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Leverkusen: Sprung zwischen Karneval und Kabarett

Leverkusen : Sprung zwischen Karneval und Kabarett

Leverkusens kleinste Sitzung (LKS) hat vieles nicht. Sie hat keine teuren Stars, keine Halle mit mehreren Hundert Plätzen und kein professionelles Catering. Doch Leverkusens kleinste Sitzung hat den gewissen Charme.

In der gut gefüllten Halle des Kulturausbesserungswerks (KAW) setzten die Künstler um Moderator Gündä (Wolfgang Müller-Schlesinger) und Moritz Boddenberg zum Sprung zwischen Karneval und Kabarett an. Schließlich wendet sich die Sitzung besonders an "Gelegenheits- und Anti-Jecke" und verspricht: "Kabarett trifft Karneval".

Eine ordentliche Portion Karneval verpassten dem größtenteils kostümierten Publikum das Moderatorenduo Moritz und Gündä sowie die "Seniorinnen" des "Rollatorinnen-Trios". Im echten Leben noch ein gutes Stück vom Seniorenalter entfernt, stellten sie die Vielsei- tigkeit von Gehhilfen unter Beweis. "Die Dinger sind nichts fürs Alter, da braucht man schon Mut für", sagte Charla Drops, die mit Bea Dastis-Schenk und Susanne Klemich das Rollatoren-Trio bildet. Als kleinkindlich tollpatschiger Sidekick "Dröppche" der Moderatoren Moritz und Gündä begeisterte Drops das Publikum auch abseits der Gehhilfen. Unterhaltsame Pointen und herbe Witze gab es vom "Kabrettistischen Flügel" des LKS-Teams. Der zum seit Jahren beinahe unveränderten Ensemble gehörende Nachrichtensprecher Michael Sabel der "LKs-Nachrichten" behandelte in vier "Sendungen" aktuelle Themen. Besonders bissig bekamen es dabei die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) ab.

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In Sabels Nachrichten forderte Pegida, die Gebeine der Drei Könige aus dem Kölner Dom zu entfernen. Die Könige seien "ein besonders dreistes Beispiel für die Islamisierung des Abendlandes". So seien die "Männer mit langen Gewändern und Salafistenbärten" sogar direkt an die Krippe des Jesu-Kindes vorgedrungen. Über "Wahlvieh" und den DIEPAZ (dickster Parteivorsitzender aller Zeiten) Sigmar Gabriel ließ sich Kabarettist Mark Welte aus. Zu kämpfen hatten die Darsteller dabei mit einer nicht immer ganz reibungslos funktionierenden Technik. Mikrofonausfälle und Schwierigkeiten bei der Musikwiedergabe überspielte das Moderatorenduo gekonnt. Es entstand fast der Eindruck, das sei geplant gewesen. Dem Charme der Veranstaltung tat das keinen Abbruch.

Begeistert von der Sitzung war Sonja Schacht. "Es ist natürlich - wie erwartet - schön", sagte sie. Das Rheinhessisch von Moderator "Gündä" sei ein schöner Gegensatz zum sonst im Karneval meist dominierende Kölsch. "Als gebürtige Leverkusenerin, die jetzt nicht mehr hier lebt, ist es auch mal ganz schön über die lokalen Ereignisse hier geupdated zu werden", sagte Schacht.

Vorstellungen: Freitag/Samstag, 6./7. Februar. Karten: KölnTicket, Forum-Kasse. Eintritt: 10/15 Euro.

(jim)