Leverkusen: Ende für den 35-Meter-Riesen

Leverkusen : Ende für den 35-Meter-Riesen

Der Lichtmast der EVL wurde gestern entfernt. Er steht genau auf dem Gelände, wo das neue ECE-Zentrum geplant ist. An der Kette eines Riesen-Krans bewegte er sich ganz langsam Richtung Boden.

"Heute ist er fällig", murmelt Hans-Jürgen Darr. Der Bauleiter der THK schaut sich noch einmal den 16 Tonnen schweren Stahlkoloss an. Der Hochmast der EVL — er steht zwischen Y-Brücke und Stadtbibliothek — hat rund 30 Jahre den Vorplatz des Rathauses mit gleißendem Licht versorgt. Auf der Plattform in einer Höhe von rund 35 Meter sind zehn Scheinwerfer mit jeweils 500 Watt angebracht. Jetzt muss der Mast weichen. "Er steht genau in der Baulinie", sagt Darr. Dort komme das neue ECE-Center hin. In unmittelbarer Nähe sind noch zwei Hochmasten. "Die behindern den Bau aber nicht. Die können bleiben", sagt Darr.

In der Zwischenzeit ist Polier Suljo Alic im Inneren des Hochmastes über eine Leiter hochgeklettert. "Das ist verdammt eng darin", sagt Darr. Etwa einen Meter unterhalb der Plattform werden mit einem Brenner zwei Löcher geschweißt, durch die eine schwere Stahlkette gezogen wird. Die Kette befestigt er anschließend am Ausleger des Riesen-Krans. An diesem 250-Tonnen-Monster wird bald der Hochmast hängen.

Lichtmast mit Brenner bearbeitet

Gespannt verfolgt ECE-Bauleiterin Astrid Thiel das Geschehen. "Wir haben auf der Baustelle extra Erde angehäuft, auf der der Mast später liegen wird", erzählt sie. Die anderen Mitarbeiter von THK sind in der Zwischenzeit auch nicht untätig. Sie arbeiten mit einem Brenner, um den Hochmast am Boden zu lösen. "Sonst kann er ja nicht umkippen", sagt Hans-Jürgen Darr. Er ist froh, dass kein Wind herrscht. "Dann hätten wir bei dieser Aktion einige Probleme." Es sei fraglich, ob bei anderen Wetterbedingungen der Kran den Hochmast richtig halten könne. "Wir hätten ganz andere Sicherheitsmaßnahmen treffen müssen." Das hätte eine Zeitverzögerung gegeben, erklärt der Bauleiter.

Der Hochmast ist am Boden gelöst worden. Jetzt kann die eigentliche Aktion beginnen. Der Turm hängt mit der Kette am Kran, der ihn ganz langsam — Zentimeter für Zentimeter — Richtung Erde hinunterlässt. Für Hans-Jürgen Darr scheint das eine Ewigkeit zu dauern. Er schaut immer wieder zum Hochmast hin, der allmählich in Schieflage gerät — und dann wieder zum Kran. Alles läuft prima. "Das könnte eine Punkt-Landung werden", hofft Darr. Nur noch vier Meter bis zur Erde. Dann noch drei, zwei — endlich liegt der Hochmast wie ein gestürzter Riese auf der Baustelle. Die zahlreichen Beobachter am Baustellenzaun atmen erleichtert auf. Die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei verlassen das Fester, von dem aus sie die Aktion gespannt verfolgt haben. "Alles ist gut gegangen", freuen sich Darr und seine Kollegen.

Mundgerecht zerkleinert

Erst einmal wird ein kleine Pause gemacht. Dann wird der Hochmast mit Hilfe des Brenners in kleine Stücke zerteilt. "Das muss jetzt alles mundgerecht geschehen", schmunzelt der Bauleiter. Die Teile des Mastes werden anschließend zum Schrotthändler gebracht. Auch einige Mitarbeiter der EVL haben sich das Spektakel angesehen. Jetzt stehen sie unmittelbar vor den Leuchten, die auf der Plattform befestigt sind.

"Die haben jetzt endgültig ausgedient", sagt einer nicht ohne eine Spur von Wehmut. Denn mit dem Hochmast ist ein weiteres Stück Leverkusener Geschichte endgültig Vergangenheit.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Entfernung des EVL-Mastes in Bildern

(RP)
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