Das Ballett und Tanztheater Schlebusch zeigte ein Stück zum Thema Freiheit.

Ballett und Tanztheater Schlebusch : Im Kummerland ist Tanzen verboten

Das Ballett und Tanztheater Schlebusch zeigte ein Stück zum Thema Freiheit.

Im grauen Kummerland ist das Tanzen verboten. Und die Ordnungspolizei des strengen Fürsten Lachenicht überwacht genau, ob das Verbot auch eingehalten wird. Das ist die Ausgangssituation im Märchen „Tanzen verboten“, das sich Alois Weber ausgedacht hat. Allerdings schrieb er die Fantasiegeschichte über die Beschränkung der Freiheit vor einem durchaus ernsten Hintergrund. Tatsächlich gebe es in der Realität religiöse und weltanschauliche Systeme, die ein Tanzverbot befürworten oder gar durchsetzten, erklärt er seine Motivation für das Libretto, das auf der Bühne ohne Worte erzählt wird – mit Tanz, Bewegung und eindeutigen Bildern. Seine Frau, Inge Weber-Hintzen, hat die Tanzballade choreografiert und mit ihrem Ballett und Tanztheater Schlebusch einstudiert.

Alle drei Jahre realisiert sie, neben dem normalen Training, so ein Großprojekt im Forum. Nach dem Tanz auf dem goldenen Vulkan nun also ein Ausflug ins Fantasieland, wo ausgerechnet die liebste Beschäftigung aller 140 Beteiligten im Alter von fünf bis 40 Jahren verboten ist. Da werden sich gewiss nicht alle fügen. Kasper Floh jedenfalls kann sich nicht mit den freudlosen Einschränkungen abfinden und versammelt  die Kinder und Jugendlichen des Landes an einem geheimen Ort im Wald, wo sie singen, springen und tanzen dürfen.

Wunderbar – bis die Ordnungspolizei dahinter kommt, den Anführer verhaftet und die Tanzenden abmahnt. Kasper Floh wird in einen Käfig gesperrt und als abschreckendes Beispiel auf dem Marktplatz ausgestellt. Im Märchen siegt das Gute, nämlich der Wunsch zu tanzen, der nun immer mehr Menschen ergreift. Plötzlich wendet sich das Blatt.

Wie, das zeigen die einzelnen Gruppen des Tanztheaters unter dem Dach des Schlebuscher Turnvereins. Die Choreografin Inge Weber-Hintzen lässt die Tanzenden den Widerstand gegen unsinnige Verbote in vielfältiger Weise in Bewegung zum Ausdruck bringen. Für sie ist die Vorstellung eines solchen Verbots gleichzusetzen mit einer existentiellen Beschränkung der Freiheit. „Das Verbot ist eine Einschränkung der menschlichen Grundrechte“, sagt sie, und weiter: „Es behindert die Entwicklung der motorischen Intelligenz, die sich gerade bei tanzenden kleinen Kindern noch vor dem Erwerb der Sprachfähigkeit so ausdrucksvoll zeigt.“

Das sei ein wesentlicher Aspekt bei der diesjährigen Themenwahl. Denn auf der Bühne werden bereits Fünfjährige zu sehen sein, deren Bedürfnisse in der Tanzballade kindgerecht erfüllt werden sollen, anstatt „süßes Ballett“ zu imitieren. Außerdem sind wieder alle Altersgruppen entsprechend ihrem Leistungsstand eingebunden.

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