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Meerbusch: Lärm-Inferno an den Gleisen

Meerbusch : Lärm-Inferno an den Gleisen

Lauter als jeder Düsenjet donnern Güterzüge des Nachts durch Osterath. Der Verkehrsclub Deutschland hat einen Durchschnittspegel von 99 Dezibel gemessen. Die Lärmkartierung muss im Juni 2012 abgeschlossen sein.

Der Fluglärm in Büderich ist offenbar nur ein müdes Rauschen im Vergleich zum Bahnlärm in Osterath. Spitzenwerte von 115 Dezibel und ein Durchschnittspegel von 99 Dezibel nachts in der Zeit von zwei bis drei Uhr seien entlang der Gleise registriert worden, berichtete SPD-Ratsherr Hans-Günter Focken im Gespräch.

Die Züge ratterten während der Messung im 90-Sekunden-Takt durch den Ort, ergänzte Dr. Hans Jörgens, Bahnlärmexperte beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) — und es werde in Zukunft noch viel schlimmer werden, prognostizierte er.

Jörgens hat sich schriftlich an das Eisenbahnbundesamt — eine staatliche Aufsichtsbehörde — gewandt, um zu hinterfragen, warum der Meerbuscher Abschnitt der Bahnverbindung von Kleve nach Köln hinsichtlich der Belastung der Anwohner noch nicht kartiert sei. Andererseits tauche Meerbusch aber bereits in einem Lärmsanierungsprogramm auf, wenn auch erst in zehn bis 15 Jahren. "Da stimmt was nicht", meint Jörgens.

Gleichwohl habe er die Bestätigung bekommen, dass die Meerbuscher Trasse im zweiten Kartierungsabschnitt berücksichtigt werde. Die Frist dazu laufe allerdings schon am 30. Juni 2012 ab. Dann sei es Aufgabe der Kommune, die Daten auszuwerten und einen Lärmaktionsplan aufzulegen.

Der ist übrigens für Meerbusch hinsichtlich des Straßen- und Fluglärms schon im Internet auf der Seite der Stadt mit der Adresse www.meerbusch.de hinterlegt. Demnach sind tagsüber fast 16 000 Menschen von den Lärmemissionen der Düsenjets in einer Lautstärke zwischen 55 und 65 Dezibel Dauerschallpegel betroffen. Nachts reduziert sich die Zahl auf 2506, die bis zu 55 Dezibel aushalten müssen.

Heiko Bechert und Detlef Horn, die in der Stadtverwaltung für die Thematik zuständig sind, weisen allerdings darauf hin, dass die Einzelschallereignisse deutlich höher liegen und geeignet sind, die Menschen aus dem Schlaf zu reißen.

Die gesundheitsschädigende Wirkung solcher Störungen der Nachtruhe kennt auch Jörgens. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verkürze sich die Lebenserwartung der Menschen in Westeuropa innerhalb von zwölf Monaten durch die Folgen des Lärms um eine Million Lebensjahre.

Vor allem Männer litten an der nächtlichen Ruhestörung, erklärte Jörgens. Sie würden in Alarmstimmung versetzt, schütteten Stresshormone aus, weil sie glaubten, sich und ihre Angehörigen verteidigen zu müssen, berichtet er.

Die Osterather Bürgerinitiative Stoppt-den-Bahnlärm bereitet bis Ende des Jahres die Einrichtung einer Dauermessstelle vor. "Dann können die Pegel gerichtsfest dokumentiert werden", sagt Jörgens.

Darüber hinaus würden in der Folge endlich verlässliche Zahlen existieren, wie viele Züge pro Jahr den Osterather Bahnhof passieren. Eines stehe allerdings jetzt schon unzweifelhaft fest, die Bahnlärmwerte in Meerbusch seien alarmierend.

(RP)