Leverkusen: Die Ära Grigat im Chempark ist zu Ende

Leverkusen : Die Ära Grigat im Chempark ist zu Ende

Nach zehn Jahren an der Spitze des Chemparks gibt Ernst Grigat zum 1. April den Posten ab.

Ob er zum Abschied nochmal im Chempark Paternoster fährt? Von dieser Art des Auf-und-Ab-Transports ist Ernst Grigat Fan. Hat er mal in einem selbigen fahrend mit einem Lächeln um die Mundwinkel erzählt. Zeit dazu hätte er nur noch bis Ende März. Solange ist er noch Chempark-Leiter an den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Dann ist Schluss. Er geht. Nach zehn Jahren als Chempark-Chef "will sich Grigat nun einer neuen Aufgabe widmen", heißt es in der Mitteilung des Chempark-Betreibers Currenta, eine übliche Formulierung. Welche Aufgabe das wo sein wird - bleibt vorerst ein Fragezeichen.

( 125 Jahre Bayer am Rhein: Grigat blickt auf den Bayer-Gründer im Gebäude Q 26. Foto: Miserius Uwe

Über seine Managerzeit sagt Grigat: "Die zehn Jahre Chempark-Leiter in Leverkusen waren für mich eine spannende und erfüllte Zeit. Den Weg vom Bayerwerk zum Chempark legten wir miteinander zurück. Das war nicht immer einfach, aber immer konstruktiv."

'2012 fuhr Grigat beim Seifenkistenrennen in Edelrath mit den Berg runter. Foto: Uwe Miserius

Hinterlassen wird der promovierte Chemiker seinem Nachfolger - dazu später mehr - einen eingespielten Chemiepark, der in den vergangenen Jahren etliche Neuerungen durchlebte: Bau eines neuen Rhein-Dükers (Rohrleitungstunnel), eines neuen Stellwerks, die Erweiterung des Entsorgungszentrums Bürrig, die Kaimauer-Sanierung...

Der Neue: Lars Friedrich folgt auf Ernst Grigat. Foto: Currenta

Eines wird in seiner Noch-Amtszeit nicht fertig: das seit Jahren geplante Gas- und Dampfkraftwerk. Für das ist zwar ebenfalls seit Jahren das Baufeld freigeräumt, aber bisher hat das Unternehmen Steag, das das Projekt vom früheren Interessenten Repower übernahm, noch nicht zum Spatenstich geladen. Begründung: die energiepolitischen Rahmenbedingungen hierzulande.

Ende 2012 stieg NRW-Verkehrsminister Michael Groschek ins Bauwerk der A1-Brücke, bevor er sie für Lkw sperrte. Ernst Grigat nutzt die Gelegenheit für ein Gespräch. Foto: UM

Apropos Deutschland: Ernst Grigat, der 1991 bei Bayer begann, hat über den deutschen Tellerrand hinausgeschaut, pflegte etwa gute Kontakte nach China. Der 56-jährige Familienvater hat sich schon ziemlich zu Anfang seiner Managerzeit eines vorgenommen: Das Obamasche Motto "Yes we can" zu seinem Leitmotiv zu machen. "Das passt optimal zu uns", bekannte Grigat 2008 verbunden mit dem Ziel, den Chempark zum attraktivsten in Europa zu machen. Und zu einem Industrieareal, das in der Bevölkerung, den "Nachbarn", wie er sagt, auf Akzeptanz stößt. Currenta-Chef Günter Hilken bescheinigt Grigat, die "Entwicklung des Chemparks zu einer Gemeinschaft vieler Unternehmern mit einer guten Adresse, eben Chempark, maßgeblich" geformt zu haben. Grigat wollte davon etwas nach außen tragen, macht für diese Herzensangelegenheit immer wieder Werbung. Auch beim Halbmarathon, beim Seifenkistenrennen und beim Foto-Tête-à-tête mit einer Schildkröte (für den Tierschutz).

Der Neue wird sich auch an solchen Aktionen messen lassen müssen. Lars Friedrich (44) absolvierte eine Lehre zum Chemielaboranten bei Bayer, schloss ein Studium zum Sicherheitsingenieur an, setzte eine Ausbildung zum Brandschutzingenieur drauf. Seit 2015 ist er im Currenta-Geschäftsfeld Umwelt verantwortlich für Kälte- und Wasserversorgung. Laut Hilken soll er sich nun auf Sicherheit konzentrieren. Was noch wichtig ist, hat Grigat ihm vielleicht schon erläutert. Womöglich bei einer Paternoster-Fahrt.

(RP)
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