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Meerbusch: "Energiegeladener" Standort

Meerbusch : "Energiegeladener" Standort

Mit der Umgestaltung des Ostara-Geländes stehen die WBM vor einer Herausforderung. Das Projekt mit 225 Wohnungen und einem Frischemarkt soll zu einer ökologischen Vorzeigesiedlung werden.

Die Politik hat einen ambitionierten Plan vorgegeben: Das Ostara-Neubaugebiet in Osterath soll vorbildlich ökologisch entwickelt werden. Ziel dabei ist eine Energieversorgung aus regenerativen Quellen, eine möglichst starke CO2-Vermeidung und sparsamer Energieverbrauch. Auf der Fläche des ehemaligen Fliesenwerks sollen 225 Wohnungen, ein Frischemarkt mit rund 4100 Quadratmetern Verkaufsfläche und diverse Gewerbebauten entstehen.

Die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch sind zurzeit mit großem Einsatz dabei, den Öko-Plan in die Realität umzusetzen. "Ein hochspannendes Projekt", findet WBM-Geschäftsführer Albert Lopez. Lösen lässt sich die Aufgabenstellung nur durch einen ausgefeilten Energiemix und besonders sparsam konstruierte Häuser. Eine ursprünglich geplante Holzentgasungsanlage hatte sich als unrentabel erwiesen.

Nachdem die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch eine Machbarkeitsstudie der Uni Bochum erstellen ließen, geht die Planung der WBM-Experten nun in die konkrete Phase. Ein großer Vorteil des Gebiets ist die Möglichkeit, auf Erdwärme zurückzugreifen: Meerbusch gilt als nahezu idealer Geothermie-Standort.

Es sind Bohrungen bis in 100 Meter Tiefe unter dem geplanten Supermarkt-Parkplatz geplant. Dadurch kann die Temperatur des dortigen Grundwassers genutzt werden. Probebohrungen haben bereits gezeigt, dass das möglich ist. Der Standort ist geradezu "energiegeladen".

Das Erdreich kann dabei nicht nur als Wärmequelle, sondern auch als Wärmespeicher genutzt werden. Dass das funktioniert, beweisen die WBM bereits mit einer Gas-Sohle-Wärmepumpe am Hohegrabenweg in Büderich. Nur wenn die durch Erdwärme gewonnene Energie nicht reicht, soll ein Gas-Blockheizkraftwerk die Versorgungslücke schließen.

Das Kraftwerk ist aber in erster Linie zur Wärme- und Kälteversorgung (also Heizung und Klimatisierung) von Frischemarkt und Gewerbe vorgesehen. Dabei kann auch Biogas zum Einsatz kommen. Im Winter helfen niedrige Außentemperaturen (bis sieben Grad) beim Energiesparen — sie werden zur so genannten Prozesskühlung genutzt.

Im Sommer kann überschüssige Abwärme das sich kaum bewegende, mehr als hundert Meter tiefe Grundwasser und Erdreich aufheizen — und Monate später wieder abgerufen werden. Strom soll übrigens auch die Sonne liefern: Über dem Parkplatz wird eine Photovoltaik-Anlage entstehen.

Der Zeitplan sieht so aus, dass die Stadt im Dezember das Offenlegungsverfahren beendet. Im Februar würde dann die abschließende Ratssitzung anstehen. Danach müssten die Bau- und Serviceleistungen ausgeschrieben werden.

Die Errichtung der Energieversorgung durch die WBM wäre dann eine der ersten Maßnahmen bei der Erschließung der Fläche. Die hier entstehenden Immobilien weisen nicht nur einen energetisch hohen Standard auf, sondern stellen mit Sicherheit ein interessantes Investitionspotenzial dar.

(RP)