekadent.

Der Meerbuscher ist kalt, misstrauisch und wenig hilfsbereit — kurz dekadent. Und diese Eigenschaften vererben sich von Generation zu Generation, sind geradezu krankhaft. Ein solches Bild hat die erfolgreiche Schriftstellerin Judith Kuckart von den Menschen der Stadt gezeichnet.

Außerdem ist jeder Bürger Meerbuschs mindestens ein Multimillionär. Diese Ansichten gehen aus einem Interview hervor, das die in Wuppertal geborene Autorin mit dem "Vorwärts" geführt hat.

Auf die Frage, was sie heute noch wütend mache, entgegnete sie: "Die Gegend, in der ich gerade wohne. In Meerbusch bei Düsseldorf leben lauter Multimillionäre. Das ist ein Reichtum, der genetische Veränderungen verursacht.

Ein Blatt liegt auf der Straße. Es wird ein Gärtner gerufen, der es über die Straße trägt und mit einem Laubbläser in den Container jagt. Bei Glatteis fällt man hin, hat sich die Hüfte vierfach gebrochen und schreit wie am Spieß. Die teuren Gardinen bewegen sich ganz leicht, aber keiner kommt und hilft. Es könnte ja der Trick eines Einbrechers sein."

Auch unter Berücksichtigung, dass die mit dem Literaturpreis Ruhr und dem Deutschen Kritikerpreis hochdekorierte Schriftstellerin, die sich über die Bedeutung jedes einzelne Wortes im Klaren sein dürfte, gerade für das von Thomas Kraft herausgegebene Buch "Punk Stories" auf Werbetour zu sein scheint, mildert die Milieu- und Charakterbeschreibung der Meerbuscher kaum. Bei einer Kurzumfrage auf dem Wochenmarkt in Büderich fielen die Urteile über Kuckarts Ansichten auch wenig schmeichelhaft aus.

Bürgermeister Dieter Spindler ordnet ihre Aussagen tolerant in die Rubrik "schriftstellerische Freiheit". Mit der Realität habe das auf jeden Fall nichts zu tun. "Ich kenne mich nach 47 Jahren in Meerbusch, glaube ich, ganz gut in der Stadt und mit deren Bürgern aus", sagt Spindler. Die Menschen hier seien weder dekadent noch vereinsamt.

"Millionäre? Das sind neurotische und gelangweilte Gesellen, mag man meinen. Falsch!", urteilte Christian Rickens im "Spiegel". Er hat festgestellt, dass sich Lebensstil und Charaktereigenschaften der deutschen Oberschicht zwar vom Rest der Bevölkerung unterscheiden — allerdings in anderem Maße als gedacht. Rickens zitierte die Soziologin Melanie Kramer, die Daten einer Selbstbefragung von Millionären für die Studie "Vermögen in Deutschland" der Uni Potsdam ausgewertet hat.

"Sie sind weniger neurotisch, also psychisch und emotional stabiler. Außerdem sind sie häufiger extravertiert, sie sind gesellig und gern unter Menschen. Vermögende sind wesentlich offener für neue Erfahrungen, wissbegierig und tolerant. Dagegen sind sie weniger verträglich und scheuen keine Konflikte."

Der Unsinn von Frau Kuckart entlarve sich selbst, meint Werner Damblon aus Meererbusch völlig unaufgeregt.

(RP)