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Leverkusen: Schon wieder ein Böller-Unfall

Leverkusen : Schon wieder ein Böller-Unfall

Eine historische Kanone hat bei einem Schützenfest in Hamm zu früh gezündet und einen 34-Jährigen schwer an der Hand verletzt. Die Ursache ist bislang unklar, die Polizei ermittelt. Ein Böller-Verbot soll es vorerst nicht geben.

Wieder ein tragischer Unfall bei einem Schützenfest — diesmal im Hammer Stadtteil Westtünnen: Beim Laden einer historischen Kanone für Salutschüsse am Samstag sind einem 34-Jährigen nach Augenzeugenberichten Teile seiner rechten Hand abgerissen worden. Der Mann wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik gebracht. Die Polizei sprach von "schwersten Handverletzungen".

Laut Polizei hatten die Schützen zu Ehren des Kaiserpaares bereits zwei Kanonenschüsse abgegeben. Beim Nachladen für einen dritten Schuss habe sich dann das Schwarzpulver in der Röhre vorzeitig entzündet. Die Polizei ermittelt derzeit noch die genauen Umstände des Unglücks. Die Kanone wurde sichergestellt. Ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde eingeleitet.

Schwerer Unfall in Schlebusch

Erst vor zwei Wochen war es zu einem schweren Unfall beim Schützen- und Volksfest in Leverkusen-Schlebusch gekommen (wir berichteten). Dort war ein großer Schwarzpulver-Böller unkontrolliert hochgegangen und hatte einen 46-jährigen Schützen aus nächster Nähe im Gesicht getroffen. Der Mann wurde schwer verletzt in eine Kölner Spezialklinik gebracht. Die Schlebuscher Schützen hatten nach dem Unglück betont, alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit dem Schwarzpulver-Abschussgerät getroffen zu haben. Dennoch war die Ladung explodiert — in dem Moment, als sich der Schütze über das Gerät beugte.

Die Polizei Köln sagte gestern auf Anfrage, dass sie derzeit immer noch untersuche, ob es sich tatsächlich um einen Unfall handelt, oder eventuell eine Straftat vorliege. Wie lange die Untersuchung noch andauere, konnte der Polizeisprecher nicht sagen. Auch die Frage, von wem die Untersuchung durchgeführt werde, blieb unbeantwortet. "Vermutlich vom Landeskriminalamt", hieß es. Unterdessen wird in diesen Tagen überall da, wo Schützenfeste gefeiert werden, weiter geböllert — sowohl mit Kanonen, als auch mit Hand-Abschuss-Geräten. Der tragische Unfall auf dem Schlebuscher Schützenfest und und auch das tragische Ereignis in Hamm ändern daran vorerst nichts.

Ein vorübergehendes Schussverbot für Kanonen, zumindest bis die Ursache für die unkontrollierte Explosion von 120 Gramm Schwarzpulver gefunden und das Unglück mit der historischen Kanone aufgeklärt sind, werde nicht erwogen, teilte das NRW-Innenministerium gestern auf Anfrage mit.

Ein Schuss-Verbot sei nicht Angelegenheit des Innenministeriums, sondern der zuständigen Ordnungsbehörde — und das sei im Falle Schlebuschs die Stadt Leverkusen, hieß es. Die Städte oder Gemeinden befassten sich mit der Genehmigung von "Feuerwerkskörpern". Rechtsgrundlage sei die Sprengstoffverordnung.

Das Bundesinnenministerium hatte bis heute keine offizielle Kenntnis von dem Böller-Unglück in Hamm. "Es besteht keine Meldepflicht des Landesministeriums an das Bundesministerium", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Bezüglich eines Schussverbots müsse man abwarten, was die Ermittlungen der Polizei ergäben, hieß es weiter.

(RP)