Leverkusen: Politik findet die Hochmasten stadtbildprägend

Leverkusen : Politik findet die Hochmasten stadtbildprägend

Seit Ende der 60er Jahre hat Leverkusen weiße Riesen. Licht-Hochmasten säumen den Europaring. Die Stadt will sie nach und nach abreißen. Der Bauausschuss will das eher nicht.

Es gibt Bauten in einer Stadt, die gehören einfach dazu. Der Kölner Dom zum Beispiel. Da zieht quasi seit Jahrhunderten Tag ein Tag aus ein Bautrupp ringsrum, um das Wahrzeichen von Köln in Schuss zu halten. Und jetzt stelle man sich vor, der Tourismusmagnet mit den beiden Türmen sei auf einmal weg. Undenkbar. Denn der Dom in Köln ist schließlich stadtbildprägend.

Foto: Schütz Ulrich

Selbes attestierten am Montag im Bauausschuss etliche Mitglieder des Gremiums auch einer Reihe von Bauten in Leverkusen entlang der B 8. Konkret: Die Ausschusspolitiker ordneten die Licht-Hochmasten am Europaring als stadtbildprägend ein. So im Zusammenspiel mit Forum und City. Heißt: Abbauen, wie es die Stadt in einem Beratungspapier nicht nur vorschlägt, sondern auch die entsprechenden Einsparungen vorrechnet - das geht so einfach nicht.

Da soll die Stadt bitte nochmal ausrechnen, was es denn kosten würde, wenn man die Hochmasten eben nicht mehr anknipst, sie aber wegen der Leverkusen kennzeichnenden Optik einfach stehen ließe. Oder wie Ausschuss-Vorsitzender Peter Ippolito sagt: "Die Frage ist: Ginge das noch günstiger zu dem, was die Stadt ausgerechnet hat?" Bisher legt die Verwaltung für die Hochmasten - Jahrgang 1968 - diese Daten vor: Erstens: Die Masten, die Bauausschuss-Mitglied Paul Hebbel (CDU) als "Hollywood von gestern" bezeichnet, sind standsicher. Das könnten die Hochmasten-Fans schon mal auf ihrer Seite verbuchen. Zweitens: Die Masten sind dem Kölner Dom nicht unähnlich. Sie brauchen Instandhaltung. Das kostet: nämlich laut Stadt in den nächsten drei Jahren pro Mast rund 15.000 Euro. "Bis zum Jahr 2028 werden die Unterhaltungskosten so insgesamt je Mast rund 50.000 Euro betragen."

Der Rat hat im vergangenen Jahr beschlossen, dass ab diesem Jahr erstmal die vier funktionslosen Hochmasten abgebaut werden, dann ein Konzept für konventionelle Beleuchtung, wo nötig, erarbeitet wird und später die verbliebenen 14 Hochmasten abgebaut werden. Die Stadt kommt so beim Unterhaltungsaufwand auf ein Einsparvolumen in Höhe von 490.000 Euro.

Es wären allerdings nicht die ersten Masten, die das Stadtbild verlassen müssten. 2008 zum Beispiel ist einer dieser 35 Meter hohen Lichtkolosse gefallen. Der stand zwischen Y-Brücke und damaliger Stadtbibliothek und bestrahlte stolz mit bis zu zehn Scheinwerfern je à 500 Watt den Rathausvorplatz, prägte also schon durch die helle Erscheinung. Ein bisschen so wie das vor Jahren kurz vor dem Abriss gerettete Bayer-Kreuz, das als Wahrzeichen der Stadt ein Stück weiter an der B 8 weithin sichtbar leuchtet.

Dass diese flutlichtähnlichen Leuchten überhaupt den Europaring säumen, liegt an "einer Zeit, in der man nicht auf Geld, noch auf die Themen Energiesparen und Umweltschutz achten musste", sagt Bauausschuss-Mitglied Paul Hebbel. "Das war da früher taghell. Wir hatten hier auch mal die einzige beleuchtete Autobahn in Europa, das war das Stück zwischen Leverkusen und Köln-Mülheim."

Ob die spargelig in den Himmel ragenden Hochmasten stadtbildprägend sind oder nicht - Hebbel und Ippolito halten sich mit einer Meinung zurück -, der Bauausschuss hat beschlossen, die Lichtriesen erstmal in die nächste Beratungsrunde zu vertagen. In der Zeit kann ja mal jeder für sich überlegen, ob das Leverkusener Stadtbild ohne Hochmasten so leer aussähe wie Köln ohne den Dom.

Ein Hoch auf die Hochmasten oder: Weg mit den Riesenleuchten, das Bayer-Kreuz reicht als Wahrzeichen! Was meinen Sie? Sagen Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an leverkusen@rheinische-post.de oder Post an Rheinische Post, Redaktion Leverkusen, Bahnhofstraße 2a, 51379 Leverkusen.

(RP)
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